Fachartikel

SEP2017
Ausgabe 5/2017, Seite 18 | 17-09-18-1

"Marktforschung ist das wesentliche Element"

Interview mit Christian Thunig

Fast zwei Jahrzehnte war Christian Thunig Teil der Zeitschrift „Absatzwirtschaft“. Ab September gehört er zum Stab von Innofact. Research & Results sprach mit ihm über seinen Bezug zur Marktforschung und die neue Aufgabe.
Foto: absatzwirtschaft
RR: Herr Thunig, Sie waren 17 Jahre bei der Absatzwirtschaft, insgesamt 14 davon in der Chefredaktion. Jetzt steigen Sie bei Innofact ein. Wie kam es zu dieser Entscheidung?

Thunig: Mich hat zweierlei gereizt: Zum einen die unternehmerische Herausforderung, da ich mich ja tatsächlich am Unternehmen Innofact beteilige. Zum anderen wollte ich wieder im Marketing arbeiten und nicht nur kenntnisreicher Beobachter sein. Ursprünglich komme ich aus der Marketingberatung. Hinzu kommt, dass ich nicht nur Chefredakteur, sondern auch Objektleiter der Absatzwirtschaft war, und insofern auch die wirtschaftliche Seite des Blattes im Blick hatte. Das heißt, ich habe mich schon in den letzten Jahren intensiv mit den Mediakunden, die im Kern CMO waren, auseinandergesetzt und beraten, da ich aufgrund der Kenntnisse der neuesten Trends im Marketing ein gern gesehener Gesprächspartner war.

RR: Welche Ziele streben Sie in Ihrer neuen Position an?

Thunig: Genau dieser Gesprächs- und Sparringspartner für CEO und CMO zu sein und dem Beratungsanspruch, der an die Marktforschung immer wieder herangetragen wird, mit allen im Unternehmen hier gerecht zu werden. Die Kunst ist ja, die Ergebnisse der Untersuchungen zu interpretieren und Narrative für das jeweilige Kundenunternehmen zu entwickeln. Menschen brauchen Geschichten. Und hier laufen nun zwei Fäden zusammen: Zum einen meine Beratervergangenheit und mein journalistischer Hintergrund. Gerade über Letzteres hatte ich Einblick in verschiedenste Märkte und Branchen und konnte Muster von Erfolg oder Misserfolg analysieren. Ein anderer Teil wird sein, die Erfolgsgeschichte von Innofact zu erzählen und sichtbar zu machen. Ich kenne die Beteiligten schon über 15 Jahre und darf an dieser Stelle vielleicht noch in der Rolle als fast objektiver Dritter sagen, dass das Institut eine sagenhafte Unternehmensentwicklung hingelegt hat, in der sich dynamisches Wachstum mit Bodenständigkeit und Innovationsansprüchen verbinden.

RR: Welchen Bezug haben Sie zur Marktforschung, was verbindet Sie mit der Branche?

Thunig: Erst einmal ist die Marktforschung immer die Basis allen Seins im Marketing. Ob nun große quantitative Untersuchungen, Fokusgruppen oder kleine explorative Kundenbefragungen: Am Anfang steht immer die Einsicht, welches Kundenbedürfnis relevant sein könnte. Das beschäftigt mich praktisch seit über 20 Jahren bei jedem Thema im Marketing. Und auch als Jury-Vorsitzender des Marken-Awards, dem großen Markenpreis, den die Absatzwirtschaft mit dem Deutschen Marketing Verband vergibt und wo ich auch weiterhin den Vorsitz als Externer haben werde, ist Marktforschung das wesentliche Element. Und zu guter Letzt: Ich kenne die Branche und ihre Akteure über eineinhalb Jahrzehnte sehr gut und pflege regelmäßigen Kontakt mit vielen in der Marktforschung – nicht zuletzt immer wieder auf der Research & Results.

RR: Wo steht die deutsche Marktforschungsbranche aktuell? Mit welchen Entwicklungen rechnen Sie in den nächsten fünf Jahren?

Thunig: Es ist ganz klar absehbar, dass Beobachtung immer wichtiger werden wird. Zum einen die klassischen Verfahren der beobachtenden Marktforschung, aber auch Big Data-Analysen, die sich aus der Beobachtung von konkretem Verhalten im digitalen Raum ergibt. Auf der anderen Seite sind die klassischen Verfahren wie telefonische oder Face-to-Face-Befragungen noch längst nicht abgehakt und auch das Thema Online-Marktforschung bei weitem nicht ausgereizt. Hier wird es spannend sein zu sehen, was die Steuerung über die Stimme, Bots oder methodische Ansätze wie Eyetracking noch möglich machen wird. Das war für meine Investitionsentscheidung übrigens sehr wichtig: Innofact ist für die Zukunft im Bereich Online und Big Data exzellent aufgestellt.

RR: Auf der Research & Results 2017 werden Sie einen Workshop halten. Können Sie schon etwas über den Inhalt verraten?

Thunig: Der Titel des Workshops beschreibt es sehr gut: „Verknüpfung von Verhaltens- und Befragungsdaten: Chancen und Grenzen für die Marktforschung“. Wir werden einige Beispiele vorstellen, wie durch eine technische Messung von Verhaltensdaten und parallele Befragung derselben Probanden echter Marktforschungs-Mehrwert entstehen kann. Aber auch die Grenzen solcher Projekte: Die Datenschutzbestimmungen und Big Data-Interpretationsherausforderungen werden wir nicht verschweigen.

www.innofact-marktforschung.de