RR: Herr Wiegelmann, seit Anfang des Jahres kooperiert Interrogare mit
Payback im Panelbereich. Wie ist diese Zusammenarbeit entstanden?
Wiegelmann: Für uns ist die Qualität unserer Arbeit sehr wichtig. Mit Payback haben wir einen Partner gefunden, der ebenfalls dieser Vorstellung gerecht wird. Zusätzlich können wir, wenn der Kunde das wünscht, das ganze Projektmanagement übernehmen - alles aus einer Hand also. Folglich bieten wir unseren Kunden nicht nur wie bisher ein Sample an und integrieren es in unsere Dienstleistungen, sondern wir vertreiben die Samples auch ohne Mehrkosten und ohne unsere eigenen Dienstleistungen. So können wir unseren Kunden qualitativ hochwertige Samples bieten. Das Payback Quality Sample ist mittlerweile eine Community von über 110.000 Panel-Teilnehmern, die aktiv aus dem Payback-Kundenbindungsprogramm rekrutiert wurden.
RR: Panels gibt es ja nun jede Menge. Bietet das Payback Panel etwas Besonderes?
Wiegelmann: Payback ist das größte deutsche, flächendeckende Multipartner-Kundenbindungsprogramm und hat daher zunächst einmal gar nichts mit klassischen Online Access Panels zu tun. Zum Aufbau des Panels wurden ausgewählte Payback Mitglieder in das Panel rekrutiert. Sie wurden nach allen Regeln der Kunst der Stichprobenziehung ausgewählt und aktiv eingeladen. Dass man aus einem Offline-Mitgliederbestand ein aktiv rekrutiertes Online-Panel etabliert hat, ist ein enormer Vorteil.
RR: Und wie genau sieht dieser Vorteil aus?
Wiegelmann: Die Qualität von Panels ist in der Szene immer wieder ein Thema: Manche Response-Raten sind niedrig, die Panel-Mortalität ist bisweilen hoch. Der Ausgangspunkt ist hier einfach ein ganz anderer, weil das Payback Panel von einem anderen methodischen Rekrutierungsansatz kommt. Das wirkt sich in erster Linie auf die Response-Rate und die Panel-Mortalität und damit direkt auf die Datengrundlage in den Projekten aus. Und das ist für uns ein entscheidendes Argument in der Diskussion mit den Marktforschungsinstituten, die wir mit unseren Services beliefern. Mit dem Panel haben wir auch Türen in Bereiche aufgestoßen, wo man dies nicht so direkt erwartet hätte - Bereiche, die der Online-Forschung und den klassischen Online-Access-Panels gegenüber eher zurückhaltend eingestellt sind.
RR: Interrogare blickt auf eine Erfolgsgeschichte zurück. Was war dafür wesentlich?
Wiegelmann: Es kommt darauf an, den Kunden richtig zu beraten und ihm den Service zu bieten, den er braucht. Unsere Kompetenz ist es, dass wir unsere Kunden bei Problemen und Herausforderungen unterstützen, die für sie im Vorfeld noch völlig unklar sind. Wir müssen uns an den Kunden orientieren. Genau aus diesem Grund sind wir auch seinerzeit den Deal mit Confirmit eingegangen und haben angefangen, Fragebögen auch mit deren Software zu programmieren. Denn wir wollen, unabhängig von der eigentlichen Software, Projekte realisieren. Darauf kommt es uns an.
Wir sind ja als rein technischer Dienstleister für die Marktforschungsszene gestartet. Das hat sich dahingehend geändert, dass wir zusätzlich den Bereich Marketing Science im Unternehmen etabliert haben. Wir stellen also nicht nur die Servicekomponenten wie Scripting, Feldarbeiten, Datenauswertung und gegebenfalls Befragungstechnologie, sondern bieten zum Beispiel bei der Preis- und Präferenzmessung auch die Methodik mit an. Berater, kleine und mittlere Marktforschungsinstitute nehmen diesen Service gerne in Anspruch, da sie diese Spezialkompetenzen nicht im Haus etablieren wollen. Die großen Institute kommen mit den üblichen Spitzenabpufferungen hinzu. Die Nominierung unseres Decision Revealer® zum Preis der deutschen Marktforschung 2010 bestätigte uns bereits in unseren Plänen.
RR: Was muss eine Befragungssoftware heute leisten?
Wiegelmann: Wichtig ist, dass eine Software Schnittstellen zu anderen Systemen und zu anderen multimedialen Elementen hat. Flash-Komponenten mit einzubauen und entsprechend auch Informationen von einer Komponente zur anderen zu übertragen, ist heute von großer Bedeutung. Und sie braucht natürlich auch eine vernünftige Schnittstelle zu den anderen Prozessketten - sprich zur Datenauswertung und zu Über-setzungstools.
In Zukunft wird sich der Fokus auf das Reporten von Daten verstärken. Es wird darum gehen, Datenmengen zu visualisieren, mit Diagrammen zu arbeiten und das - idealerweise - sofort, also in „real time" zu etablieren. Für uns ist es wichtig, das Thema Reporting auch weiterhin zu verfolgen und in unsere Software entsprechend einzubauen.
Ich glaube aber insgesamt, dass die Unterschiede zwischen etablierten Softwaresystemen mittlerweile nicht mehr so dramatisch sind. Früher hatten wir da große Vorteile, weil unsere Server-Technologie sehr schnell arbeitet. Das hat dann auch vor einigen Jahren dazu geführt, dass wir den Zuschlag für die Reichweitenmessung von der AGOF bekommen haben.
RR: Die Marktforschungsbranche entwickelt sich stetig weiter. Wo sehen Sie in Ihrem Bereich die nächsten Trends?
Wiegelmann: Im Moment ist Mobile Research natürlich ein echter Hype, der irgendwann aber auch wieder abflachen wird. Ich denke schon, dass das als Kommunikationsmittel auch für die Marktforschung Perspektive hat. Mobile Research ist sicherlich ein Zukunftsmarkt, mit dem man aber im Moment noch kein Geld verdienen kann.
Zusätzlich zum Thema Mobile Research sehe ich den Trend, neben der reinen Befragung andere Datenquellen zu nutzen: Datenströme und Verhalten zu erfassen - sprich site-centric und user-centric Messung - in Verbindung mit Befragungen. Das wird zunehmen. Unsere Strategie dafür ist, uns möglichst breit aufzustellen. So können wir alles aus einer Hand anbieten - unabhängig davon, ob die Lösungen direkt aus der eigenen Entwicklung stammen oder in Zusammenarbeit mit etablierten Systemen entstehen.
