Fachartikel

FEB2020
Ausgabe 1/2020, Seite 34 | 20-02-34-01

Deutsche Marktforschungsinstitute: Umsatzliste 2019

Mit schlanken Strukturen in die Zukunft

Der Umbau der Marktforschungsbranche ist in vollem Gange. Wie sich die Umsätze der Institute im Jahr 2019 entwickelten, lesen Sie exklusiv in der Research & Results. Ein Beitrag von Carola von Kessel.
Die Entwicklung der Umsätze deutscher Marktforschungsinstitute: Umsatzliste 2019Foto: gualtiero boffi, iurii – Shutterstock
Der Umbau der Marktforschungsbranche ist in vollem Gange. Wer sich schnell auf aktuelle Kundenbedürfnisse einstellen und dabei möglichst auch noch Kosten sparen möchte, braucht schlanke und flexible Strukturen – eine Herausforderung vor allem für die großen Institute. Nicht nur der GfK-Konzern befindet sich nach wie vor im Wandel, auch bei den Kantar-Instituten wurden die Unternehmensstrukturen im vergangenen Jahr weiter vereinfacht. Für viele kleinere deutsche Institute ist das Geschäftsjahr 2019 dagegen weniger turbulent verlaufen, wie die aktuelle Instituts-Umsatzliste zeigt.

Branchenumsätze: Weiter rückläufig

Insgesamt lagen die Umsätze der deutschen Marktforschungsinstitute 2019 bei etwa 2,3 Mrd. Euro, das entspricht im Vergleich zum Vorjahr einem Rückgang um 2,5 Prozent (inflationsbereinigt minus 4 Prozent). Dennoch konnten zahlreiche Institute 2019 sowohl ihre Umsätze als auch die Mitarbeiterzahlen steigern. Von den 105 Unternehmen, die in der diesjährigen Instituts-Umsatzliste vertreten sind, erzielten 45 Institute im Vergleich zu 2018 Umsatzsteigerungen. Auf der anderen Seite verzeichneten 31 Unternehmen rückläufige Umsätze. Bei 24 Firmen sind die Umsätze auf Vorjahresniveau geblieben, für die restlichen fünf Institute war kein Vergleich zum Vorjahr möglich.

Kantar: Neue Struktur

Nach der Zusammenführung der bisher einzeln operierenden Institute Kantar TNS, Kantar Millward Brown, Kantar Added Value und Infratest dimap werden die Umsätze der Kantar-Institute nun gebündelt in der Liste ausgewiesen. Um die Entwicklung im Zeitverlauf transparent zu machen, hat die Redaktion die Umsatz- und Mitarbeiterzahlen der Kantar-Institute auch für die Vorjahre zusammengeführt. Entsprechende Fußnoten in den Listen weisen darauf hin.

GfK: Drastische Verschlankung

Auch beim GfK-Konzern ist die Phase des radikalen Umbaus noch nicht abgeschlossen. Nachdem im Zuge von Kooperationen und Verkäufen einzelner Sparten 2018 bereits mehr als 1.500 GfK-Mitarbeiter zu anderen Unternehmen gewechselt hatten, ging der Stellenabbau im vergangenen Jahr weiter. Nach Schätzungen der Redaktion hat die GfK am Stichtag 1.12.2019 weltweit noch etwa 8.400 fest angestellte Vollzeitmitarbeiter beschäftigt, etwa 4.500 weniger als zwei Jahre zuvor. Damit ist die Zahl der GfK-Angestellten seit 2017 um etwa ein Drittel gesunken. Wenig überraschend ist vor diesem Hintergrund, dass auch die Umsätze der GfK rückläufig sind. Nach Schätzungen der Redaktion lag der globale Umsatz des Nürnberger Konzerns 2019 bei 1,36 Mrd. Euro, Tendenz weiter sinkend.

Aktuelle Veränderungen in der Umsatzliste

Neu in der aktuellen Umsatzliste sind die Unternehmen Exevia (Nürnberg), Facit Research (München), infas quo (Nürnberg), sociodimensions (Heidelberg) und Transpera (Hamburg).

Aus verschiedenen Gründen haben einige Institute, die im Vorjahr noch in der Liste vertreten waren, diesmal nicht teilgenommen ‒ darunter die Schwesterunternehmen ASK International und ASKi-Data (beide Hamburg), die seit 2019 gemeinsam unter dem Namen ASKi & Data Intelligence firmieren. Die Deba Datenauswertung (Fürth) hat 2019 ihre Geschäftstätigkeit eingestellt. Das Frankfurter Teststudio Intrateam taucht nicht mehr in der Liste auf, weil es jetzt zu Herzog + Glaser Frankfurt gehört.

Das Unternehmen LDB Löffler (Berlin) ist neuerdings nicht mehr im Marktforschungsbereich tätig und somit ebenfalls nicht mehr in der Liste aufgeführt. Von DocCheck Research (Köln) lagen bei Redaktionsschluss noch keine verlässlichen Zahlen vor, und auch das ipi-Institute (Stuttgart) und Point-Blank (Frankfurt) sind diesmal nicht in der Liste vertreten.

Top-50-Ranking: Neueinsteiger und Aussteiger

Im Ranking der 50 umsatzstärksten Institute gibt es diesmal einige Neuzugänge. Wichtige Gründe dafür sind einerseits die Verschmelzung der bisher einzeln aufgeführten Kantar-Institute, andererseits auch der Rückzug von LDB Löffler aus der Marktforschung. Die LDB Gruppe war 2018 noch mit einem Umsatz von 22,5 Mio. Euro in der Umsatzliste vertreten und belegte damit den 11. Rang unter den deutschen Instituten.

2019 liegt die GfK Gruppe unverändert auf Platz 1, gefolgt von Kantar Deutschland, Nielsen Germany, Ipsos Deutschland, MaritzCX und Psyma Group. Auf Platz 7 findet sich weiterhin die GIM Gruppe, gefolgt vom Infas Institut, das sich wie schon 2018 erneut um einen Rang verbessern konnte und jetzt auf Rang 8 liegt. Auf dem 9. Platz findet sich die Kleffmann Group vor dem Unternehmen SAM Sensory and Marketing International, das den im Vorjahr erstmals belegten 10. Platz halten konnte.

Das deutlichste Umsatzplus unter den Top-10-Instituten erzielte diesmal die GIM Gruppe mit einer Steigerung um 16 Prozent. Gemeinsam haben die zehn größten Institute im abgelaufenen Jahr einen Umsatz von 1,95 Mrd. Euro erzielt; das entspricht 85 Prozent des deutschen Branchenumsatzes.

Weit überdurchschnittliche Umsatzsteigerungen erzielten 2019 auch Skopos (Rang 15, plus 23 Prozent), Statista (gemeinsam mit der Info Research Group auf Rang 30, plus 20 Prozent) sowie Interrogare (Rang 32, plus 12 Prozent) und K&A Brand Research (Platz 36, ebenfalls plus 12 Prozent). Satte Zuwächse verzeichneten ebenfalls HKM (mit MW Research auf Rang 38, plus 35 Prozent) sowie Quotapoint (gemeinsam mit IMR auf Rang 42, plus 14 Prozent). Das stärkste prozentuale Wachstum unter allen Top-50-Instituten ist mit einer Steigerung um 145 Prozent dem Soko Institut (Bielefeld) gelungen, das unter anderem seine Tätigkeiten im Bereich Sozialforschung für öffentliche Auftraggeber deutlich ausgebaut hat. Das Soko Institut liegt 2019 mit einem Umsatz von 2,7 Mio. Euro auf Platz 44 des Institute-Rankings.

Weitere Einzelheiten zu den Umsätzen 2019 finden Sie in unserem E-Paper:
Umsatzliste 2019 deutscher Marktforschungsinstitute - zur Methode

Grundsätzlich sind in der Umsatzliste Marktforschungsinstitute mit Hauptsitz in Deutschland mit ihren Gesamtumsätzen aufgeführt, während bei deutschen Niederlassungen internationaler Konzerne hier nur der in Deutschland erzielte Umsatz steht. Soweit möglich, haben die in Deutschland beheimateten Institute zusätzlich eine Aufteilung nach in Deutschland und im Ausland erwirtschafteten Umsätzen vorgenommen.

Die alphabetisch sortierte Liste auf den Seiten 38 bis 41 und das auf Seite 36 und 37 abgedruckte Top-50-Ranking basieren auf den Selbstauskünften deutscher Marktforschungsinstitute bzw. der deutschen Niederlassungen internationaler Marktforschungskonzerne. Dafür haben die Verantwortlichen in den beteiligten Instituten ihre voraussichtlichen Jahresumsätze in Mio. Euro ohne Mehrwertsteuer und die Zahl der zum 1.12.2019 beschäftigten fest angestellten Vollzeitmitarbeiter gemeldet. Auf Schätzungen basierende Zahlen sind mit entsprechenden Fußnoten gekennzeichnet. Für 2019 umfasst die alphabetisch sortierte Umsatzliste 105 Institute. Die Daten wurden von der Redaktion des ehemaligen Informationsdienstes Context exklusiv für Research & Results erhoben. Die seit rund 50 Jahren alljährlich auf diesem Weg erhobenen Zahlen zeigen deutlich die Entwicklung der deutschen Marktforschungsumsätze.

 


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