Fachartikel

APR2019
Ausgabe 2/2019, Seite 11 | 19-04-11-1

Eindrücke von der GOR 19

Wohin geht die Online-Forschung?

Endlich mal wieder Uni-Luft schnuppern, hieß es für das Team von Research & Results Anfang März in Köln: Die General Online Research (GOR 19) präsentierte sich wieder als relevantes Event mit reichlich innovativen Ansätzen, aber auch kontroversen Themen.
Foto: © Simon Westphal, Redaktion, Unternehmen
Mit mehr als 100 Vorträgen und Workshops von über 130 Präsentierenden aus 13 Ländern lockte vom 6. bis 8. März die General Online Research (GOR 19) – und ein Gefühl von „back to the roots“ stellte sich in der TH Köln nicht erst beim Mittagessen in der Mensa ein. Rund 330 Gäste waren gekommen, und die Deutsche Gesellschaft für Online-Forschung (DGOF) und die TH Köln zeigten sich sehr zufrieden mit ihrer gemeinsamen Veranstaltung. Hohe Aufmerksamkeit galt unter anderem der Keynote zur Zukunft der Consumer Insights von Stefan Oglesby, der Preisverleihung sowie dem Thema Stichprobenqualität.


Immer wieder „Repräsentativität“

Mit großer Spannung erwartet wurde von vielen Konferenzteilnehmern die Session zum Thema Stichprobenqualität und Repräsentativität mit Vertretern von Forsa, Norstat und Civey. Gut besucht war die Veranstaltung – und kontrovers. Ein neues Thema ist Repräsentativität in der Online-Forschung ja nicht, aber seit einiger Zeit nimmt es wieder verstärkt Fahrt auf.

Thorsten Thierhoff von Forsa betonte in seinem leidenschaftlichen Plädoyer für Qualitätsbewusstsein, dass „gute Online-Forschung nur mit guten Stichproben möglich ist“ – nach wissenschaftlichen Standards, die Thierhoff nur in Zufallsstichproben gegeben sieht. Rekrutierung erfolge bei Forsa nach wie vor offline – dazu Thierhoff: „Das Telefon ist nicht tot, die Erreichbarkeit muss aber diskutiert werden.“ Neue Methoden sollen seiner Meinung erst einmal nachweisen, dass sie funktionieren.

Für Norstat ging Florian Tress an den Start. Nicht weniger emotional präsentierte er anhand einer Studie zur schwedischen Parlamentswahl 2018, wie Rekrutierung in seinem Unternehmen gehandhabt wird: gemischt online und offline, zu etwa 50 Prozent telefonisch. Eindringlich plädierte Tress dafür, Panels repräsentativ zu halten. Rekrutierung sieht er als „wichtigste Stellschraube für Qualität“. Mit Gewichtungen und Quoten ließen sich „nur kleine Verzerrungen ausbalancieren, aber nicht die Stichprobenqualität insgesamt retten“.


Vewirren als Strategie?

Den Abschluss der Session übernahmen mit Janina Mütze und Tobias Wolfram Vertreter von Civey. Sie stellten MRP (Multilevel- Regression und Poststratifizierung) als „geeigneten Ansatz für Non-Probability-Stichproben“ in ihrem Open-Access-Panel vor. In rasanter Geschwindigkeit verabreichte Wolfram dem Fachpublikum einen Überblick über die komplexe Methodik – und hinterließ seine Zuhörer zunächst sprachlos. Die Fragerunde kam dann nur schleppend in Gang. Schade, dass der zeitliche Rahmen so knapp war.

Passende Schlussworte fand Bettina Klumpe: „Wir müssen alle aufhören, uns gegenseitig Dinge vorzuwerfen! Wir müssen schauen, dass wir das mit der Repräsentativität endlich hinkriegen!“ Und Stoff zum Nachdenken und Diskutieren gab die ADM-Geschäftsführerin den erhitzten Gemütern auch mit auf den Weg: „Vielleicht ist ja ein Methoden-Mix das Richtige?“


Lesen Sie dazu auch unser Interview mit Janina Mütze von Civey.

Bericht: Sabine Weich

GOR-Awards 2019 - wir gratulieren den Gewinnern:
  • Best Practice Award: Holger Lütters (HTW Berlin), Malte Friedrich-Freksa (GapFish), Dmitrij Feller (pangea labs), Marc Egger (Insius) und Mark Wolff (GapFish)
  • Poster Award: Stephan Schlosser (Universität Göttingen), Jan Karem Höhne (Universität Mannheim) und Daniel Qureshi (Universität Frankfurt)
  • Thesis Award: Nadja Sigle (Hochschule für Technik Stuttgart)
  • Best Paper Award: Diana Steger, Ulrich Schroeders und Timo Gnambs

 


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