Fachartikel

JUL2018
Ausgabe 4/2018, Seite 30 | 18-07-30-1

Alexa, der Nächste bitte

Ärztebefragung zum Einsatz von Sprachassistenten in der Praxis

Siri und Alexa sind im privaten Bereich für viele bereits wertvolle Helfer. Auch im beruflichen Umfeld werden automatisierte Assistenten künftig einiges an Arbeit abnehmen können. Was Ärzte davon halten, beschreibt Alexander Edte.
Foto: © Ruslan Ivantsov – Fotolia.com, Amazon Inc.

Eine Assistentin oder ein Assistent sollte helfen, gewisse Aufgaben schneller und effizienter zu erledigen, um letztendlich mehr Zeit und Freiräume für andere Tätigkeiten zu haben. Können oder könnten dies auch Sprachassistenten im Arbeitsalltags eines Arztes leisten? Dieser Frage ist AplusA nachgegangen und hat Hausärzte in Deutschland und USA nach Kenntnis und Nutzung zu Sprachassistenten in ihrem Berufsalltag befragt. Sprechen ist schneller als Tippen. Viele Tests zeigen, dass durchschnittliches Sprechen etwa drei- bis viermal so schnell ist als das Tippen des Textes in normaler Geschwindigkeit. Es liegt also auf der Hand, dass man durch Sprechen Zeit gewinnen und somit effizienter arbeiten kann. Kümmert sich der Arzt in der gewonnenen Zeit um seine Patienten, profitieren auch diese davon.
Abb. 1 (AplusA)

Abb. 2 (AplusA)

Großes Interesse an einigen Features

Jeder vierte Arzt in Deutschland nutzt im Moment einen Sprachassistenten für die Arbeit (Abb. 1). Dabei werden überwiegend Apps auf dem Smartphone genutzt – am häufigsten kommt „Siri“ zum Einsatz. Sprachassistenten als eigene Geräte wie Alexa und Google Home werden jedoch noch kaum im beruflichen Alltag der Ärzte genutzt. Nur ungefähr jeder 20. Arzt nutzt solch ein Gerät in der Praxis. Jedoch besteht ein hohes Interesse bei der Mehrheit der Ärzte, diese Geräte in der Zukunft in den beruflichen Alltag zu integrieren (60 Prozent in Deutschland, 82 Prozent in den USA). Dabei gibt es kaum Unterschiede hinsichtlich des Alters und des Geschlechts. Es gibt eine Vielzahl an Anwendungen (sogenannten „Skills“), die schon jetzt oder in naher Zukunft verfügbar sind. Ärzte sehen insbesondere bei folgenden Merkmalen einen hohen Nutzen für ihren beruflichen Alltag (Abb. 2):
• Notizen diktieren
• Informationen zu Patienten aufzeichnen (zum Beispiel Details des Besuchs)
• Internet zu speziellen Aspekten einer Krankheit befragen
• Versenden von E-Mails
• Informationen zum Patienten zur Verfügung stellen, etwa vor dem nächsten Patientenbesuch
(zum Beispiel Aufnahme des letzten Besuchs)
• nach spezifischen Informationen zu bestimmten Produkten suchen (etwa klinische
Studien)
• Erstellen einer To-Do-Liste, um die Arbeitsmenge besser zu managen




Zeitgewinn als größter Vorteil

Beim Einsatz spezieller Sprachassistenten wird Zeitersparnis als der größte Vorteil gesehen. Auch das gleichzeitige Erledigen von Aufgaben bietet laut Ärzten großes Potenzial. Der Arzt kann beispielsweise den Patienten abtasten und gleichzeitig seine verbale Diagnose aufzeichnen lassen. Letztendlich kann der Arzt die gewonnene Zeit für eine intensivere Behandlung der Patienten einsetzen. Somit profitieren auch die Patienten durch den Einsatz der speziellen Sprachassistenten.


Sicherheitsbedenken

Bei einem so sensiblen Thema wie Patientendaten ist Datenschutz ein wichtiger Punkt. Interessant ist jedoch, dass sich hier diejenigen, die große Bedenken haben, und diejenigen, die keine Bedenken haben, in etwa die Waage halten (je zirka 30 Prozent). Insgesamt sind ungefähr zwei Drittel der Ärzte zumindest etwas besorgt, was die Datensicherheit angeht.


Bedeutung für Pharmaindustrie

Was bedeutet der Einsatz von Sprachassistenten für die Hersteller von Medikamenten? Die Pharma-Unternehmen sind gut beraten, das Thema Sprachassistenz sehr wichtig zu nehmen. Abrufbare Informationen zu Produkten, klinischen Studien oder Ähnlichem sollten als Sprachnachricht zur Verfügung stehen. Denn wenn der Arzt nach Informationen zu einer Substanz oder einer speziellen klinischen Studie fragt, sollten die Antworten detailliert und korrekt verfügbar sein. Zudem sollte dem Arzt die Möglichkeit gegeben werden, in einen Dialog einzutreten. Somit könnten die Sprachassistenten dann auch gewisse Aufgaben von Außendienstmitarbeitern der Medikamentenhersteller übernehmen, sozusagen einen „24/7- Außendienst“. Selbstverständlich ist vieles noch erst im Anfangsstadium, aber Alexa & Co. lernen in rasanter Geschwindigkeit (da sie offene Systeme sind). Es ist nur eine Frage der Zeit, wann sich die Sprachassistenten im Arbeitsalltag der Ärzte durchsetzen.
Alexander Edte ist Business Unit Director bei AplusA, einem auf Healthcare-Marktforschung spezialisierten Institut. Er verantwortet das Deutschlandgeschäft und ist auch für internationale Studien zuständig.
www.aplusaresearch.com

 


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