RR: Herr Kleinert, vor kurzem hat Globalpark den Bereich HR-Services, also die personalorientierten Dienstleistungen, abgespalten. Warum haben Sie sich zu diesem Einschnitt entschlossen?
Kleinert: Ich bin mir sicher, dass die Ausgründung der HR-Services von der Öffentlichkeit als ein besonders einschneidender Entwicklungsschritt wahr genommen wird. Intern ist das Ganze sehr unspektakulär abgelaufen, weil es sich langsam und schlüssig entwickelt hat. Im Grunde war die Ausgründung der letzte logische Schritt in einer Kette von positiven Entwicklungsstufen.
RR: Wie darf man das verstehen?
Kleinert: Ganz einfach: Hinsichtlich der Aufgabenschwerpunkte hat sich die HR-Service und Umsetzungseinheit durch die wachsenden Beratungsanteile sukzessive von der Positionierung des Kerngeschäftes differenziert. Irgendwann kommt dann der Zeitpunkt, an dem man das, was sich organisch entwickelt hat, mit einem neuen organisatorischen Rahmen versehen sollte.
Wir bevorzugen ein möglichst konzentriertes Vorgehen und klare Verhältnisse in den verschiedenen Einheiten. Die Globalpark AG ist weltweit einer der wichtigsten High-End-Anbieter für Feedbacksoftware geworden. Wir haben die EFS-Plattform zu einer umfassenden Produktfamilie mit zahlreichen Spezialmodulen ausgebaut. Die Entwicklungsarbeit ist mit viel Arbeit und Leidenschaft verbunden, die auch eine entsprechende Konzentration benötigt. Das Potenzial ist erheblich und wir werden durch die Konzentration systematisch die Entwicklungs- und Innovationsgeschwindigkeit der Softwareplattform steigern.
RR: Wie gehen Entwicklung und Vertrieb der HR-Software jetzt konkret von Statten?
Kleinert: Die HR-Softwareprodukte innerhalb der EFS-Plattform werden auch weiterhin im „Core Development" der Globalpark AG entwickelt. Sowohl EFS Employee für Mitarbeiterbefragungen, als auch EFS Leadership für Führungskräfte-Feedbacks sind von besonderer Bedeutung für den Markt, weil es weltweit keine vergleichbaren Spezialtools gibt. Entsprechend erfolgreich läuft auch der Vertrieb der Technologie durch die Globalpark AG und die ausländischen Niederlassungen. Kunden sind vor allem international tätige HR-Berater, Marktforschungsinstitute und große Konzerne. Die Entwicklung im HR-Softwarevertrieb ist so positiv, dass wir diesen weiter ausbauen werden.
RR: Entwicklung ist ein gutes Stichwort: Wie lief das erste Halbjahr bei Globalpark?
Kleinert: Ich denke, wir können vor dem Hintergrund der aktuellen, ökonomischen Rahmenbedingungen sehr zufrieden sein. Wir haben im ersten Halbjahr ungefähr 30 Prozent mehr Umsatz als im schon sehr guten ersten Halbjahr gemacht. Wir waren stark im Neukundengeschäft, und besonders unser US-Geschäft hat sich überproportional entwickelt.
RR: Wie schaffen Sie das?
Kleinert: Es ist deutlich zu beobachten, dass die Krise für das Wachstum der Online-Marktforschung förderlich ist - Online ist häufig die günstigere Alternative. Viele unserer Kunden profitieren von dieser Entwicklung. Wir sehen starke Zuwächse im Geschäft der führenden Sampling-Dienstleister. Und auch der starke Trend zur eigenständigen Durchführung von Online-Marktforschung in Unternehmen hat sich noch einmal spürbar beschleunigt.
RR: Externe Marktfaktoren sind das Eine. Was haben Sie intern dazu getan?
Kleinert: Globalpark ist das Gegenteil einer zentralistisch-bürokratischen Organisation. Wir arbeiten mit flachen Hierarchien, kleinen Teams mit hohem Entscheidungsspielraum und einer starken Außenorientierung. Diese Struktur ist hilfreich, wenn es darum geht, schnell, innovativ und nahe am Marktgeschehen zu sein.
Die Entwicklung unserer Software ist damit auch immer ein hervorragendes Äquivalent für die verschiedenen Strömungen des Marktes. Allein in den letzten zwei Jahren hat es eine sehr große Anzahl von maßgeblichen Entwicklungsschritten in diesem Zusammenhang gegeben.
RR: Was für Schritte waren das?
Kleinert: Lassen Sie mich drei Meilensteine nennen. Performanz und Sicherheit sind entscheidende Parameter bei Onlinebefragungen. Wir haben als erstes Unternehmen der Branche ein neues Rechenzentrum eingerichtet, das durch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik - kurz BSI - nach höchsten internationalen Sicherheitsstandards zertifiziert worden ist. Innerhalb des Rechenzentrums haben wir zusätzlich eine innovative Hosting-Architektur mit vollständig skalierbaren Servern umgesetzt. Das waren wichtige Schritte, um im globalen Wettbewerb große Kunden zu gewinnen, die mehrere Millionen Interviews mit hohen Belastungsspitzen durchführen und zudem überdurchschnittlich hohe Sicherheitsanforderungen haben.
Ein weiterer Meilenstein war die Einführung von EFS Webservices. Wir haben die Systemarchitektur so geöffnet, dass nun mit mehr als 50 standardisierten Schnittstellen die Anbindung an externe IT-Systeme, wie ERP-oder CRM-Software, möglich ist. Die Integration oder Automatisierung von Feedbackprozessen kann dadurch sehr einfach realisiert werden.
Schließlich hat der graphische Gestaltungsspielraum an Bedeutung gewonnen - und damit auch der Unterhaltungswert von Umfragen, den wir unter dem Begriff „Surveytainment" zusammenfassen. Wir haben im Verlauf der letzten zwei Jahre mit einem ganzen Paket von zusätzlichen Fragetypen reagiert. Neben anspruchsvollen Rankingfragen haben wir verschiedene Bildfragetypen, Schieberegler und letztlich ein komplettes Framework zur freien Erstellung von flashbasierten Fragetypen entwickelt.
RR: Welche generellen Entwicklungen im Software-Bereich sind für Globalpark besonders relevant?
Kleinert: Ich würde das Verschmelzen von Desktopund Internetanwendungen als Aspekt von Web 2.0 hervorheben. Internetapplikationen verhalten sich in Sachen Bedienung und Nutzer erlebnis mehr und mehr wie Desktop anwendungen. Dies wird ermöglicht durch moderne Browser und stabile Javascript-Frameworks. Globalpark setzt hier auf Dojo, das unter anderem von IBM entwickelt wird. Außerdem werden flashbasierte Rich-Media-Anwendungen immer wichtiger; Adobe Air und Flex sind zwei Technologien, die hier zu nennen sind und Potenzial für die Einsatzzwecke von Globalpark haben. Wir sind zum Beispiel gerade dabei, mit Kennzahlen aus länger laufenden Umfragen hochgradig interaktive Management-Dashboards bereitzustellen, die auf Flash basieren.
RR: Gibt es noch weitere zukunftsgerichtete Entwicklungen?
Kleinert: Im Bereich der Innovationen arbeiten wir erfolgreich am Ausbau der mobilen Feedbackmöglichkeiten. Wir sind davon überzeugt, dass in naher Zukunft ein nicht unerheblicher Teil der Onlinebefragungen über mobile Endgeräte, wie das iPhone und ähnliche Smartphones, laufen wird. Wir haben hier Grundlagenstudien durchgeführt und eine international besetzte Konferenz im ersten Halbjahr in London veranstaltet. Ziel dabei war es, alle wesentlichen Anforderungen und Trends zu identifizieren und diese für die Weiterentwicklung unseres Mobile Moduls zu nutzen.
Ein ganz zentraler Schwerpunkt ist die Panelsoftware. Neben dem Einsatz bei Marktforschungsinstituten und Samplingdienstleistern ist der Aufbau von Kundenpanels einer der Megatrends in der Branche. EFS Panel wird mit dem kommenden Release 7.0 um Community-Funktionen erweitert. Erstmals werden Unternehmen und Institute damit in die Lage versetzt, auf einer zentralen Plattform quantitative Feedbackmöglichkeiten mit aktuellen Social-Media-Ansät-zen, wie Blogs, Foren, Boards und Netzwerkfeatures, zu verbinden.
Das ist erst der Beginn von ganz innovativen Kommunikations-und Forschungsmöglichkeiten auf interaktiven Kundenplattformen. Wir nennen das „Customer Feedback Community" und bieten damit unseren Kunden die Möglichkeit, in einem gesicherten Rahmen die Kommunikationsmittel des Web 2.0 strategisch nutzbar zu machen. Das neue Release wird im Übrigen auch zahlreiche Zusatzservices für unsere Panelkunden bieten. Neben dem Versand von SMS-Einladungen bieten wir im Rahmen einer Partnerschaft mit Relevant-ID standardisierte Dienste zur Panelisten-Identifikation und Qualitätssicherung an.
RR: Wie sehen Ihre Zielgruppen aus?
Kleinert: Globalpark-Technologie hat den höchsten Marktanteil bei den Marktforschungsinstituten. Das Spektrum reicht von den „Big Playern", wie TNS, GFK oder Yougov, bis hin zu vielen kleineren Instituten. Wir sind stolz darauf, dass ein erheblicher Teil der Institute, die besonders erfolgreich im Bereich der Onlinemarktforschung sind, unsere Software einsetzt. Neben den klassischen Marktforschungsinstituten setzen zahlreiche HR-Berater und Unternehmensberatungen, etwa KPMG, Deloitte oder Price Waterhouse Coopers, die Globalpark-Software ein.
Der Löwenanteil der Kunden rekrutiert sich aber aus Unternehmen der verschiedensten Branchen und Größenordnungen. Während anfänglich vor allem die betrieblichen Marktforscher unsere Technologie eingesetzt haben, wird die Technologie mehr und mehr auch von weiteren Abteilungen genutzt -wie dem Marketing, dem Qualitätsmanagement, der Personalabteilung, dem CRM, um nur einige zu nennen.
RR: Bleiben wir zunächst bei Instituten und Beratern. Was haben diese Kunden vom Einsatz Ihrer Software?
Kleinert: Ich denke, das kann man in der Tat zielgruppenspezifisch beantworten. Für Intermediäre ist es von primärem Interesse, sich Wettbewerbsvorteile zu erarbeiten. Die gesamte Entwicklungsgeschichte der Tools ist von dieser Leitlinie geprägt. Sie drückt sich aus in strikter Workflow-Orientierung, Makro- und Automatisierungsfunktionen sowie intuitiver Usability.
Wenn ein Institut Globalpark-Technologie einsetzt, wird die Effizienz der Forschungsarbeit massiv gesteigert. Im Klartext heißt das, ich kann bei minimalem Input ein Maximum an Output generieren. Institute können so deutlich mehr Projekte mit ihren Teams umsetzen als mit anderer Software. Wir haben in diesem Zusammenhang sogar Vergleichsstudien mit verschiedenen Produkten durchgeführt.
Ein weiterer wichtiger Aspekt der Wettbewerbsvorteile für Intermediäre ist Flexibilität. Der Funktionsumfang ermöglicht Instituten, auch hoch komplexe Onlineprojekte und besondere Kundenwünsche schnell umzusetzen. Viele Institute nutzen unsere Software wie einen Modulbaukasten, mit dem Workflows beim Kunden abgebildet werden können.
Technisch orientierte Institute können durch die offene Systemarchitektur sogar eigene Tools und Programme integrieren. Damit reagiert die Plattform sehr elastisch auf die technik- und methodenspezifischen Charakteristika der verschiedenen Institute und unterstützt effektiv das Herausarbeiten von USP's.
RR: Und wie sieht das bei Unternehmenskunden aus?
Kleinert: Unternehmenskunden profitieren nicht nur von der besprochenen Effizienz. Abgesehen von der Nutzung in verschiedenen Abteilungen eröffnet die Plattform die Möglichkeit, Feedbackprozesse und Marktforschung als einen wichtigen Teil der Kernstrategie zu etablieren.
Unternehmen werden in die Lage versetzt, koordiniert und systematisch alle Online-Feedbackprojekte mit Kunden, Mitarbeitern und Partnern umzusetzen und Entscheider der verschiedensten Abteilungen mit Informationen zu versorgen, um schnellere und bessere Entscheidungen zu treffen.
EFS ist als Multi-User-Plattform konzipiert und kann über Zusatzmodule den Anforderungen der verschiedenen Abteilungen angepasst werden. Es gibt die Möglichkeit, Zentralinstanzen einzurichten, die den gesamten Feedbackverkehr überwachen, um beispielsweise die Befragungsintensität der Kundendaten auszubalancieren oder die Pflege der Fragebogenbibliothek zur methodischen Qualitätssicherung vorzunehmen.
RR: Können Sie das konkretisieren?
Kleinert: Das kann so aussehen: Die Personalabteilung nutzt die entsprechenden HR-Tools, etwa den OrgProzessor, zur Abbildung der gesamten Organisationsstruktur. Die Mitarbeiter aus der CRM-Abteilung haben einen automatischen Feedbackprozess zur Evaluation ihres Onlineshops eingerichtet. Und die Marktforscher haben ein Kundenpanel aufgesetzt, das im gesamten Unternehmen als Quelle für marktnahe Entscheidungen dient. Das alles findet in geschützten Teambereichen und auf einer einzigen Plattform statt und wird Enterprise Feedback Management genannt. So wird das ineffiziente Chaos aus Datenüber- und Unterauslastung, redundanten Umfragen und den hohen IT-Kosten für Schulungen und Pflege von vielen verschiedenen Umfragetools beseitigt.
RR: Alles in allem heißt das...
Kleinert: ...es gibt deutliche Gründe für den Einsatz einer High-End-Software. Das Schöne ist: Man kann sehr klein anfangen, systematisch ausbauen und mit den Ansprüchen wachsen. Aus unternehmerischer Sicht ist es schließlich entscheidend, Total Cost of Owner ship und ROI zu berücksichtigen.
Fachartikel
Ausgabe 4/2009, Seite 36
Artikelnummer: 09-04-36-1
„Klein anfangen, systematisch ausbauen, mit den Ansprüchen wachsen…“
Frank Kleinert, Chief Sales Officer von Globalpark über Erfolgsfaktoren, Zukunftspläne und Benefits durch Software
Kasten:
Zur Person:
Frank Kleinert ist als Chief Sales Officer (CSO) eine der zentralen Führungspersonen bei Globalpark. Er ist seit zehn Jahren im Unternehmen tätig und leitet seit sieben Jahren den Vertrieb und das Marketing des Unternehmens. Er hat sich bereits im Studium der Soziologie im Bereich der Onlineforschung spezialisiert und gemeinsam mit Dr. Lorenz Gräf (CEO) in den Anfängen der neuen Disziplin erste Studien durchgeführt.
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Zur Person:
Frank Kleinert ist als Chief Sales Officer (CSO) eine der zentralen Führungspersonen bei Globalpark. Er ist seit zehn Jahren im Unternehmen tätig und leitet seit sieben Jahren den Vertrieb und das Marketing des Unternehmens. Er hat sich bereits im Studium der Soziologie im Bereich der Onlineforschung spezialisiert und gemeinsam mit Dr. Lorenz Gräf (CEO) in den Anfängen der neuen Disziplin erste Studien durchgeführt.
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