Fachartikel

FEB2019
Ausgabe 1/2019, Seite 18 | 19-02-18-1

Instituts-Umsatzliste 2018

Marktforschung in Deutschland: Turbulente Zeiten

2018 war für die deutschen Marktforscher kein einfaches Jahr. Wie sich die Umsätze der Institute entwickelten, lesen Sie exklusiv in der Research & Results.
Exklusiv im Research & Results Magazin: Umsätze deutscher Marktforschungsinstitute 2018Foto: Hurca! – Fotolia.com
2018 war für die deutschen Marktforscher kein einfaches Jahr. Neben Umstrukturierungen beim Branchenprimus GfK haben den Forschern auch Medienberichte über gefälschte Interviews und die fortwährende Konkurrenz durch Billiganbieter zugesetzt. Vor diesem Hintergrund sind die Umsätze der deutschen Marktforschungsinstitute im Jahr 2018 auf etwa 2,36 Milliarden Euro zurückgegangen.


Institute: Wechselhafte Geschäftslage

Dennoch konnten zahlreiche Institute ihre Umsätze auch 2018 wieder steigern: Von den 111 Unternehmen, die in der diesjährigen Instituts-Umsatzliste vertreten sind, erzielten 41 Institute im Vergleich zu 2017 Umsatzsteigerungen. Auf der anderen Seite verzeichneten 43 Unternehmen rückläufige Umsätze. Bei 22 Firmen sind die Umsätze auf Vorjahresniveau geblieben, für die restlichen fünf Institute war kein Vergleich zum Vorjahr möglich. Dabei konnten sich in Deutschland ansässige kleine und mittelgroße Institute oftmals besser behaupten als die deutschen Niederlassungen internationaler Konzerne – sei es wegen schlankerer Strukturen oder stärkerer Kundenbindung.


GfK: Konzern im Umbruch

Wie sehr der Umbau eines großen Unternehmens eine ganze Branche prägen kann, zeigt derzeit das Beispiel GfK. Im Zuge einer Kooperation mit dem IT-Dienstleister IBM haben 2018 weltweit rund 500 bisherige GfK-Arbeitskräfte zu IBM gewechselt. Mit dem Verkauf von vier Geschäftsbereichen an Ipsos bekamen weitere 1.000 Mitarbeiter einen neuen Arbeitgeber. Dazu kam der Abbau weiterer Arbeitsplätze, sodass GfK zum Stichtag 1.12.2018 nach Schätzungen der Redaktion weltweit nur noch etwa 10.000 fest angestellte Mitarbeiter hatte, etwa 3.000 weniger als im Vorjahr. Die GfK-Entwicklung hat auch deutliche Auswirkungen auf die Gesamtzahl der fest angestellten Instituts-Mitarbeiter in Deutschland, die Ende 2018 nur noch bei knapp 16.000 Personen lag. Und: Der Umsatz der GfK Gruppe dürfte 2018 nach Schätzungen der Redaktion bei etwa 1,39 Milliarden Euro gelegen haben, wovon geschätzte 310 Millionen Euro auf den deutschen Markt entfielen. Dabei ist davon auszugehen, dass Umsatz und Mitarbeiterzahl bei dem Nürnberger Konzern im laufenden Jahr 2019 nochmals deutlich zurückgehen werden.


Branchenumsätze: Deutlicher Rückgang

Weil Zahl und Zusammensetzung der in der Liste aufgeführten Institute von Jahr zu Jahr schwanken, lassen sich die Gesamtumsätze jeweils nur bedingt mit den Vorjahreswerten vergleichen. So sind in der aktuellen Umsatzliste einige Neuzugänge zu verzeichnen, andere Unternehmen haben diesmal nicht mehr teilgenommen. Angesichts der veränderten Datenbasis wurden für die Berechnung der prozentualen Umsatzveränderung nur die 106 Institute berücksichtigt, die sowohl 2017 als auch 2018 in der Umsatzliste vertreten sind. Im Vergleich zum Vorjahr sind die deutschen Institutsumsätze demnach nominal um 3,4 Prozent zurückgegangen, inflationsbereinigt um 5,3 Prozent.


Aktuelle Veränderungen in der Liste

Neu in der aktuellen Umsatzliste sind die Unternehmen B2B International (Düsseldorf), MetrixLab (Hamburg), Statista (Hamburg), Vico Research & Consulting (Leinfelden-Echterdingen) sowie der Marktforschungs- und Softwaredienstleister Immediate (Bremen), in den Teile der Czaia Marktforschung eingeflossen sind.
Aus verschiedenen Gründen haben einige Institute, die im Vorjahr noch in der Umsatzliste vertreten waren, diesmal nicht mehr teilgenommen ‒ darunter AMR (Düsseldorf), die Forschungsgruppe gdp (Hamburg) sowie die Unternehmen Forschungswerk (Nürnberg), Medpirica (Berlin), plan & impuls (München) sowie polis & sinus (Deidesheim).
Ebenfalls nicht mehr vertreten sind wegen Geschäftsaufgabe das Institut I.P.S.A. (Frankfurt) sowie der Felddienstleister ACE-International (Köln), der in Medienberichten mit manipulierten Umfrageergebnissen in Verbindung gebracht wurde und in der Folge Insolvenz anmelden musste – genauso wie das Unternehmen CSI International (Dortmund).


Top-50-Ranking: Neueinsteiger und Aussteiger

Die 50 umsatzstärksten Institute haben im abgelaufenen Jahr gemeinsam einen Umsatz von 2,28 Milliarden Euro erzielt. Das entspricht 96,6 Prozent des deutschen Branchenumsatzes. Dabei liegt die GfK Gruppe trotz aller Veränderungen weiterhin auf Platz 1, gefolgt von, Kantar TNS Deutschland, Nielsen Germany, Ipsos, MaritzCX und Psyma Group. Auf Platz 7 findet sich die GIM Gruppe, die mit der Kleffmann Group (jetzt Rang 8) den Platz getauscht hat. Das Infas Institut ist von Platz 10 auf den 9. Platz aufgerückt. Den 10. Platz belegt als Neueinsteiger unter den Top Ten das Münchener Unternehmen SAM Sensory and Marketing International, das mit einer Steigerung um 34 Prozent zugleich auch das stärkste Umsatzwachstum unter den Top Ten verzeichnen konnte. Hintergrund: Der Sensorik- Spezialist gehört seit Ende 2017 zum Life-Science-Unternehmen Eurofins und ist nun auch mit Niederlassungen in Italien, Frankreich, Marokko, Spanien und China vertreten.
Eine deutliche Umsatzsteigerung um elf Prozent konnte auch das Institut Happy Thinking People erzielen, das damit im aktuellen Ranking auf Platz 17 liegt. Neu im Kreis der 50 umsatzstärksten Institute sind in diesem Jahr die Unternehmen Vico Research & Consulting sowie Statista. Zudem konnten diesmal die Institute DT & P International (Münster), IMW (Köln) und Punkt Teststudio in die Top-50-Liste aufsteigen.
Auf der anderen Seite sind ACE-International, AMR und die Forschungsgruppe gdp nicht mehr unter den Top 50 aufgeführt. Die Institute HKM (Hamburg) und ipi-Institute (Stuttgart), die 2017 noch unter den 50 umsatzstärksten deutschen Instituten waren, haben den Einzug ins Top-50-Ranking 2018 knapp verfehlt.

Weitere Einzelheiten zu den Umsätzen 2018 finden Sie in unserem E-Paper:
Klicken Sie hier für die alphabetisch sortierte Liste.
Hier geht's zum Ranking der 50 umsatzstärksten Institute des Jahres 2018.



Zur Methode

Grundsätzlich sind in der Umsatzliste Marktforschungsinstitute mit Hauptsitz in Deutschland mit ihren Gesamtumsätzen aufgeführt, während bei deutschen Niederlassungen internationaler Konzerne nur der in Deutschland erzielte Umsatz steht. Soweit möglich, haben die in Deutschland beheimateten Institute zusätzlich eine Aufteilung nach in Deutschland und im Ausland erwirtschafteten Umsätzen vorgenommen.
Die alphabetisch sortierte Liste und das Top-50-Ranking basieren auf den Selbstauskünften deutscher Marktforschungsinstitute beziehungsweise der deutschen Niederlassungen internationaler Marktforschungskonzerne. Dafür haben die Verantwortlichen in den beteiligten Instituten ihre voraussichtlichen Jahresumsätze in Millionen Euro ohne Mehrwertsteuer und die Zahl der zum 1.12.2018 beschäftigten fest angestellten Mitarbeiter gemeldet. Einige Zahlen in den Listen basieren auch auf Schätzungen. Diese Angaben sind mit entsprechenden Fußnoten gekennzeichnet. Für 2018 umfasst die alphabetisch sortierte Umsatzliste 111 Institute. Die Daten wurden von der Redaktion des ehemaligen Informationsdienstes Context exklusiv für Research & Results erhoben.
Text: Carola von Kessel


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