Fachartikel

JUL2019
Ausgabe 4/2019, Seite 13 | 19-07-13-1

Bilendi Business Breakfast & Interview zum Online-Panel-Markt

DACH-Region trifft Schweizer Frühstück

Anlässlich des vierten Business-Breakfasts, dieses Mal erneut in Zürich, sprachen wir mit Andreas Knappstein, Leiter DACH bei Bilendi, über Herausforderungen und Chancen im Online-Panelmarkt. Doch zunächst unser Bericht zum Frühstück in der Schweiz, Thema "Digital Lifestyle".
Foto: Bilendi
Bilendi Business Breakfast in Zürich
Verstanden werden

40 Fachleute, überwiegend aus dem Medienbereich, nahmen sich am 27. Juni für „Digital Lifestyle“ einen Vormittag lang Zeit. Geladen hatte Bilendi zum insgesamt vierten Business Breakfast, dieses Mal erneut in Zürich. Mit der österreichischen Betriebsmarktforscherin Alice Flamant (Magenta Telekom), dem deutschen Radio-Fachmann Hans Knobloch (Energy Schweiz) und dem Schweizer Mitja Ruggle, Marktforschungsleiter bei Tamedia, war die gesamte DACH-Region vertreten.

Smart City

Flamant gab einen allgemeinen Überblick, wie österreichische Konsumenten tatsächlich zu Smart Devices und Internet of Things (IoT) stehen. Auch wenn jeder Zweite Sicherheitsbedenken äußere, könne man ein wachsendes Bewusstsein für die Vorteile intelligenter Technikdienste erkennen, die die Angst vor allem vor einem Datenmissbrauch zu verdrängen begännen, so Flamant. Bedenken ganz anderer Art hätte die Österreicherin selbst beim Erwerb smarter Geräte und trat den Beweis per Video an: Darin wird ein Hausbesitzer mit einer von einem Zahnarztbesuch gebeutelten Aussprache leider von seinem schlauen Lautsprecher nicht mehr verstanden. Die Folge: Erst bleibt ihm der Hauszutritt, dann die Heizung verwehrt.
Magenta Telekom setze als Konsequenz aus der Studie übrigens besonders auf Smart City rund um Elektroautos, E-Scooter, aber etwa auch Carsharing. Hier stehe man bereits im intensiven Austausch mit der Stadt Wien, so Flamant.

Radio als Community

Die aktuelle Audionutzung in der Schweiz stellte Hans Knobloch vor. Wichtige Learnings: Die Fragmentierung der Mediennutzung ist auch im Audiobereich angekommen. Radio steht immer noch an erster Stelle, nimmt bei Jüngeren (16 bis 24 Jahre) jedoch ab. Musikstreaming, dominiert von Spotify, ist in der jungen Zielgruppe am häufigsten verbreitet und Nicht-Radiohörer konsumieren auch insgesamt weniger Audio. „Die Kraft des Radios schwindet“, so Knoblochs Fazit. Bei Energy Schweiz setze man ganz auf den Community-Gedanken, denn weitere Erkenntnis der Befragung ist, dass das Medium Radio bei der Jugend wenn, dann ein soziales ist.

Go local

Welchen neuen Formaten sind Smart Speaker-Besitzer gegenüber aufgeschlossen? Vier fiktive Nutzungsszenarien fragte Mitja Ruggle unter anderem in der umfangreichen Studie in Kooperation mit der Universität Frankfurt und dem Medienunternehmen Ringier ab. Nummer eins auf der Wunschskala ist laut Ruggle ein lokales Informationsangebot, gefolgt von Service-, Nachrichten- und Magazinformat.
Insgesamt ein kompakter Vormittag und ein Format, das in die Zeit passt.
www.bilendi.com


Director DACH Andreas Knappstein

Interview mit Andreas Knappstein

14 Jahre Branchenerfahrung kann Andreas Knappstein vorweisen, seit 2015 ist der gebürtige Düsseldorfer bei Bilendi. Wir sprachen mit ihm über die Veränderungen im Online-Panelbereich und auf welche Punkte ein erfolgreicher Anbieter neben Höflichkeit achten sollte.
RR: Seit November 2015 leiten Sie den Vertrieb der Bilendi GmbH und seit 2018 das gesamte DACH-Geschäft. Auf welche Herausforderungen im Online-Panelmarkt mussten Sie sich seither einstellen?
Andreas Knappstein: Der Panelmarkt durchläuft in den letzten Jahren einen starken Wandel. Neue Technologien ermöglichen neue Ansätze. Automatisierte Prozesse verursachen geringere Kosten, so dass teilweise sehr niedrige Fallpreise am Markt angeboten werden können.
Da für uns aber die Qualität im Vordergrund steht, prüfen wir sehr genau, welche Entwicklungen wir adaptieren, selber vorantreiben oder ablehnen. Denn als Qualitätsanbieter müssen wir stets gute Gründe liefern, warum ein Kunde bei uns für ein Online-Interview 2,50 Euro zahlen soll, wenn er es anderswo für 0,90 Euro bekommt. Bisher gelingt uns das äußerst gut.

 
RR: Neue Player drängen auf den (Online-) Panelmarkt. Eine Konkurrenz für Bilendi?
Andreas Knappstein: Neue Anbieter sind ja grundsätzlich ein positives Signal für den Markt. Sie bringen frische Impulse sowie neue methodische oder technologische Ansätze mit. Jeder kann davon lernen, wenn man sich genauer damit beschäftigt, was dabei gut oder vielleicht weniger gut läuft.
Wir haben unsere Positionierung als reichweitenstarker Qualitätsanbieter gefunden und werden diese auch konsequent weiterverfolgen. Wenn uns Technologie dabei hilft, umso besser. Jüngere Player vermitteln oft einen deutlich stärkeren Fokus auf automatisierte Prozesse und Skalierbarkeit. Die Datenqualität steht hier unserem Eindruck nach nicht im Mittelpunkt.


RR: Bilendi hat Anfang des Jahres einen neuen CAWI Omnibus für Deutschland, Österreich und Schweiz gelauncht. In Großbritannien und Schweden läuft der Service schon länger. Warum ist man für die deutschsprachige Region erst jetzt nachgezogen?
Andreas Knappstein: Als Bilendi 2015 die UK Access Panels von Vision Critical erwarb, da hat man auch das laufende Omnibus Geschäft übernommen, das wir dann natürlich weitergeführt haben. Hier konnten wir viel lernen, um es dann schließlich für die DACH Region anzupassen und auszurollen. Aufgrund der starken DACH-Panels war das ein logischer Schritt. Gerade in den letzten ein bis zwei Jahren haben wir vermehrt Nachfragen zu Omnibussen erhalten. Für unsere Kunden ist dies eine schlanke Möglichkeit recht zügig bevölkerungsrepräsentative Stimmungsbilder zu erheben.

 
RR: Jüngeren Datums sind auch die Bilendi Business Breakfasts in Wien und Zürich. Wie kamen Sie auf die Idee und wie zufrieden sind Sie mit der Resonanz?
Andreas Knappstein: Wir betreiben nun schon seit fast 15 Jahren unter anderem starke Panels in Österreich und der Schweiz. Von daher pflegen wir auch eine enge Beziehung zu unseren lokalen Kunden vor Ort. Was gefehlt hat, war eine eigene kleine Event-Plattform. Etwas, was zu unserer Positionierung passt und auf unsere Marke einzahlt. Mit diesem Format möchten wir Inhalte transportieren, die eine möglichst hohe Relevanz für die Marktforschung in der Region  haben. Der persönliche Austausch steht dabei im Vordergrund.
Die Resonanz ist großartig. In Zürich konnten wir erneut Referenten aus namhaften Unternehmen gewinnen, die exklusive Studienergebnisse und spannende Erkenntnisse zu aktuellen Themen wir IoT, Smart Speaker und Audionutzung vorstellten.


RR: Holger Geißler fordert in einem kürzlich erschienenen Kommentar mehr Höflichkeit gegenüber Online-Panel-Teilnehmern. Wie stellen Sie einen korrekten Umgang mit Ihren Panelteilnehmern sicher und welche Maßnahmen helfen Ihrer Meinung nach außerdem für eine gute Beziehung?
Andreas Knappstein: Höflichkeit gegenüber den Teilnehmern ist ein Muss. Jeder Mensch möchte respektvoll behandelt werden. Das können wir vor allem in einem fairen Umgang mit unseren Befragungsteilnehmer zum Ausdruck bringen. Eigentlich sollte es im Sinne jedes Panel-Anbieters sein, eine bestmögliche User Experience zu kreieren, damit uns die Teilnehmer lange treu bleiben und so Rekrutierungskosten reduziert werden können. Es gibt sicher immer Optimierungspotenzial, aber ich denke, wir machen das schon ganz ordentlich. Das sagt uns zumindest unsere regelmäßig stattfindende Zufriedenheitsumfrage unter unseren Teilnehmern.
Die Bilendi-Systeme sind so konzipiert, dass unsere E-Mail-Templates immer eine freundliche Einladung enthalten. Unsere Systeme informieren den Teilnehmer unmittelbar, ob eine Teilnahme erfolgreich war oder nicht. Qualifiziert sich der Teilnehmer nicht für eine Befragung, nimmt er stets automatisch an unserer monatlichen Sonderverlosung teil. Ich kann nicht beurteilen, ob Holger Geißler gebeten wurde, sein Panel-Profil auszufüllen. Hätte er das bei uns getan, dann wäre er vermutlich seltener ausgescreent oder zu bestimmten Umfragen gar nicht erst eingeladen worden. Wir versprechen unseren Teilnehmern bei einem vollständigen Profil ein besseres Panel-Erlebnis durch möglichst zielgerichtete Einladungen.
Automatisierte Prozesse sind unabdingbar bei rund zwei Millionen Panel-Teilnehmern, aber man darf das Menschliche nicht vergessen. Das fängt schon beim Project-Management-Team an, das bei Set-up sicherstellt, dass der Teilnehmer auch tatsächlich die korrekte Systemmeldung erhält. Aber auch unsere Support Team ist für Rückfragen der Teilnehmer erreichbar - sowohl telefonisch als auch per E-Mail. Das gilt übrigens für jede Region in Europa, in der wir eigene Panels betreiben. Es kommt auch durchaus mal vor, dass sich ein Panel-Mitglied telefonisch zu mir „verirrt“. Für uns ist es selbstverständlich, sich dann die Zeit zu nehmen, um dem Teilnehmer weiterzuhelfen.

www.bilendi.com

Interview/Bericht: Sonja Mayer


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