Der Lebenslauf von Elfriede Meyer-Rönnau ist kein geradliniger Weg nach oben, sondern einer, der viele kleine Schleifen zeigt. Die Unternehmerin und Mutter sagt, dass sie diese Umwege in vollen Zügen genossen hat: „Man biegt nicht falsch ab im Leben. Meistens ist so ein Umweg eine spannende Strecke, und die gibt einem sehr viel." Solche Worte lassen auf ein spannendes Leben schließen.

Aufgewachsen ist Elfriede Meyer-Rönnau als eine nordhessische Bauerntochter. „Darauf bin ich auch sehr stolz", erzählt sie. Sie war das erste Kind in der Familie und lebte mit 13 Erwachsenen zusammen. „Ich stand also von der ersten Sekunde meines Lebens auf der Bühne. Das hat mich sicher geprägt. Da wird man dann so, wie ich bin", schmunzelt sie. Elfriede Meyer-Rönnau hat zunächst eine Ausbildung zur Erzieherin und zur Kirchenmusikerin absolviert, denn: „Die werden ja so gerne geheiratet." Das sagte zumindest ihre Großmutter. Und die sollte auch Recht behalten, denn die dreifache Mutter lebt heute in ihrer dritten Ehe.

Schon als Kind wurde ihr beigebracht, dass es wichtig ist, auf eigenen Beinen zu stehen. Und so wurde die zwölfjährige Elfriede von ihren Eltern in die große weite Welt geschickt. „Das Kind braucht Bildung", hieß es, und deshalb verbrachte sie die nächsten Jahre bei einem Freund der Familie in Paris. Dort habe sie viel gelernt. Neben der französischen Sprache vor allem auch das Fahren mit U-Bahn und Rolltreppe, denn „ich kam vom Land und kannte das ja alles gar nicht".

Der Weg in die MarktforschungWieder zurück in Deutschland, fand sie sich in dem „bäuerlichen, kleinen Umfeld" nicht mehr zurecht. Und so zog sie bereits mit 16 Jahren von zuhause aus. Zwei Jahre später stand dann bereits die Hochzeit mit ihrem ersten Mann ins Haus. Mit ihm ging die damals 18-Jährige nach Berlin, wo sie als Interviewerin neben dem Studium bei der GfK anfing. „Und da war es um mich geschehen. Die Marktforschung hat mich einfach begeistert." Die GfK habe ihr damals unglaubliche Chancen eröffnet. Dafür sei sie dem Institut heute noch dankbar. „Ich habe das als bezahltes Lernen empfunden. Das war eine wunderbare Zeit", schwärmt die Marktforscherin. Vermutlich würde sie auch heute noch bei der GfK arbeiten, wenn das Unternehmen damals mit ihr den Plan verfolgt hätte, ein Telefonstudio
aufzubauen, so Meyer-Rönnau. Stattdessen machte sie das Studio aber im Jahr 1986 selbst auf, das sie fünf Jahre lang erfolgreich führte. 1991 verkaufte sie dann das Studio an ihren alten Chef und fing bei GFM Getas - heute Ipsos - als Feldleiterin an. Denn dort habe man sie damals unbedingt haben wollen und sich von dieser Idee auch nicht abbringen lassen. Trotzdem hielt diese Zusammenarbeit nur zwei Jahre. „Das war natürlich schwer, aus der Selbstständigkeit zurück in ein Angestellten-Verhältnis zu kommen, auch wenn es eine leitende Position war", erklärt die Unternehmerin.

Die Gründung von at randomNachdem Elfriede Meyer-Rönnau und Ipsos nun wieder getrennte Wege gingen, stellte sich der damals 35-Jährigen die große Frage: Was jetzt? Sie entschied sich dazu, sich wieder selbstständig zu machen und gründete das Marktforschungsinstitut „at random". „Und das funktioniert mittlerweile seit über 18 Jahren", freut sich die Chefin.

Herausragende Ereignisse in der Geschichte von at random waren zum Beispiel der Bau des fünfzigsten CATI-Platzes (heute sind es 100) und der Einstieg in das internationale Geschäft, erinnert sich Meyer-Rönnau. „Wir führen heute Interviews in 40 Sprachen durch. Das ist schon toll."

Eine Art weiterer Meilenstein sei außerdem die ganz eigene Unternehmensphilosophie bei at random. „Ich stelle bevorzugt Leute ein, die keiner will. Das hört sich jetzt vielleicht seltsam an. Aber das heißt: Wir ‚headhunten' nicht, sondern ich schaue bei Bewerbungen auf Langzeitarbeitslosigkeit. Und ich arbeite eng mit dem Arbeitsamt und mit der Deutschen Angestelltenakademie zusammen." Diese öffentlichen Stellen empfehlen der at random-Chefin dann Leute, die Probleme haben, eine Lehrstelle zu finden - beispielsweise wegen ihres Migrationshintergrundes. „Da schäme ich mich auch oft für dieses Land, dass man diesen Menschen keine Chance gibt. Bei uns funktioniert das mit großem wirtschaftlichen Erfolg, und darauf bin ich sehr stolz."

An einem normalen Arbeitstag steht Elfriede Meyer-Rönnau um acht Uhr morgens auf und fährt gegen neun von zuhause weg. Da sie in der Lüneburger Heide wohnt, braucht sie rund eine Stunde ins Büro. „Aber diese Stunde im Auto genieße ich. Da kann ich morgens schon viele Telefonate erledigen und Dinge organisieren. Abends brauche ich die Stunde wieder, um runterzukommen." Wenn man eine Feldorganisation leitet, kann es durchaus einmal passieren, dass am Freitagabend jemand anruft und fragt, ob man am Wochenende 1000 Interviews in Frankreich durchführen kann, weiß die Unternehmensgründerin. „Das ist brutalstes adhoc-Geschäft."

Meine Kinder, mein Mann und mein MotorradIhren heutigen Mann lernte sie vor zwölf Jahren - ganz klassisch - bei einer Grillparty der Nachbarn kennen. Dort begegnete ihr ein „sehr junger" und „sehr gut aussehender" Maschinenbau-Ingenieur. Er kam und ging einfach nicht mehr. „Das funktioniert, obwohl wir so unterschiedlich sind. Ich rede, er hört zu." Ihr Mann repariert Schiffe und fliegt deshalb viel um die Welt. „Vielleicht braucht es da so einen Menschen wie mich, der nicht jammert: „Das Auto springt nicht an, der Rasenmäher geht nicht." Wir sind beide autark und in der Lage, über einen längeren Zeitraum alleine zu leben."

Elfriede Meyer-Rönnau war über zehn Jahre lang alleinerziehende Mutter und durch ihren Beruf viel unterwegs. „Aber die Kinder waren unter sich ganz toll organisiert. Und sie waren immer ehrlich", erzählt sie. „Bevor der Lehrer mich anrief, dass sie etwas angestellt hatten, riefen die mich selbst an." Ihre Kinder hätten ihr die häufige Abwesenheit nie übel genommen. „Die sagen heute: Wenn wir dich gebraucht haben, dann warst du da. Da geht Qualität vor Quantität."
Ihre drei Töchter hätten ihr über die Jahre auch unglaublich viel Kraft gegeben. „Sie waren immer meine Motivation und mein Antrieb. Heute sind alle so tolle Frauen - da stehe ich manchmal fassungslos davor", sagt die dreifache Mutter stolz. Wie die Mutter sind auch die Töchter sehr individualistisch und haben eigene,
starke Persönlichkeiten entwickelt. Denn Elfriede Meyer-Rönnau findet, dass es wichtig ist, Individualität zuzulassen und zu fördern. Die Wochenenden waren ihr trotz - oder gerade wegen - des stressigen Berufsalltags immer heilig. Die waren für ihre Kinder reserviert. Auch heute treffen sich die vier Frauen noch oft zum „Klönen" oder für ein verlängertes Wellness-Wochenende.

Es hat sich natürlich in dem reinen Frauen-Haushalt so einiges verändert, als der heutige Ehemann in das Leben der Familie trat. „Wir mussten uns da schon einschränken. Plötzlich gab es einen Mann im Haus, und da stand ein Rasierapparat im Badezimmer. Ich bewundere meinen Mann immer noch, dass er den Mut hatte, da reinzuspringen", lacht die 53-Jährige.

Außer Kindern und Mann hat die „Power-Frau" noch eine weitere Leidenschaft: das Motorradfahren. Ihr Mann betreibt es semi-professionell, und so hat sie nun auch wieder angefangen und „heimlich" noch einmal ein paar Fahrstunden zum Auffrischen genommen. „Ich tauge nicht zum Beifahrer, dazu bin ich viel zu dominant.So sehr ich meinen Mann liebe, aber die Verantwortung für mein Leben übernehme ich dann doch lieber selbst." Alle zwei Jahre fahren die beiden „mit den jungen Kerlen" zu Motorradrennen auf die „Isle of Man". Dort gönnt sich das Ehepaar dann zwei bis drei Wochen Auszeit.

Fragt man die Unternehmerin und Mutter nach ihren Wünschen für die Zukunft, fällt ihr nur eines ein: „Dass sich nichts ändert. Dass alles genau so bleibt, wie es ist." Eine schönere Antwort auf eine solche Frage kann es wohl nicht geben.