Fachartikel

DEZ2019
Ausgabe 7/2019, Seite 44 | 19-12-44-1

Patienten und Ärzte im digitalisierten Zeitalter

Sonderbehandlung

Welche Veränderungen innerhalb der Pharma-Marktforschung werden für Entscheidungen und Planung relevant sein? Rhona Biswal stellt den aktuellen Wandel vor und antizipiert Entwicklungen fürs kommende Jahr.
Fachartikel zum Thema Pharma-Forschung aus dem Research & Results Magazin 7/2019Foto: © Gyorgy Barna, sirtravelalot, Antonio Guillem – Shutterstock
Veränderungen und Trends in der Pharma-Marktforschung setzen einen Wandel in der Pharma-Industrie voraus. Es geht heute nicht mehr nur um die Vermarktung von Medikamenten, was häufig durch den Außendienst geschieht. Vielmehr rückt der Patient immer stärker in den Fokus und trägt zu einem erfolgreichen Präparat bei.


Fokus der Pharma-Marktforschung verschiebt sich

Bereits in den letzten Jahren hat sich ein Wandel in der Pharma- Marktforschung abgezeichnet: Lag in der Vergangenheit der Fokus doch sehr stark auf den Ärzten und Apothekern, gehören heute Interessensgruppen, Krankenkassen, Zulassungsbehörden und Patienten sowie Betreuer zu den Schlüsselfiguren. Vor allem die Zielgruppe der Patienten hat in der Marktforschung in den letzten Jahren enorm an Bedeutung zugenommen, und dieser Trend wird sich in den nächsten Jahren fortsetzen. Patienten spielen eine immer wichtigere Rolle, da der Arzt schon lange nicht mehr die einzige Anlaufstelle für sie ist. So nutzen Patienten Foren und Social-Media- Kanäle, um sich über ihre Erkrankung auszutauschen.
Zusätzlich ist eine Veränderung in der Arzt-Patienten-Beziehung zu beobachten. Es ist der allgemeine Trend zu erkennen, dass Patienten oftmals vorab informiert sind und deshalb in Therapieentscheidungen miteinbezogen werden möchten. Folglich sind sie kritischer gegenüber den Aussagen und Entscheidungen des Arztes.
Die Pharmaindustrie hat es jedoch bereits verstanden, Patienten immer mehr in den Mittelpunkt ihrer Marktforschungsvorhaben zu stellen. Patienten können dem Unternehmen Einblicke gewähren, die sie sonst nicht erhalten würden. Es ergeben sich somit völlig neue Fragestellungen: Wo und wie informieren sich Patienten im Vorfeld? Was sind ihre Beweggründe? Fragen, die Ärzte nicht beantworten können, aber wichtig für die Branche sind, um beispielsweise „patientenfreundlichere“ Broschüren zu gestalten oder Therapien anzupassen.


Potenzial der Patienten-Communities

Die Antworten dieser Fragen liegen vor allem in der Online-Marktforschung mit Patienten. Online-Diskussionsgruppen, Applikationsstudien oder Communities werden eine zunehmend wichtigere Rolle spielen und können Einblicke in eine natürliche und „normale“ Situation der Patienten und deren Erkrankungen liefern. Eine interessante Quelle könnten auch Patienten-Communities sein. Innerhalb der virtuellen Selbsthilfegruppen tauschen sich Patienten regelmäßig aus und unterstützen sich gegenseitig. Man erhält eine neue und subjektivere Perspektive auf ihre Erkrankungen, und ein enormer Informationsfluss findet statt. Es werden Erfahrungen ausgetauscht, die in keinen Fachbüchern stehen und die folglich für die Pharmaindustrie von großem Interesse sind.


Digital und mobil

Doch nicht nur das Verhalten der Patienten ist im Wandel, sondern auch die Zielgruppe der Ärzte verändert sich. Weil Ärzte und Mediziner mobiler werden, sind immer mehr innovative Marketingstrategien gefragt. Studien müssen daher mobil-tauglich programmiert werden, ohne die Methodik zu gefährden.
Dementsprechend fallen die Anfragen der Kunden aus: Viele wollen heute abgeholt werden. Voraussetzung dafür ist, zu verstehen, was Kunden mit ihrem Forschungsvorhaben erreichen möchten, um ihnen eine auf ihre Bedürfnisse zugeschnittene Lösung liefern zu können. Es geht in vielen Fällen nicht mehr nur um die bloße Datenerhebung. Vielmehr tritt man in die Position eines Beraters.
Auch wenn es um den Fragebogenentwurf geht, muss ein Umdenken auf allen Seiten stattfinden. Kunden möchten nicht nur in Bezug auf Design beraten werden. Sie erwarten auch, dass der Fragebogen inhaltlich geprüft und entsprechend angepasst wird. Als Dienstleister müssen wir inzwischen diese Expertise mitbringen.
Die Branche befindet sich im Wandel: Während die Digitalisierung im Consumer-Bereich schon weit vorangeschritten ist, hält sie so langsam auch Einzug im Pharma-Bereich. Hier liegt ein großes Potenzial. Vor allem, da Patienten zu Kunden werden und sich stärker digital durch den Alltag bewegen. Wir bei Dynata können mit unserer breiten Produktpalette Unterstützung bieten, den nächsten Schritt zu gehen. ■

DSGVO – eine Chance für bessere Pharma-Panels

Ohne Frage, die seit Mai 2018 europaweit geltende EU Datenschutz-Grundverordnung nahm nicht nur im Bereich der Pharma- Marktforschung einen positiven Einfluss. Sie bot die Chance, sich von unnötigem Ballast zu befreien. Viele Panels wurden gewissermaßen „gezwungen“, ihre Datenbanken „aufzuräumen“, da die Panelisten ihre weitere Teilnahme am Panel aktiv bestätigen mussten. Vorher war es keine Seltenheit, dass utopische Zahlen in Bezug auf Panel-Teilnehmer genannt wurden, welche dem Kunden jedoch noch lange keine Auskunft darüber gaben, was tatsächlich umsetzbar ist. Damit ist nun Schluss, und das ist für alle im Wettbewerb erfreulich. Vor allem die Kunden profitieren, denn nun werden von allen Anbietern realistischere Auskünfte möglich. Für die Marktforschung im Allgemeinen bedeutet dies außerdem, dass die Messlatte für Transparenz und Vertrauen höher gelegt wurde.
Rhona Biswal ist Director of Sales, Healthcare, bei Dynata. Sie verfügt über mehr als 15 Jahre Erfahrung in der Healthcare-Marktforschung und arbeitete während dieser Zeit sowohl in der quantitativen als auch in der qualitativen Feldarbeit. Bevor sie zu Dynata kam, war sie Managing Director bei Exafield, einem auf Healthcare spezialisierten Feldinstitut.
www.dynata.com

 


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