Sport hat nicht nur in Deutschland, sondern auf der ganzen Welt und speziell in Europa einen wirtschaftlich und gesellschaftlich hohen Stellenwert. Durch das Zusammenschmelzen der europäischen Märkte gilt es für jeden Beteiligten im Sport herauszufinden, welche Sportarten eine europaweite Plattform bieten und welche nationalen und internationalen Events die europäische Bevölkerung besonders interessieren. Insbesondere für Unter-nehmen, die als Partner, Förderer oder Sponsoren im Sportmarkt tätig sind, ist es von enormer Bedeutung, die Ausstrahlung und Reichweite ihrer Sponsorships auf der großen internationalen Bühne zu ermitteln. Die Sponsoringforschung von Ipsos untersuchte zu Beginn dieses Jahres den Sportmarkt in den fünf europäischen Kernmärkten Deutschland, Italien, Spanien, Frankreich und Großbritannien. Mit dem Ipsos Capibus™ Europe wurden insgesamt 5000 Personen, national repräsentativ für das jeweilige Land, zu ihrem Interesse an verschiedenen Sportarten, nationalen und internationalen Sport- Ligen und -Events sowie zu ihrer Sportmediennutzung befragt.

Fußball, Formel 1 und Tennis

Auf dem Siegertreppchen der Sportarten mit höchstem Interesse in den befragten Ländern steht wenig überraschend Fußball (siehe Abb.). Über alle fünf europäischen Kernsportmärkte hinweg interessieren sich 45 Prozent der Bevölkerung dafür. Dies entspricht hochgerechnet einer Zielgruppe von etwa 112 Millionen Fußballfans in den fünf europäischen Ländern. Damit ist Fußball mit deut lichem Abstand die beliebteste Sportart. Den zweiten Platz in der ersten Start reihe sichert sich die Formel 1 mit einem Gesamtinteresse von 26 Prozent oder hochgerechnet etwa 65 Millionen Personen. Auf dem dritten Rang findet sich eine Sportart wieder, die sich in Deutschland seit Jahren eher auf einem absteigenden Ast befindet: Tennis. Insgesamt geben knapp 20 Prozent der Befragten an (in Hochrechnung etwa 50 Millionen Personen), sich für den „weißen Sport“ zu interessieren.

Zu den „Starting Seven“ im europäischen Gesamtranking gehören die Sportarten Leichtathletik (18 Prozent Interesse), Radfahren (14 Prozent), Alpiner Ski-sport (13 Prozent) und Basketball mit elf Prozent. Fußball erreicht in diesem Ranking nicht nur den ersten Platz im Gesamtklassement, sondern sichert sich auch die Spitzenposition in jedem der fünf europäischen Kernmärkte. Die größte Begeisterung für das runde Leder teilen sich dabei Italien, Spanien und Deutschland. In diesen traditionellen Fußballnationen interessiert sich fast die Hälfte der Bevölkerung für Fußball.

Ebenfalls auf sehr hohem Niveau ist das Interesse in Großbritannien (42 Prozent) und Frankreich (40 Prozent). Bei den weiteren Platzierungen unter den Top-3 Sportarten sind bereits landesspezifische Unterschiede festzustellen. Beispielsweise liegen in Frankreich und Großbritannien Rugby und Tennis auf den vorderen Plätzen, wobei hier festzustellen ist, dass der Abstand zwischen Fußball und Rugby in Frankreich deutlich geringer ist als in Großbritannien. In Deutschland und Italien ist die Formel 1 an zweiter Stelle, jedoch mit einem deutlichem Abstand zu Fußball, gefolgt von Skispringen (Deutschland) und Motorradrennen (Italien). In Spanien konnte die Erfolgsstory von Rafael Nadal die Sportart Tennis, noch vor der Formel 1, auf den zweiten Rang platzieren.

Freude über große Sportevents

Neben dem allgemeinen Interesse an Sportarten ziehen nationale Ligen und internationale Sportgroßveranstaltungen die Zuschauer weltweit regelmäßig in ihren Bann. Auch beim diesbezüglichen Interesse sind die ersten beiden Plätze fest in der Hand von König Fußball (siehe Abb.). Jeder Dritte in den europäischen Kernmärkten zeigt bereits jetzt ein Interesse an der Fußball-Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika, dicht gefolgt von der UEFA Champions League. Mit 29 Prozent an Interessierten erreichen die Olympischen Sommerspiele 2012 Bronze, wiederum dicht gefolgt von der Formel-1-Weltmeisterschaft (27 Prozent).
Besonders die deutsche Bevölkerung fiebert den Weltmeisterschaften in Südafrika (48 Prozent) sowie den beiden Großevents – Olympische Sommerspiele in London und Fußball-Europameisterschaft in der Ukraine und Polen (beide 39 Prozent) – im Jahr 2012 entgegen.

In Frankreich wird das Ranking von den Sommerspielen 2012 angeführt (38 Prozent), gefolgt von der Fußball-Weltmeisterschaft 2010 (33 Prozent) und den Olympischen Winterspielen in Van - couver (32 Prozent) im gleichen Jahr. In der Heimat der Scuderia Ferrari zeigt die italienische Bevölkerung ein höheres Interesse an der Formel 1 und sichert sich somit die Pole-Position mit 39 Prozent. In Spanien steht die UEFA Champions League an erster Stelle. Die ATP Tour kann sich nach der Formel 1 den dritten Platz sichern. In Großbritannien ist das Interesse an den Olympischen Sommerspielen mit 30 Prozent zwar im Vergleich zu den anderen Ländern noch etwas zurückhaltend, jedoch deutlich höher als das an der Champions League und der Formel 1.

TV ist meistgenutztes Medium für Sportinformationen

Ein relativ einheitliches Bild zeigt die Analyse der Mediennutzung. In allen untersuchten Ländern dominiert das TV als wichtigste Informationsquelle für Sportnachrichten. Dagegen sind das Internet sowie die Sportfachzeitschriften weniger relevant. So gaben 63 Prozent der befragten Europäer in der Studie an „in den vergangenen sieben Tagen“ das Fernsehen genutzt zu haben, um sich über Sport zu informieren. Neben dem Fernsehen haben die Zeitungen und das Radio den höchsten Stellenwert als Informationsquelle für Nachrichten aus der Sportwelt. 27 Prozent der Bevölkerung in den untersuchten Märkten haben sich innerhalb der vergangenen Woche in Tageszeitungen über Sport informiert und 16 Prozent der Befragten haben zu diesem Zweck das Radio eingeschaltet. Trotz des steigenden Anteils der Internetnutzer und der vielfältigen Möglichkeiten, sich im Internet über Sport zu informieren, erreicht das Internet aktuell noch nicht den Stellenwert von TV und Tageszeitungen als Informationsquelle für Sportinteressierte.