Fachartikel

DEZ2016
Ausgabe 7/2016, Seite 40 | 16-12-40-1

Reisen in Zeiten des Umbruchs

Update zur Studie „Urlaubsreisetrends 2025“

Die Art zu reisen verändert sich fortlaufend – sei es durch die Digitalisierung oder durch Krisen und politische Veränderungen. Bereits in der Ausgabe 1/2015 von Research & Results wagten Martin Lohmann, Dirk Schmücker und Ulf Sonntag einen Ausblick auf den Tourismusmarkt der kommenden Jahre. Nun stellen sie einige Ergänzungen zu ihrer Grundlagenstudie von 2014 vor.
TitelFoto: © Oleh Tokarev – Fotolia.com
Trendforschung ist auch im Tourismus von Bedeutung: Die Digitalisierung führt zu ständig neuen Umbrüchen in der Branche, Innovationen stellen altbewährte Geschäftsmodelle auf die Probe und setzen etablierte Anbieter unter Druck. Dazu kommen zahlreiche Unwägbarkeiten, ausgelöst durch politische Krisen sowie Kriege, Katastrophen und Terrorismus. Gewohnte Reisemuster bleiben davon auf Dauer nicht unberührt. Grundlagenwissen um die Entwicklungstrends im Konsumentenverhalten ist daher unerlässlich für die Planungssicherheit der Branche. Hier setzt die Studie „Urlaubsreisetrends 2025“ der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (FUR) an, die datenbasierte Argumente liefert und hilft, zukunftsorientierte Entscheidungen zu treffen. Gestützt auf Zeitreihendaten der Reiseanalyse, analysiert die RA-Trendstudie das absehbare, zukünftige Nachfrageverhalten auf dem deutschen Urlaubsreisemarkt bis 2025. Betrachtet werden dabei unter anderem das Nachfragevolumen nach Urlaubs- und Kurzurlaubsreisen, Urlaubsmotive, Reiseziele, Reisevorbereitung und Informationssuche, Urlaubsorganisation oder Verkehrsmittelwahl.

Neue Erkenntnisse

Ergänzend zur Grundlagenstudie aus dem Jahr 2014 wurde nun ein Update veröffentlicht. Darin geht es um die wichtigsten der immer drängender werdenden Zukunftsthemen. Gleichzeitig fließen auch neue Erkenntnisse aus der Bevölkerungsforschung in die Studie ein. Basis der Trendabschätzungen sind die Zeitreihendaten der Reiseanalyse der FUR, welche bereits seit mehr als 45 Jahren das Urlaubsreiseverhalten der deutschsprachigen Bevölkerung erfasst. Konzeption, Organisation und Auswertung obliegen dabei seit über 20 Jahren dem Kieler Institut für Tourismus- und Bäderforschung in Nordeuropa (NIT). Für Feldarbeit und Datenverarbeitung ist Ipsos verantwortlich.

Abbildung 1

Aktuelle Bevölkerungsdaten

Im Zuge der Aktualisierung der Trendberechnungen konnten neue Erkenntnisse aus den Daten des Statistischen Bundesamtes zum Zensus 2011 berücksichtigt werden (Abb. 1). Auch die Reiseanalyse als Datenquelle nutzt diese aktualisierten Bevölkerungsdaten bereits als Grundlage für die Gewichtung und Projektion ihrer Stichprobe (rund 12.500 Befragte). Als Konsequenz dieser neuen Erkenntnisse verringerte sich beispielsweise die Größe der Grundgesamtheit um rund 1,3 Mio. auf rund 69,2 Mio. Personen (Basis: deutschsprachige Bevölkerung über 14 Jahren). Auch die Prognosen zur Bevölkerungsentwicklung bis 2025 veränderten sich in der 13. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung (Variante zwei) dahingehend, dass nun ein leichtes Bevölkerungswachstum bis 2025 absehbar ist.
 
Online und Mobile auf dem Vormarsch

Die aktualisierte Trendanalyse macht deutlich, wie rasant die Durchdringung des Internets fortschreitet und wie relevant es für das Urlaubsreiseverhalten aller Alters- und Gesellschaftsschichten im Jahr 2025 sein wird. Praktisch jeder Urlaubsreisende ist zukünftig – auch unterwegs – mit Zugang zum mobilem Internet ausgestattet. Das hat dementsprechende Auswirkungen auf das Informations- und Buchungsverhalten der Reisenden vor, während und nach der Urlaubsreise. Die Verfügbarkeit von Online-Angeboten zur schnellen, individuellen Buchung von Reisen und Reisebestandteilen nimmt zu, das Online-Segment gewinnt dadurch weiter an Marktanteilen. Bis 2025 wird beispielsweise ein Anstieg des Anteils von Online-Buchungen bei vorab gebuchten Reisen auf 64 Prozent erwartet (2015: 42 Prozent).

Krisen als Einflussfaktor

Nicht nur die Digitalisierung stellt die Branche vor Herausforderungen, auch politische Krisen, Krieg und Terror sind nicht erst seit 2015 ein viel diskutiertes Thema im Tourismus. Daher umfasst das Update der RA-Trendstudie auch eine umfassende Analyse, wie solche Ereignisse auf das Urlaubsreiseverhalten der Deutschen einwirken und welche Mechanismen das Konsumentenverhalten lenken. Untermauert sind diese Untersuchungen mit praktischen Beispielen, wie etwa der kurzfristigen Entwicklung des Reisezielpotentials der Destination Türkei vor und nach einem konkreten terroristischen Ereignis.

Die Reiseanalyse im Überblick

Die vierte RA-Trendstudie schätzt die zukünftigen Entwicklungen auf Basis von Zeitreihendaten ab. Die Datengrundlage liefert die jährliche Reiseanalyse – eine bereits seit 1970 bestehende bevölkerungsrepräsentative Studie im Quellmarkt Deutschland (vergleiche Research & Results 07/2007). Die aktuelle Trendstudie basiert auf dem Grundprinzip des „data based considering“ und berücksichtigt neben Daten und Projektionen auch die Rahmenbedingungen, die Angebotsseite und weitere Variablen des Kundenverhaltens. Die Projektionen fußen auf Zeitreihenanalysen, die unter Einbezug von Dämpfern und Treibern erfolgen. Diese wiederum resultieren aus den zu erwartenden Entwicklungen von Umfeld und Angebot. Zudem sind sie mit einem realistischen Schwankungsbereich unterlegt. Im Update zur Grundstudie wurden erweiterte Zeitreihen inklusive der Ergebnisse der aktuellen Reiseanalyse 2016 berücksichtigt und die Prognosen der 13. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung den Schätzungen zu Grunde gelegt. Das Update zur RA-Trendstudie 2025 umfasst etwa 50 Seiten und wird ergänzend zur Originalstudie aus dem Jahr 2014 (rund 180 Seiten) über die FUR vertrieben.
Professor Dr. Martin Lohmann ist Geschäftsführer des NIT (Institut für Tourismus- und Bäderforschung in Nordeuropa GmbH). Außerdem lehrt er Wirtschaftspsychologie an der Leuphana Universität Lüneburg.

Dr. Dirk Schmücker ist Leiter Forschung im NIT.

Ulf Sonntag leitet den Bereich Marktforschung im NIT und koordiniert die jährliche Reiseanalyse.

 


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