RR: Die wirtschaftliche Lage ist in der Öffentlichkeit das vorherrschende Thema. Finanzkrise, Konjunkturpaket, Bürgschaften – wie gelassen können Sie da bleiben?

Weyergraf: So deutlich spüren wir die Krise momentan nicht. Wir hatten ein ganz hervorragendes Weihnachtsgeschäft und sind auch in das neue Jahr gut gestartet. Fest steht: Die Online- Markforschung und wir als unterstützender Felddienstleister haben noch eine Menge Potenzial. Wir können immer mehr Studien abbilden und spielen auch für klassisch orientierte Institute eine immer größere Rolle. Trotzdem: So richtig klar ist es nicht, wie das Jahr laufen wird. Deshalb haben wir eher konservativ geplant.

RR: Wo steht Panelbiz derzeit, sowohl national als auch international?

Weyergraf: Das deutsche Panel hat sich sehr gut weiterentwickelt. Wir haben stark investiert, nicht nur in der Breite, sondern vor allem auch in der Tiefe. Damit können wir auch Zielgruppen anbieten, die sonst schwer zu erreichen sind: Ältere zum Beispiel, aber auch die ganz Jungen, insbesondere die Gamer. Außerdem haben wir im deutschsprachigen Raum stark expandiert und sind jetzt mit dem Panel in der Schweiz seit einem Jahr aktiv. Nun wollen wir auch in Österreich Fuß fassen. Der Fokus für die nächsten Jahre liegt ganz klar auf dem deutschsprachigen Raum, in der Schweiz natürlich inklusive der französischsprachigen Regionen.

RR: Wie setzt sich eigentlich Ihr Angebot zusammen? Sprich: Wie ist das Verhältnis von Consumer- zu B2B-Panels?

Weyergraf: Aktuell haben wir eine Relation von 60 zu 40. Rund 60 Prozent sind Konsumentenumfragen, der Rest B2B-Befragungen. Letzteres ist sicher ein Wachstumsfeld. Viele Institute merken, dass solche Umfragen nicht mehr nur per Telefon oder schriftlich möglich sind, sondern auch online abgewickelt werden können – und das bei sehr hoher Qualität zu ganz anderen Preisen.

RR: Panelanbieter gibt es inzwischen eine ganze Reihe. Wo liegen eigentlich die Unterschiede? In den Spezialpanels?

Weyergraf: Die Spezialpanels spielen sicher eine große Rolle. Doch die Frage am Ende des Tages ist natürlich immer: Wie baue ich mein Panel auf? Wie entwickle ich es weiter? Wo bekomme ich Teilnehmer und Teilnehmerinnen her? Betreibe ich aktives Marketing? All diese Fragen sind notwendig, um eine hohe Panelqualität darzubieten. Dadurch, dass wir die Panel-Teilnahme mit Geld incentivieren haben wir auch eine Bankverbindung. Das heißt, wir prüfen die Identität einer Person anhand der Kontoverbindung. Es hat daher aus Sicht eines Nutzers keinen Sinn, sich mit einem Kunstnamen oder mit einem Namen Dritter anzumelden.

Wir bieten eine sehr hohe Qualität durch Online- und Offline-Rekrutierung und kaufen grundsätzlich nicht bei anderen ein. Zu 99,9 Prozent können wir wirklich alles alleine erledigen und brauchen keine weiteren Partner – das halte ich für sehr wichtig. Bei uns kommt alles aus einer Hand. Außerdem nehmen wir das Thema Dienstleistung sehr ernst. Wir sind hier in Deutschland ansässig und zwar nicht nur mit dem Vertrieb, sondern mit dem kompletten Team. Und wir sind, was Studien und Studiendesigns angeht, sehr flexibel. Das heißt: Wir können auch Studien aufsetzen, die manche Mitbewerber so nicht leisten können.
 
RR: Könnte ich bei Ihnen Teilnehmer eines Panels sein und gleichzeitig auch beim Wettbewerber mitmachen?

Weyergraf: Das können Sie. Wir versuchen zwar, das zu minimieren, aber die Möglichkeit, auch bei der Konkurrenz Panelteilnehmer zu sein, lässt sich nicht völlig ausschließen. Wenn wir Analysen machen, sehen wir ja wie viele Leute auch in anderen Panels sind. Das bewegt sich im einstelligen Prozentbereich. Wir greifen ja auf Zielgruppen zu, die sich beispielsweise über Anzeigen in Regionalzeitungen gezielt bei uns bewerben. Das FTD-Panel ist handverlesen, die Wahrscheinlichkeit, dass Personen aufgrund der Zielgruppenkonstellation in mehreren Panels angemeldet sind, eher gering. Exklusivität ist ansonsten illusorisch. Da wir die Studien aber komplett ohne Zukauf anbieten, kommen Mehrfachinterviews innerhalb einer Studie bei uns nicht vor.

RR: Wenn Sie einen Blick in die Zukunft werfen. Was sehen Sie da? Welche Entwicklungen sind prägend?

Weyergraf: Immer mehr Institute – und auch ihre Auftraggeber – erkennen, dass bei Online-Marktforschung eine ganze Reihe weiterer Studienansätze, zum Beispiel hybride Studien, also sogenannte Inhome Use Tests, eine größere Rolle spielen. Sprich: Das Internet wird als Rückkanal genutzt. Dass die Befragten ihre Antworten online eintragen und der Marktforscher die Antworten sofort auswerten kann, ist sicher ein wichtiges Thema. Genauso wie die qualitative Marktforschung. Da stellen sich Fragen wie: „Ist es möglich, früher oder später Fokusgruppen auch online zu befragen?“ Es gab in der Vergangenheit immer wieder Untersuchungen mit weniger guten Ergebnissen dazu. Da muss man sehen, wie die Technik weitergeht.

Ein weiteres Thema, das uns umtreibt, ist „mobiles Internet“. Sprich: „Muss jemand zu Hause vor dem Rechner sitzen, um antworten zu können, oder geht das auch von unterwegs?“

Woran wir allerdings nicht glauben, sind Communities, die anstelle eines Panels befragt werden. Die Qualität ist sicher nicht die gleiche, wenn man eine Million Leute in einer Community befragt, um dann zufälligerweise von den 100 relevanten die richtige Antwort zu bekommen. Das ist auch methodisch nicht der richtige Weg. Allerdings können wir über die Communities weitere Panel-Teilnehmer rekrutieren. Die müssen aber dann auf Marktforschung vorbereitet und identitätsgesichert sein.

RR: Und was kann der Kunde 2009 ganz konkret von Panelbiz erwarten?

Weyergraf: Unser Ziel ist es, weitere Zielgruppen anbieten zu können. Wir haben inzwischen ein großes Ärzte- Panel mit 25.000 Teilnehmern, die bereit sind, bei entsprechenden Marktforschungsprojekten mitzumachen. Eines unserer Vorzeigeprojekte ist das in Zusammenarbeit mit der Financial Times Deutschland (FTD) etablierte Entscheider-Panel. Das Panel ist deshalb so relevant, weil es schwer ist, Top-Entscheider in Deutschland für eine Teilnahme zu begeistern. Jemand, der 14 Stunden am Tag arbeitet, hat einfach andere Interessenschwerpunkte als an einer Onlinebefragung teilzunehmen. Aus diesem Grund haben wir die Kooperation mit der FTD begründet, weil wir davon ausgehen, dass ein Jahresabonnement der Zeitung ein gewisser Anreiz ist.

Mit dem Entscheider-Panel erreichen wir Menschen, an die wir sonst kaum herankommen. Themen, die bisher per Telefon oder in schriftlichen Befragungen stattfinden mussten, können wir jetzt online abwickeln – zu weitaus günstigeren Kosten. Aufgrund des durchschlagenden Erfolgs wollen wir das weiter intensiv ausbauen.

Neben Experten-Panels sehen wir ein großes Potenzial an sogenannten privaten Panels. Sprich, dass wir teil - exklusiv oder exklusiv im Auftrag des Kunden ein Panel aufbauen. Gerade die Unternehmen, die regelmäßig eine spezielle Zielgruppe erfragen, haben an dieser Lösung ein großes Interesse. Ansonsten wollen wir natürlich auch den internationalen Instituten ein Partner sein. Panelbiz ist für Endkunden nicht relevant, wir sind Felddienstleister und möchten das auch bleiben. Ob wir über unsere Kernmärkte Deutschland, Schweiz und Österreich hinaus weiter expandieren, wird sich zeigen.