Fachartikel

DEZ2017
Ausgabe 7/2017, Seite 46 | 17-12-46-1

In guten wie in schlechten Zeiten

Warum der Wachstumsmarkt Pflege die Marktforschung braucht

Seit Jahrzehnten beschäftigt sich die Gesundheitsmarktforschung vor allem mit Ärzten und Patienten. Der Therapieerfolg der meisten Patienten hängt jedoch auch von der pflegerischen Leistung und deren Weiterentwicklung ab. Stephanie Hollaus stellt einen Index vor, der Antworten auf verschiedenste Fragen von unterschiedlichen Zielgruppen im Wachstumsmarkt Pflege liefern soll.

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Pharmazeutischen Unternehmen ist in zunehmendem Maße an einer erfolgreichen Umsetzung von „Beyond the pill“-Strategien gelegen. Auf diese Weise wollen sie sich vom Wettbewerb differenzieren und die Ganzheitlichkeit der Therapie in den Mittelpunkt rücken.

Therapieerfolge maximieren, Kosten senken

Die Strategie von Herstellern geht weg vom alleinigen produktorientierten Handeln hin zu Aktivitäten, die über das eigentliche Produkt hinausgehen. Diese beinhalten Services sowie unterstützende Therapieprogramme oder weitere Dienstleistungen, um den Therapieerfolg des Patienten zu maximieren und die Kosten der Therapien zu senken. Gerade professionell Pflegende übernehmen hier wichtige und neue Funktionen im Gesundheitssystem. So etwa in Form von Onco-Lotsen, sogenannten MS-Schwestern bei Menschen mit Multipler Sklerose, Parkinson Nurses und zahlreichen anderen zertifizierten Pflegekräften wie Physician Assistants für unterschiedlichste Krankheitsbilder. Während die Akademisierung und Professionalisierung in den USA oder skandinavischen Ländern schon längst gang und gäbe ist, schwappt diese Entwicklung erst allmählich nach Deutschland.

Lösungen für Kapazitätsengpässe

Da in vielen Regionen Deutschlands eine flächendeckende Versorgung von Patienten durch Haus- und Fachärzte – vor allem in ländlichen Gebieten – nicht mehr gewährleistet werden kann, sucht die Politik nach Lösungen. Durch verschiedene Gesetzesgrundlagen (etwa Skill Mix), die in steigendem Maße Aufgaben aus dem Verantwortungsbereich des Arztes in die Hände der Pflege legen, sieht sich die Pflege im Arbeitsalltag immer häufiger neuen Herausforderungen, aber auch neuen Tätigkeiten und damit Produkten gegenüber. Genau diese bis dato unbekannten Situationen mit all ihren Problemen und Wünschen müssen von der Industrie aufgegriffen und über die Marktforschung transparent werden. Nimmt man die demografische Entwicklung in Deutschland oder anderen Ländern Europas zum Anlass, so werden wir nicht nur einen Anstieg an betreuungsbedürftigen Menschen im Bereich der Pflege erleben (Abb. 1).
Wir erfahren parallel dazu einen steigenden Bedarf an Produkten und Dienstleistungen, welche diese Stakeholder zukünftig in Anspruch nehmen, sei es in der häuslichen oder stationären Pflege. Im Rahmen dieser Alltagserfahrungen mit Produkten und Services in der Pflege werden neben den Betroffenen selbst auch professionell Pflegende, pflegende Angehörige und Key Opinion Leader aus Pflege-Einrichtungen gehört werden müssen. Aber auch Industrieunternehmen tragen Verantwortung in diesem Markt.

Wirtschaftsunternehmen in der Pflicht

Gerade Wirtschaftsunternehmen, die nicht aus dem Gesundheitssektor kommen, sehen sich im Bereich der Pflege noch überhaupt nicht adressiert. Dabei müssen auch „Non-Health-Unternehmen“ die eigenen Mitarbeiter als pflegende Angehörige betrachten und die Vereinbarkeit von Beruf und Pflegetätigkeit ermöglichen. Man betrachte nur den wichtigen Aspekt der „Familienfreundlichkeit von Unternehmen“, die eine bedeutende Rolle für die Arbeitgeberattraktivität spielt. Da zur Familie nicht nur eigene Kinder zählen, um die man sich kümmern muss, sondern auch Eltern, die mit zunehmendem Alter gebrechlicher und irgendwann pflegebedürftig sind, muss der einzelne Arbeitgeber weiterdenken. Welche betrieblichen Maßnahmen kann ich meinem Mitarbeiter anbieten, wenn er in seinem privaten Umfeld plötzlich einen Pflegefall hat und einige Zeit lang nicht voll am Arbeitsplatz einsetzbar ist? Wie kann ich ihn weiterhin an das Unternehmen binden?

Weiterentwicklung des Pflegemarkts

Der erste Deutsche Care Klima-Index, der ab 2018 jährlich in Deutschland veröffentlicht wird, gibt Antworten auf unzählige Fragen von den unterschiedlichsten Zielgruppen im Wachstumsmarkt Pflege. Die deutsche Wirtschaft besitzt mit dem Ifo-Geschäftsklimaindex einen eigenen Frühindikator der Konjunkturentwicklung, der als Grundlage politischer und unternehmerischer Entscheidungen dient. Psyma verfolgt ähnliche Pläne für den Pflegemarkt. Gemeinsam mit dem Deutschen Berufsverband für Gesundheits- und Krankenberufe (DBfK), dem Deutschen Pflegerat (DPR) und zahlreichen weiteren Experten engagiert sich Psyma als Kooperationspartner bei der Weiterentwicklung des deutschen Pflegemarkts. Dabei sollen zuverlässige Marktdaten mit erstmaligen Pflege-Basisinformationen und einem Marktentwicklungs-Indikator in ganzheitlicher Form erarbeitet werden.

Wichtige Rolle der Marktforschung

Die Marktforschung wird sich im Pflegemarkt – genau wie im etablierten Pharma-Markt-Business – entsprechend positionieren und Antworten auf Fragen im großen Stil (Care Klima-Index) geben. Außerdem wird sie Lösungen auf Einzelebene bei den entsprechenden Zielgruppen mit ihren Erfahrungen zu Produkten und Dienstleistungen liefern. ■

Der Care Klima-Index

Im Rahmen dieses Index sollen gemeinsam mit dem Deutschen Berufsverband für Gesundheits- und Krankenberufe (DBfK), dem Deutschen Pflegerat (DPR) und zahlreichen weiteren Experten mehr als 2.000 Repräsentanten des deutschen Pflegemarkts befragt werden: professionell Pflegende, pflegende Angehörige, Pflegebedürftige, Ärzte, Apotheker, Kostenträger, Health- und Non-Health-Unternehmen, Kommunen und Verbände.

Inhaltliche Bestandteile des ersten Deutschen Care Klima-Index werden sein:
  • Öffentliche Wahrnehmung und aktuelle Rahmenbedingungen
  • Qualität in der Pflege und Personalsituation
  • Versorgungslandschaft
  • Innovationen
  • Wirtschaftliche Situation und Finanzierung

 
Stephanie Hollaus verantwortet seit Januar 2016 den Ausbau des Bereichs Health & CARE bei Psyma, Nürnberg. Nach mehrjähriger Praxiserfahrung als pharmazeutisch-technische Assistentin, BWL-Studium mit Schwerpunkt Gesundheitsökonomie und begleitenden Tätigkeiten in Pharma- Unternehmen sowie über neun Jahren Erfahrung im Bereich Health bei GfK SE baut sie nun die Geschäftsfelder CARE und Consumer Healthcare bei Psyma aus.

www.psyma.de

 
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