Nur einen Mausklick entfernt ist das Objekt der Begierde - so zumindest wird es gerne versprochen. Wer sich selbst auf Websites bewegt, um etwas zu kaufen, zu buchen oder sich zu informieren, kann schnell die leeren Versprechen von den wahren unterscheiden. Denn während die technischen Möglichkeiten wachsen, wächst die Benutzerfreundlichkeit nicht überall mit. Und wer sich erst einmal erfolglos durch einige Irrungen und Wirrungen geklickt hat, ist schnell wieder verschwunden und kommt wahrscheinlich nie wieder. Analoges gilt für manche technische Geräte, die eine Vielzahl von Features bieten, die der Benutzer wohl nie kennen lernen wird. Die Entwickler haben sie einfach zu gut versteckt. Gut, dass es da noch die daumendicke, rudimentär ins Deutsche übersetzte Betriebsanleitung gibt.
Wer seinen Kunden solcherlei Erfahrungen ersparen will, tut gut daran, ihn möglichst frühzeitig in den Mittelpunkt des Denkens, Handelns und Entwickelns zu stellen. Denn zufriedene Kunden kommen wieder, und so kann sich gute Usability im wahrsten Sinne des Wortes auszahlen. Die Usability-Forschung möchte dazu beitragen und stellt eine Reihe von Methoden bereit, um festzustellen, was dem Kunden wirklich nützt. Wer Usability-Forschung anbietet, zeigt die Übersichtstabelle auf Seite 22. Anbietermeinungen zum Thema finden Sie im O-Ton. Und in einigen Infokästen sind die wichtigsten Fakten und Tipps verdichtet.
Thomas Kahn, Senior Project Manager, Blauw-Research
Unsere Erfahrung im Bereich „Consumer Electronics" zeigt, dass die „Usability" sich zu einem entscheidenden Kriterium entwickelt. Wer hier ausreichend investiert, kann sich im Wettbewerbsumfeld einen entscheidenden Vorteil verschaffen und die eigene Marke im Sinne einer einfachen, komfortablen und intuitiven Handhabung positionieren. Die Überprüfung und Weiterentwicklung dieser Anforderung im Rahmen von regelmäßigen und strukturierten Usability-Tests stellt dafür die Voraussetzung dar.
Ralph Hofmann, Projektleiter, creative analytic 3000
Lukas Brehm, Studienleiter, creative analytic 3000
Die Evolution moderner Kommunikationstechnologien schafft aus Sicht des Endverbrauchers stets neue Chancen und Herausforderungen. Damit die vielfältigen und komplexen Möglichkeiten dieser Technologien nutzbar bleiben, ist eine optimale Anpassung der Technik an die natürlichen Verhaltensmuster des Menschen notwendig. Wir nutzen qualitativ-psychologische Forschungsmethoden, um den Status dieses Anpassungsprozesses zu erheben. Auf diesem Wege extrahieren und evaluieren wir die kognitiven, motivationalen und emotionalen Treiber, die dem Nutzungsverhalten des „modernen" Users zugrunde liegen - und nähern uns so dem Erfolgskonzept im heutigen Markt der Kommunikationstechnologien: der optimierten User Experience - dem perfekten Nutzungserlebnis.
Rüdiger Arndt, Leiter Marktforschung, EarsandEyes
Die Verbindung einer Fülle von ausgefeilten labortechnischen Messverfahren und stark steuerndes Verhalten der Versuchsleiter birgt die Gefahr, ursprüngliche Grundsätze der Usability-Forschung zu verletzen. Testpersonen finden dann eine unnatürliche Umgebung vor, die ihnen keinen freien Umgang mit der zu testenden Anwendung ermöglicht. Blickaufzeichnungen und handlungsleitende Maßnahmen sollten nur dann eingesetzt werden, wenn diese unbedingt erforderlich sind. Gemäß dem Leitsatz der Usability-Forschung, dass uns der User die Schwächen einer Anwendung aufzeigen soll, schafft EarsandEyes Untersuchungsbedingungen, die einen möglichst freien Umgang mit der Anwendung garantieren.
Malte Feiler, Leiter Marketing & Kommunikation, econda
Schon die Klärung weniger, grundsätzlicher Fragen führt zu einer erfolgreicheren Website: schlüssige Navigation, funktionierende Suche, schnell erfassbarer Content. Finden sich Besucher auf einer Website zurecht? Für die Überprüfung können professionelle Tools die Klickpfade sichtbar machen. Der econda Click Monitor zum Beispiel zeigt anschaulich alle Klicks auf klickbare und nicht klickbare Elemente. Das macht eine Optimierung und damit eine Verbesserung der Konversion ohne großen Aufwand möglich.
Thorsten Wilhelm, Geschäftsführer, eResult
Welche Methoden sind die besten? Die, die Fragen und Probleme beantworten, welche unsere Kunden aktuell haben.
Das ist auch unsere Philosophie: Wir verkaufen unseren Kunden keine Methoden, Verfahren oder Produkte. Wir sehen uns als Problemlöser, der immer erst mal in Zusammenarbeit mit den Kunden die Frage- und Problemstellungen herausarbeitet und dann darauf aufbauend die geeigneten Methoden auswählt. Das unterscheidet uns vielleicht von anderen, hat aber sicherlich damit zu tun, dass unser Ursprung in der „kundenorientierten Unternehmensführung" liegt. Sowohl Prof. Miriam Yom als auch ich kommen aus der Marketingforschung. Das zahlt sich für unsere Kunden positiv aus.
Christian Bennefeld, Geschäftsführer, etracker
Ich sehe klar den Trend, dass kostenintensive Online-Usability-Forschung in Test-Laboren verstärkt durch quantitative Website-Analysen ersetzt wird. In der Regel geschieht dies durch den Einsatz einer Web-Controlling Software. Vorteil dieser Methode ist, neben der kostengünstigen Realisierung, der große Stichprobenraum über alle Website-Besucher. Dieser kann beliebig segmentiert werden - beispielsweise nach Käufern und Nichtkäufern. Zudem stehen durch Web-Controlling Werkzeuge wie Abbruchanalysen, Click- und Heatmaps zur Verfügung.
Patrick Wolff, Geschäftsführer, e-wolff
Mouse-Tracking ist eine interessante und bisher wenig beachtete Alternative zum Eye-Tracking. Es ist kostengünstig, schnell eingerichtet und einfach zu handhaben. Laut Untersuchungen gibt es bei einem Drittel der Internet-User signifikante Korrelationen zwischen Aufmerksamkeitsfokus und der Mauszeigerposition. Movement-Heatmaps zeigen somit die tendenziellen AOI's („Areas of Interest") der Besucher. Die Ergebnisse kommen von der echten Zielgruppe, und wir von e-wolff setzen verstärkt bei Usability-Tests auf dieses neuartige Tool.
Sabrina Duda, Geschäftsführerin, eye square
Momentan liegen „Remote Web Usability Studien" im Trend, auch eine Kombination mit Online-Marketing-Evaluation wird nachgefragt. Immer wichtiger wird das gesamte Nutzererleben im Web, die Analyse von Nutzerströmen über längere Zeiträume. Usability mit Eye-Tracking gehört schon fast zum Standard. Große Internetanbieter stellen ihre Forschung komplett auf Eye-Tracking um. Cultural Usability, international vergleichende Usability-Forschung ist ebenfalls ein Thema von zunehmender Relevanz.
Christian Bopp, Managing Partner, Facit Digital
Interaktive TV-Plattformen wie T-Home oder Windows Media Center sind im Kommen. Die Nutzer dieser neuen Dienste sehen sich vor die Herausforderung gestellt, deren vielfältige Funktionen mit der Fernbedienung zu bedienen. Denn was viele mit Maus und Tastatur im Internet schon längst gelernt haben, kann mit der Fernbedienung im Wohnzimmer zur echten Geduldsaufgabe werden. Usability-Labs sind in diesem Umfeld wichtiger denn je: Während im Webdesign bereits auf eine Vielzahl von Erfahrungen zurückgegriffen werden kann, müssen die Entwickler von sogenannten Lean-Back-Medien noch einiges lernen, wie unseren jüngsten Tests und Studien belegen.
Thomas Worm, Consultant Online Research, g/d/p
Usability-Tests müssen nicht teuer sein, setzt man sie richtig und frühzeitig ein. Das kann bereits mit ersten Prototypen in der Entwurfsphase geschehen. So werden Fehler in der Konzeption von Benutzerschnittstellen rechtzeitig erkannt. Empfehlenswert ist dabei die Einbeziehung der am Projekt beteiligten Entwickler in die Tests. Dies trägt zur Sensibilisierung für die Thematik bei. Über die uns als Marktforschungsinstitut zur Verfügung stehende Infrastruktur können wir die geeigneten Testpersonen schnell und kostengünstig rekrutieren, so dass solche Tests kurzfristig durchgeführt werden.
Christian Jarchow, Head of Online Research, GfK
Im Kern hat sich unsere Methode der Usability-Forschung, die auf Einzelinterviews und der bewährten Methode des lauten Denkens beruht, in den letzten Jahren kaum verändert. Was sich jedoch verändert hat, ist die gewachsene Web-Kompetenz der Nutzer, denen heute komplexere Navigationsstrukturen zugemutet werden können, ohne dass jedoch die Basics der Webgestaltung - die auf wahrnehmungspsychologischen Gesetzmäßigkeiten und gelernten Webkonventionen beruhen - wie scanbarer Text, eindeutige Linkbezeichnungen oder ein funktionierender Zurück-Button vernachlässigt werden dürfen.
Jörg Fabert, Managing Director, GN Research Germany
Ungenutztes Potential liegt für die meisten Produktanwendungen noch bei der so realitätsnah wie möglich zu gestaltenden Testsituation in der natürlichen sozialen Umwelt der Probanden. Dabei ist unser Standpunkt Situationen zu testen, die bisher eher unbeachtet blieben, zum Beispiel der Moment, indem ein neues Gerät ausgepackt wird und zum ersten Mal eingeschaltet wird. Denn mittlerweile sind Produkte ja durchaus „vernetzt" oder stehen für einen gewissen Lifestyle. Damit ist die Methodik, die sinnvollerweise eingesetzt werden sollte, auch klar - nämlich echte „Feldforschung", wo sich Marktforschung wirklich physisch ins Feld begibt.
Florian Kerkau, Geschäftsführer Goldmedia Custom Research, Berlin
Die Aufgabe des Usability-Engineering besteht nicht nur darin, die kognitive Last des Nutzers zu minimieren, sondern auch die Wahrnehmung des Angebots beziehungsweise des Produktes so optimal zu modulieren, dass der zu erwartende Kundennutzen auf einem möglichst hohen Niveau deutlich wird. Deshalb verwendet Goldmedia auch eigene biometrische Messverfahren (Pupillometrie) in Usability-Tests.
Gábor Hahn, Senior Research Consultant, Harris Interactive
Auch jenseits des Internets besetzen interaktive Informations- und Kommunikationstechnologien immer neue Anwendungsbereiche in Alltag, Beruf und Freizeit. Diese erschließen nicht nur neue Marktsegmente, sondern zum Teil auch neue, bisher wenig technik-affine Konsumentengruppen. Entsprechend ist eine gelungene Usability - nicht nur von Webseiten sondern auch etwa von Mobiltelefonen oder Unterhaltungselektronik - für die jeweiligen Anbieter ein entscheidender Wettbewerbsvorteil.
Axel Dammler, Geschäftsführender Gesellschafter, iconkids & youth
Das Zauberwort für gute Usability ist Intuitivität: Der User weiß sofort, was er auf welche Weise zu tun hat. Voraussetzung dafür ist, dass das Interface mit Signalen kommuniziert, die der Anwender auch verstehen und decodieren kann. Wie das geht, lernt man am besten bei der Arbeit mit Kindern. Aufgrund ihres noch begrenzten Wissens funktionieren bei Kindern nur Signale, die direkt und vor allem eindeutig, also intuitiv verstehbar sind. Vielen Anwendungen, die in Kreativität und Schönheit sterben, wäre dieser kindliche Blick im Vorfeld zu wünschen gewesen.
Ilka Kuhagen, Qualitative Research Consultant, IKM München
Letztlich ist Usability-Forschung einfach die Erforschung der Nutzung und Handhabung, um Produkte - in diesem Fall die Website - zu optimieren. Durch genaue Beobachtung, aber auch Befragung zur Art, Zeitpunkt oder Umfeld der Nutzung können dem Designer wichtige Informationen zur Verbesserung an die Hand gegeben werden. Oft sind es ganz einfache Dinge, die erst bei der Verwendung durch einen „normalen Nutzer" offensichtlich werden.
Menno Smid, Geschäftsführung, Infas
Was kann man Kunden raten, wovor sollten sie sich hüten? Raten kann man zur Gründlichkeit und Forschungstiefe. Sicherlich kann ein schneller und günstiger Online-Usability-Test helfen, elementare Designfehler zu vermeiden. Das reicht aber inzwischen nicht mehr für ein erfolgreiches Produkt, ist eher eine Mindestanforderung. Um sich von der Konkurrenz abzuheben, muss ein Produkt eine Usability haben, die auch im Detail, in der Tiefe beim Nutzer keine offenen Fragen hinterlässt.
Matthias Hallmann Geschäftsleitung, Innofact
Häufig werden in Usability-Tests die Nutzungsstränge von der Startseite hin zu tief verborgenem Content überprüft. Ob die dort zu findenden Inhalte wirklich praxisrelevant sind, fragt sich indes kaum jemand. Um zielführende Usability-Tests durchführen zu können, sollten die tatsächlichen Bedürfnisse der Nutzer den Ausschlag geben und nicht theoretische Nutzungsszenarien. Ein Blick in die Auswertungen der Web-Analyse lässt häufig schon erkennen, wo sich die Nutzer bewegen und wofür sie sich interessieren. Dort gilt es zu forschen, ob das Gesuchte schnell und logisch nachvollziehbar gefunden wird, und falls ja, wie es dann gefällt.
Steffen Egner, Geschäftsführer MediaAnalyzer
Nur Webseiten mit einer guten Usability werden Nutzer an sich binden können. Und ebenso werden nur Webseiten überleben, die für ihre Betreiber einen echten Marketingeffekt aufweisen. Dabei müssen sich die Anforderungen an Usability und Werbewirkung keinesfalls widersprechen. Hier bietet sich der Einsatz neuer, ganzheitlicher Konzepte an, die Wahrnehmung, Handhabbarkeit und Werbewirkung integriert betrachten und integriert optimieren.
Fabian Fischer, Geschäftsführer, mediaman
Bei mediaman kombinieren wir Einzelinterviews, Eye-Tracking, Fokusgruppen, komparative Website-Tests, Experten-Evaluation und Tests auf Barrierefreiheit. Wichtig ist auch, von vornherein mit der Zielgruppen-Brille an Online-Projekte heranzugehen und nicht der Versuchung zu erliegen, die Struktur eines Unternehmens abzubilden - ein Fehler, der häufig gemacht wird.
Mirjam Fürtjes, Geschäftsführung, Mediascore
Für Unternehmen lohnt es sich, das Augenmerk auch auf die oft unterschätzten Basisfunktionen ihres Internetauftritts zu richten. Gerade Strukturierung und Aufbereitung der Suchergebnisse eröffnen leicht zu realisierendes Optimierungspotenzial, das mit Hilfe von Usability-Tests punktgenau identifiziert werden kann. Websurf-Capturing und Eye-Tracking-Analysen führen zu klaren Handlungsempfehlungen, die es unseren Kunden ermöglichen, mit wenig Aufwand den Erfolg ihrer Websites nachhaltig zu steigern.
Patrick Gallitz, Geschäftsführer, Mindfacts
Es besteht häufig die Annahme, Usability-Forschung beschränke sich ausschließlich auf Post-Messungen nach der Implementierung einer Website oder einzelner Funktionen. Der Einstieg in eine Zielgruppenanalyse ist jedoch jederzeit möglich, unabhängig von dem Entwicklungsstand einer Website. Mindfacts sieht daher in einer frühzeitigen Methodenberatung den Schlüssel zu einer effizienten und effektiven Website-Entwicklung oder -Überarbeitung.
Stefan Ruthenberg, Geschäftsführer, Mindline
Usability-Forschung im heimischen Umfeld (Remote Tests) wird zum bestimmenden Leitmotiv. Der Benefit von Remote Tests ist Repräsentativität durch hohe Fallzahlen und Authentizität durch natürliche Umfelder. Die Testobjekte sollten sich dabei den individuellen IT-Einstellungen der User anpassen und nicht umgekehrt. Mindline setzt daher auf den Mix-Approach CATIVISON. Der Kombi-Einsatz der Module CATI-Befragung, Surfaufgaben und Online-Selbstausfüller ermöglicht das genaue Verständnis der Userprobleme bei hohen Fallzahlen im natürlichen Nutzungsumfeld.
Herbert Höckel, Geschäftsführender Gesellschafter, mo'web
Welche Probleme ein Nutzer mit der Struktur und dem Design einer Webseite hat, kann er oft nicht auf Anhieb benennen. Da hilft es wenig, wenn man ihn selbst als das Problem hinstellt. Die Methodenauswahl muss eine genaue Beobachtung des Users während der Benutzung gewährleisten. Aus unserer Sicht ist genau dies Aufgabe der Usability-Forschung. Wenn sie mit Methoden wie Online-Befragung, Pop-Up-Befragung, Webtests (online sowie im Labor), Mouse-Tracking und Eye-Tracking arbeitet, gelingt es zuverlässig, die Motivationskiller, die in der Bedieneroberfläche lauern, dingfest zu machen.
Frank Müller, Geschäftsführender Gesellschafter, Müller Market Insight
Dass bei zunehmender Webseiten-Komplexität zugleich deren Qualität zugenommen hat, ist sicherlich auch der Forschung zu verdanken. Es gibt aber immer noch und immer wieder Websites, die eine Katastrophe sind, auf denen man sich nicht zurechtfindet, deren Navigation unklar ist oder der Seitenaufbau viel zu lange dauert. Man sollte sich davor hüten, den negativen Einfluss schlecht gemachter Websites zu unterschätzen. Qualitative Forschung in Verbindung mit entsprechender Software-Unterstützung liefert unserer Erfahrung nach die besten Erkenntnisse zur Optimierung von Websites.
Rafael Jaron, Geschäftsführer, Nordlight Research
Die Usability-Forschung steht stärker als andere Marktforschungsfelder vor der Herausforderung, konkrete Lösungsansätze für die Produktentwicklung zu liefern - vor allem, wenn sie als integraler Bestandteil im Entwicklungszyklus von Websites, speziellen Internet-Anwendungen oder anderen Produkten der „Mensch-Technik"-Interaktion verstanden wird. Der klassische Usability-Test im Labor erweist sich dabei immer noch als bevorzugter Analyseweg. Kein anderes Verfahren macht das konkrete Nutzungsverhalten und dessen mögliche „Fallstricke" so plastisch. Quantitative Befragungsansätze können demgegenüber oftmals nur Optimierungsvorschläge aus der „Vogelperspektive" liefern.
Thomas Knauer, Geschäftsführer, Nurago
Nutzertests elektronischer Interfaces finden meist im Usability-Lab mit Beobachtungsraum und Videoaufzeichnung statt. Im Gegensatz zur künstlichen Labsituation des klassischen Usability-Tests erfasst aber ein Remote-Test die Interaktion eines Nutzers beispielsweise mit einer Webanwendung in seiner natürlichen Umgebung - am PC zu Hause oder am Arbeitsplatz. Dies schafft ganz neue Einblicke auf den gesamten Nutzungsprozess, die tatsächliche „User Experience". Vor allem durch diese Verknüpfung unterschiedlicher Ansätze wie sie nurago mit LEOtrace® mitentwickelt hat: Befragung, Beobachtung und technische Messung - möglicherweise auch in Kombination mit bestehenden Webanalytics- Daten.
Gabi Baus, Inhaberin, pharma-insight
Im Gesundheitsmarkt ist die Nutzung der Usability-Forschung noch sehr unterschiedlich ausgeprägt. Pharmaunternehmen machen davon regen Gebrauch und meistern die Herausforderungen an die Gestaltung von Webseiten im Allgemeinen recht gut. Anders sieht es bei Krankenhäusern und Klinikdiensten aus. Die Website einer Klinik stellt für viele Patienten ein erstes Orientierungskriterium dar und genau hier hapert es bei vielen Kliniken noch erheblich. Für medizinische Laien verständliche Texte und eine übersichtliche Navigation, die nicht nur das Sprachgehirn sondern auch das Bildgehirn ansprechen, fehlen oftmals.
Daniel Schmeißer, Geschäftsführender Gesellschafter, phaydon research+consulting
Ob bei Internetseiten, Handys oder Küchengeräten - eine positive User Experience macht nicht nur Spaß, sondern stärkt die Markenbindung und dient zunehmend als Differenzierungsmerkmal in gesättigten Märkten. Für einen effizienten Kosteneinsatz empfehlen sich qualitative Ansätze in frühen Phasen der Produktentwicklung. Je weiter ausgearbeitet das Produkt ist, desto standardisierter lässt sich vorgehen. Die Herausforderung für die Zukunft wird es sein, Usability-Kriterien für verschiedene „Touchpoints" zu entwickeln und mit den bewährten Messverfahren für Kundenzufriedenheit und Markenimage in Verbindung zu bringen.
Melanie Schulz, Projektleiterin, promit
Customer Self Services (CSS) gewinnen als eigenständiger Vertriebskanal beispielsweise bei Energieversorgern zunehmend an Bedeutung. In geschlossenen Log-in-Bereichen werden Services wie An-, Ab- und Ummeldung, Zählerstandsmitteilung, Einsicht und Änderung persönlicher Daten und vieles mehr angeboten. Doch auch wenn nun fast alle Online-Services gebündelt in diesen Bereichen zu finden sind, zeigen sich immer Optimierungspotenziale. Daher spielen auch hier Userverhalten und -zufriedenheit eine wichtige Rolle. Um dies zu überprüfen, führt promit Befragungen registrierter CSS-User durch. Die User werden kontaktiert und können sich dann per Online-Fragebogen an der Umfrage beteiligen - mit einem Incentive als Dankeschön.
Stefanie Gauert, Projektmanagerin, Psychonomics
Der Nutzungskontext, das heißt die Bedeutung der einzelnen Websites im gesamten Informationsprozess, rückt immer stärker in den Vordergrund. Alternativ zu klassischen Usability-Tests gewinnt zum Beispiel Remote-Testing immer stärker an Bedeutung. Es geht nicht mehr nur um die Nutzung einer speziellen Website, sondern stärker auch um die Frage, von welchen Seiten die User kommen und wohin sie anschließend gehen. Nutzertests sind zudem ein fester Bestandteil bei der Entwicklung neuer Anwendungen geworden. Website-Prototyping, das heißt nutzerbasierte Evaluationen in Kombination mit Expertenmeinungen als kontinuierliche Prozessbegleitung, wird immer stärker nachgefragt.
Frank Knapp, Managing Director, Psyma Research+Consulting
Nutzungsprobleme müssen konkret nachvollzogen werden, um aus einem Usability-Test konkrete und relevante Handlungsempfehlungen ableiten zu können. Dazu ist nach wie vor der unmittelbare Austausch mit dem Nutzer im Rahmen eines qualitativen Face-to-face-Ansatzes die beste Lösung. Dies erfordert jedoch Experten in der Interviewführung. Auch können Nutzungs-, Blicksverlaufs- und Befragungsdaten optimal miteinander verknüpft werden. Bei Remote-Ansätzen ohne die Möglichkeit des „Nachhakens" beim Nutzer müssen die Ergebnisse dagegen im Nachhinein bewertet werden - Ursachenforschung und Handlungsempfehlungen sind daher oft ungenau.
Stephan Schmid, Geschäftsführer, Schmiedl Marktforschung
Usability-Testing stellt auch an Teststudios logistische Anforderungen hinsichtlich der technischen Ausstattung. Die klassische Audio- und Videoausstattung der Marktforschungsstudios kann diese Anforderungen nur ungenügend erfüllen. In den Teststudios der Schmiedl Marktforschung bieten wir daher eine spezielle Software, die eine Aufzeichnung und Übertragung der Aktivitäten am Monitor ermöglicht. Dadurch bieten wir unseren Institutskunden eine größere Flexibilität. Usability-Tests können regional gestreut außerhalb spezieller Labs durchgeführt werden, und der hierbei oftmals aufwändige Versand hochwertiger Hard- und Software entfällt.
Tobias Kroha, Geschäftsführer, seto GmbH
Der Trend geht klar in Richtung Interaktionsanalyse. Herkömmliche Webanalyse-Tools messen noch auf der Ebene von Seitenaufrufen. Die Mousetracking-Technologie ermöglicht es aber schon heute, Aussagen für jedes Element einer Einzelseite zu treffen. Welche Flächen werden wie oft mit der Maus berührt oder angeklickt? Wie tief haben die Nutzer gescrollt? Welche Seitenelemente oder Banner waren wie lange im sichtbaren Bereich des Bildschirms? Anhand dieser Informationen lässt sich feststellen, wie intensiv die Nutzer mit bestimmten Teilen einer Seite interagieren.
Tim Bosenick, Managing Director, Sirvaluse Consulting
Das „User Centered Design" zielt darauf ab, interaktive Produkte so zu gestalten, dass sie den Bedürfnissen der Nutzer entsprechen und über eine hohe Usability verfügen. Die Aufgaben, Ziele und Eigenschaften der zukünftigen Nutzer werden in den Mittelpunkt des Entwicklungsprozesses gestellt. So kann sichergestellt werden, dass organisatorische, technische und aufgabenspezifische Erfordernisse bei der Entwicklung eines interaktiven Produktes ausreichend berücksichtigt werden und das spätere Produkt die Nutzer optimal in ihrer Aufgabenbewältigung unterstützt. Dies wird erreicht durch eine detaillierte Betrachtung der Nutzer und ihrer Aufgaben. Die Methoden Persona, Nutzungsszenarien und Rapid-Prototyping bilden die Grundlagen für den „User Centered Design"-Prozess - und stellen den Nutzer in den Mittelpunkt des Produktentwicklungsprozesses.
Marcus Dreyer, Geschäftsführer, Skopos
Unsere Kunden haben bei der Entwicklung von Websites zunehmend das Thema Nutzerfreundlichkeit auf der Agenda. Auch wenn die umsetzenden Agenturen die von ihnen entwickelten Websites ungerne einem Usability-Test unterziehen lassen, so sind die Endkunden doch inzwischen sensibilisiert und setzen sich durch. Aber auch in anderen Bereichen, beispielsweise bei Bedienungsanleitungen im Automobilsektor, wird die Notwendigkeit eines Nutzungstests inzwischen klar gesehen und entsprechende Projekte werden aufgesetzt.
Matthias Reisemann, Leiter Anthropotechnik, Spiegel Institut
Ist gute Usability ein primärer Kaufgrund? Die Zunft der Usability-Ingenieure würde gerne diese Frage mit „Ja!" beantworten. Jedoch muss einschränkend gesagt werden: erst beim zweiten beziehungsweise Folgekauf. Kann man Usability daher vernachlässigen? Auf keinen Fall! An schlechtes Design gewöhnt man sich - in Maßen. Eine schlechte Bedienerführung ärgert bei jedem Gebrauch. Gute Bedienerführung ist ein wichtiges Kunden- und Markenbindungsinstrument. Kaufen Sie ein elektronisches Gerät wieder, das schlecht oder nur umständlich zu bedienen ist?
Anja Rau, Head of Insight, Syzygy
Es gibt nur einen wirklichen Experten, wenn es um die Usability eines Produktes geht: den Menschen, der dieses Produkt verwenden möchte. Darum gilt nicht nur im Web: testen, testen, testen. Wer aber bis zuletzt wartet und ein fertiges Produkt testet, verschenkt Zeit und Geld. Prototypentests erfordern eine etwas andere Infrastruktur, sind aber in der Regel nicht aufwändiger als übliche Produkttests. Dafür liefern sie Ergebnisse zu einem Zeitpunkt, zu dem Designänderungen nur geringe Zusatzkosten nach sich ziehen. Rechtzeitig eingeplant, steigern Prototypentests so die Produktqualität, ohne die Projektlaufzeit signifikant zu verlängern.
Rolf Kirchmair, Geschäftsführer, T.E.A.M. Institut
In einer Zeit, in der alles schnell, einfach und problemlos gehen muss, kommt der Produkthandhabung eine besondere Bedeutung zu. Usability-Forschung trägt hier wesentlich dazu bei, die Erfolgschancen eines Produktes zu erhöhen. Dabei ist es unerheblich, ob es um die Bedienungsfreundlichkeit eines Autos, um das Öffnen einer Verpackung oder um eine Website geht. Wichtig ist es in jedem Fall, dass die Handhabung in der realen Nutzungssituation durch teilnehmende Beobachtung überprüft wird: beim Auto während der Fahrt, bei der Verpackung in der häuslichen Konsumsituation und bei der Website während des konkreten Navigationsvorganges.
Robert Wieland, Geschäftsführer, TNS Infratest
Eine exzellente Internetpräsenz ist zum entscheidenden Erfolgsfaktor geworden. Der Einsatz neuer Technologien wie AJAX und Co. eröffnet Wettbewerbsvorteile durch verbesserte Funktionalitäten und Gestaltungsmöglichkeiten, birgt aber auch erhöhtes Fehlerpotenzial. Deshalb ist kontinuierliche und fundierte Website-Evaluation heute noch wichtiger als bisher. Die TNS-Lösungen geben Handlungsanweisungen zur Optimierung von Inhalten, Usability und Effektivität Ihrer Website. Bei TNS Infratest geht der Trend klar in Richtung strategische Website-Optimierung. Unsere neuesten Produkte liefern strategische Insights zum Beispiel zur Potenzialabschätzung neuer Themen und zur Erschließung neuer Zielgruppen.
Nicolas Pezzarossa, Geschäftsführer, Tobii Technology
Aus unserer Sicht ist generell die Kombination aus verschiedenen Methodologien das Erfolg versprechendste. Als Hersteller von Hard- und Software-Lösungen für die Aufzeichnung der Blickbewegungen liegt unsere Bemühung vor allem darin, eine innovative Technologie zu entwickeln und damit dem Markt eine äußerst leistungsfähige Methodologie zugänglich zu machen. Im Bereich der Web- und Software-Usability haben wir eine Tendenz gesehen, die sich auch auf wissenschaftlicher Ebene abzeichnet, dass sich mehr und mehr die Methode der Blickanalyse als Standard etabliert, aber auch, dass sich die Methodologie der „Retrospective Think Aloud" verstärkt durchsetzt, weshalb wir diese auch mit unserer Technologie gezielt unterstützen.
Ulrich van Douwe, Vocatus
Usability-Forschung ist keineswegs auf die Evaluation von Websites beschränkt! So führen wir zum Beispiel regelmäßig „Testlabs" für verschiedene, vorwiegend technische Produkte und Dienste durch. Nicht selten bringen Unternehmen aufgrund eines hohen Marktdrucks unausgereifte Produkte auf den Markt. Angesichts der Wettbewerbssituation kann sich das aber kein Anbieter erlauben - die Kosten, um den Imageschaden und den Vertrauensverlust auszubügeln, sind einfach zu hoch. Deshalb überprüfen Kunden in Testlabs die Produkte und Dienste über einen längeren Zeitraum vorab auf Herz und Nieren. Denn der tatsächliche Nutzer „tickt" ja oft ganz anders, als der Techniker, der das Produkt entwickelt hat.
Fachartikel
Ausgabe 4/2008, Seite 18
Artikelnummer: 08-04-18-1
Einfach, komfortabel und intuitiv
Usability-Forschung macht den Fortschritt bedienbar
Über den Erfolg von Produkten entscheidet letztlich der Kunde. Und wie er sich entscheidet, hängt nicht zuletzt davon ab, ob er das Gesuchte auf der Website findet oder das neue Handy auch bedienen kann - sprich: wie gut die Usability ist. Dies festzustellen und für die Entwicklung und Optimierung nutzbar zu machen, hat sich die Usability-Forschung auf die Fahnen geschrieben. Hier finden Sie Anbieter, Meinungen und Tipps zum Thema.
Kasten:
Warum Usability-Forschung?
Investitionen in Usability schaffen Wettbewerbsvorsprung - auch in neuen, weniger technik-affinen Zielgruppen. Denn gute Usability
Kasten:
Welche Methoden gibt es?
In der Usability-Forschung kommen vielfältige Methoden zum Einsatz. Generell gilt immer: Im Rahmen der technischen Möglichkeiten sollte der Proband möglichst wenig beeinflusst werden. Grundlegend lässt sich unterscheiden, ob in direktem Kontakt mit dem Probanden oder „remote" geforscht wird. Als Vorteil von Remote-Studien gilt, dass sie im heimischen, natürlichen Umfeld stattfinden und große, repräsentative Stichproben zu akzeptablen Kosten zu erzielen sind. Der direkte Kontakt andererseits ermöglicht gezieltes Nachhaken, unmittelbaren Austausch und auch aufwändigere Technik wie Eye-Tracking. Eine andere Methodengliederung unterscheidet Befragung, Beobachtung und technische Messung. Häufig ist eine Kombination verschiedener Methoden notwendig, um die Fragestellung adäquat zu lösen. Eine Auswahl:
Kasten:
Beachtenswert
Kasten:
Forschung und Designprozess
Warum Usability-Forschung?
Investitionen in Usability schaffen Wettbewerbsvorsprung - auch in neuen, weniger technik-affinen Zielgruppen. Denn gute Usability
- erhöht den Kundennutzen und schafft Mehrwert für den Kunden
- fördert Kundenzufriedenheit, Kundenbindung und Wiederkauf
- erhöht die Werbewirkung von Marketing-Websites
- sorgt beim entscheidenden ersten Eindruck dafür, dass der Kunde bleibt und nicht geht
- spart Kosten, wenn Kunden Dinge selbst machen (Customer Self Services)
Kasten:
Welche Methoden gibt es?
In der Usability-Forschung kommen vielfältige Methoden zum Einsatz. Generell gilt immer: Im Rahmen der technischen Möglichkeiten sollte der Proband möglichst wenig beeinflusst werden. Grundlegend lässt sich unterscheiden, ob in direktem Kontakt mit dem Probanden oder „remote" geforscht wird. Als Vorteil von Remote-Studien gilt, dass sie im heimischen, natürlichen Umfeld stattfinden und große, repräsentative Stichproben zu akzeptablen Kosten zu erzielen sind. Der direkte Kontakt andererseits ermöglicht gezieltes Nachhaken, unmittelbaren Austausch und auch aufwändigere Technik wie Eye-Tracking. Eine andere Methodengliederung unterscheidet Befragung, Beobachtung und technische Messung. Häufig ist eine Kombination verschiedener Methoden notwendig, um die Fragestellung adäquat zu lösen. Eine Auswahl:
- Qualitativ (Einzelinterviews, Methode des lauten Denkens)
- Teilnehmende Beobachtung im realen Umfeld • Eye-Tracking (Blickverlaufsmessung mit oder ohne Helm)
- Mousetracking/Klicktests (Areas-of-interest durch Mauspfade, Aussagen für Einzelelemente von Seiten, Sichtbarkeit, Scrollen)
- Website-Analysen mit Webcontrolling-Software
Kasten:
Beachtenswert
- Bei der Wahl der Methoden nach der Problemstellung richten
- Starre Orientierung an bestimmten technischen Möglichkeiten vermeiden (Gefahr, Aspekte auszublenden, nur weil die gewählte Methode sie nicht erfasst)
- Trotz neuer technischer Möglichkeiten und Web 2.0: Basisfunktionen nicht unterschätzen (etwa die immer wichtiger werdende Freitextsuche und ihre Ergebnisdarstellung)
- Gerade bei kostspieligen Features zwischen „must have" und „nice to have" unterscheiden
- Das ganzheitliche Nutzer-Erleben in den Fokus stellen
Kasten:
Forschung und Designprozess
- Den Nutzer und seine Vorstellungen in den Mittelpunkt des Designprozesses stellen
- Im Verlauf der Entwicklung wiederholt evaluieren, damit nicht am User vorbeientwickelt wird
- Schon in möglichst frühen Phasen einer Entwicklung evaluieren (hier sind Änderungen noch nicht so kostenträchtig)
- Projekt-Entwickler mit einbeziehen (sensibilisiert und schafft Akzeptanz)
- Nicht theoretische Nutzungsszenarien von tief verborgenem Content, sondern tatsächliche Bedürfnisse untersuchen und entsprechend optimieren
- Forschungsdesign für konkrete Lösungsansätze entwickeln
