Fachartikel

APR2019
Ausgabe 2/2019, Seite 50 | 19-04-50-1

Ausbau von Deutschlands größter Teststudio-Kette

Gesund wachsen ist der einzige Weg

Der größte deutsche Teststudio-Betreiber unter der Marke Teststudios Deutschland wächst weiter: Zum 1. März 2019 ist ein etabliertes Studio in Frankfurt am Main dazugekommen. Grund genug für Research & Results, mit den Geschäftsführern Frank Herzog und Jürgen Glaser sowie drei langjährigen Studiobetreibern über Zielsetzungen, Herausforderungen und Marktchancen zu sprechen.
Im besten Licht: Teststudios in DeutschlandFoto: © Hurca! – Fotolia.com, Herzog & Glaser, m-s Teststudios
Peter Hirschler, der 1984, also vor 35 Jahren, mit Intrateam sein Studio in Frankfurt am Main eröffnete, blickt auf eine erfolgreiche Studiozeit zurück. Er, Hirschler, hat seine Entscheidung, sich mit einem Teststudio selbstständig zu machen, nie bereut. Nach der Gründung habe er rasch eine gute Anzahl an Stammkunden gehabt, die ihm teilweise bis heute treu geblieben seien. Zum 1. März 2019 hat er nun das 500 Quadratmeter große Studio, den Firmennamen und die Kontakte verkauft – an Herzog & Glaser. Hirschler ist zufrieden. „Eine Entscheidung, die lange geplant war und für meine Kunden Kontinuität bedeutet.“ Bis zum Jahresende ändere sich erst einmal nichts. „Was 2020 bringt, muss man dann sehen. Vielleicht mache ich noch etwas weiter, eventuell betreue ich nur noch einzelne Projekte“, so Hirschler.


Im gegenseitigen Einvernehmen

Eine – hier altersbedingte – Übertragung eines Studios, die es schon häufiger zugunsten von Herzog & Glaser gegeben hat und offenkundig immer harmonisch verläuft. Das bestätigen auch zwei weitere ehemals eigenständige Studiobetreiber. Zum einen Jürgen Wilke von Interview + Exploration, der Ende 2017 bei Herzog & Glaser seine langjährige Healthcare-Erfahrung einbrachte und sich damit nach wie vor zufrieden zeigt. Wilke wörtlich: „Es war eine sehr gute Entscheidung und eine bessere Eingliederung hätte ich mir nicht wünschen können. Endlich kann ich mich wieder aufs Forschen konzentrieren.“ Und Frank Herzog ergänzt: „Bei der ‚Übernahme‘ von Interview + Exploration war unsere Maßgabe, das Gesamtportfolio der Teststudios Deutschland um den Bereich der qualitativen Pharmamarktforschung zu erweitern. Dabei spielte natürlich die 30-jährige Erfahrung von Herrn Wilke sowie einiger Mitarbeiter eine entscheidende Rolle.“


Standardisierte Datenerhebung

Ein weiteres Übernahmebeispiel ist die Eingliederung mehrerer Studios von Marfos Marktforschung unter der langjährigen Leitung von Werner Holzweißig, einer weiteren Koryphäe im Teststudio-Markt. Holzweißig war in der ehemaligen DDR bereits in der wissenschaftlichen Jugendforschung tätig und leitete nach der Wende 1990 das erste Teststudio in den neuen Bundesländern, später kamen – dann als Geschäftsführer und Eigentümer – weitere Standorte dazu. Ihm lag und liegt besonders die Durchsetzung der Gütekriterien der empirischen Sozialforschung – Qualität, Validität und Reliabilität – am Herzen. Holzweißig: „Mir ging es um die Standardisierung der Rahmenbedingungen für die Datenerhebung in den einzelnen Teststudios. Für das answer-shop-Netzwerk (ein ehemaliger, projektbezogener Business-Verbund deutscher Teststudios, Anm. d. Red.) habe ich viele Schulungsmaßnahmen durchgeführt. Das war aufwendig und kostenintensiv. Es war mir aber sehr wichtig.“ Die sukzessive Eingliederung der Studiostandorte Leipzig, Nürnberg, Bochum, Hamburg und München in den Herzog & Glaser-Verbund war für Holzweißig auch vor diesem Hintergrund gut und richtig: „Sie verfolgen mit ihrer Strategie meine Bemühungen weiter. Das freut mich besonders.“ Hirschler unterstreicht: „In Bezug auf Frankfurt bin ich der Meinung, dass sich Herzog + Glaser durch die Übernahme dort optimal aufstellen, da wir der stärkste Anbieter in Frankfurt sind.“


Neue Kunden gewinnen

Wie erhalten Herzog und sein langjähriger Geschäftspartner Jürgen Glaser – beide arbeiteten 2001 bei den m-s Teststudios als Leiter – grundsätzlich ein Übernahmeangebot? Der erste Schritt geht in der Regel von den Studiobetreibern aus.
Herzog: „Diese nehmen normalerweise mit uns Kontakt auf und bleiben auch mindestens vorübergehend als eigenständige Leiter tätig – nun eben in einer neuen Funktion. Ich denke, das ist auch das Erfolgsrezept einer Übernahme – wobei ich das Wort Übernahme nicht wirklich passend finde. Es ist eher eine Kooperation, ein Zusammenschluss, den wir nicht mit jedem und nicht um jeden Preis vollziehen. Aber wenn wir uns dafür entscheiden, übernehmen wir auch die Mitarbeiter zu einhundert Prozent.“
Glaser erklärt das konkrete Prozedere: „Erstens muss das Personal vor Ort sein, das das Studio führen kann, zweitens muss die Struktur stimmen und drittens ein fester Kundenstamm vorhanden sein. Sonst macht es keinen Sinn“, erklärt Glaser. Es stehe ganz klar die Gewinnung neuer Kunden im Mittelpunkt des Interesses. Glaser: „Mit unseren Erweiterungen können wir Stand heute 90 bis 95 Prozent aller Anfragen abdecken. Quasi als Universal- Anbieter für nahezu alle Testanforderungen. Und das Wichtigste: Durch die Größe erhalten wir jetzt auch Anfragen, die uns vorher nicht erreicht haben.“


Herausforderungen begegnen

Ohne Risiko sind die Übernahmen freilich nicht. Zum einen überlege man regelmäßig, wie die zum Teil horrenden Mietkosten reduziert werden könnten. Herzog: „Ich könnte mir beispielsweise eine Art Business- Gemeinschaft vorstellen. Dass man auch Branchen außerhalb der Marktforschung für die Räumlichkeiten erschließt.“ Glaser ergänzt: „Vor allem am Wochenende sehe ich großes Potenzial. Unter der Woche ist eine Untervermietung grundsätzlich auch möglich. Allerdings sollte ein Auftrag nicht deshalb abgelehnt werden müssen, weil die Räume nicht zur Verfügung stehen.“
Zum anderen kämpft auch der größte Teststudioverbund mit der Entwicklung in der Branche. Der große Einbruch sei mit der Online-Forschung gekommen, der vor zirka fünf Jahren spürbar wurde, so Glaser. Wilke fügt hinzu: „Ab dem Zeitpunkt ging es nur noch um Daten. Daten zu absoluten Tiefstpreisen, am besten rund um die Uhr.“
Das seither vorherrschende Preisdumping der – potenziellen – Auftraggeber stellt demzufolge die größte Herausforderung dar. Glaser: „Ich denke jedes Jahr ‚Jetzt ist der Tiefpunkt erreicht’, aber dann kommt der nächste Dumpinghammer mit zudem weiter gestiegenen Ansprüchen der Kunden in Bezug auf Qualität oder Stichproben. Doch diese Kombination, dieses Preisgefüge, kann man unmöglich mitgehen. Hier sägt die Marktforschung an ihrem eigenen Ast. Das ist aber eine seit Langem allseits bekannte Weisheit.“
So sind es unter anderem die eigenen Mitarbeiter, die laut Herzog unter dem immer stärkeren Preisdruck im Markt zu leiden haben. Herzog gibt zu: „Wir können unseren Mitarbeitern nicht die Gehälter zahlen, die sie in anderen Branchen für ähnliche Positionen vielleicht fordern könnten. Trotzdem haben wir eine treue Belegschaft, die die Eigenständigkeit, das Vertrauen, das gute Klima schätzt.“
Einig ist man sich, dass der Markt noch nicht konsolidiert ist. Herzog stellvertretend: „Es wird noch mehr Zusammenschlüsse, aber künftig auch definitiv deutlich weniger Studios in Deutschland geben.“


Das qualitative Teststudio

Welche (Zukunfts-)Chancen gibt es in der Branche? „Inhaltlich werden meiner Meinung nach automatische Übersetzungen im Echtzeit- Modus eine entscheidende Rolle spielen. Das ist natürlich insbesondere für internationale Gruppendiskussionen interessant. Auch Virtual Reality ist ein großes, wenn derzeit auch noch zu teures Thema. Finanziell großes Potenzial sehen wir in einer feineren Clusterung der Datenbanken“, ist Herzog überzeugt. Glaser ergänzt: „Grundsätzlich liegt unsere Zukunft im qualitativen Bereich. Dieser ist nach wie vor noch nicht ersetzbar. Ein Interview ist nur als geschriebenes Wort, ohne eine entscheidende Betonung oder die Ironie in einer Aussage zu hören, schwer für den Kunden verwertbar. Das ist meine tiefste Überzeugung.“ Diese Chance sieht auch Holzweißig: „Räumlichkeiten für qualitative Forschung werden in Teststudios erweitert, wobei die Gruppendiskussionsräume den Hauptteil darstellen. Und das erweiterte Angebot folgt ja immer einer Nachfrage.“ Und gibt sich zuversichtlich: „Ich persönlich glaube an eine Renaissance der Face-to-face-Arbeit. Bestimmte Bereiche sind nachweislich online nicht abdeckbar. Beides – online und die Vor-Ort-Arbeit – haben ihre Existenzberechtigung.“ ■
„Erstens muss das Personal vor Ort sein, das das Studio führen kann, zweitens muss die Struktur stimmen und drittens ein fester Kundenstamm vorhanden sein. Sonst macht es keinen Sinn.“
Frank Herzog stieg 1992 bei seinem Schwiegervater in dessen Firma m-s Teststudios ein. Jürgen Glaser begann 1991 bei den m-s Teststudios und betreibt seit 2002 die Punkt- Teststudios. Gemeinsam leiten sie unter der Marke Teststudios Deutschland in den folgenden elf Städten 15 Teststudios: Nürnberg I + II, Hamburg I + II, Köln I + II, Stuttgart, Essen, Berlin, Frankfurt/Main I + II, Leipzig, Bochum, München und Langenfeld. Darüber hinaus deckt der neue eigene Feldservice das gesamte Bundesgebiet ab.
www.teststudios-deutschland.de 



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