RR: Herr Franke, mit Real-time Market Research orientieren Sie sich an der Methodik der erweiterten Netnografie. Dieses Verfahren wird inzwischen aber auch von anderen Instituten angeboten. Worin unterscheiden Sie sich von der Konkurrenz?

Franke
: Mit Real-time Market Research sind wir in der Lage, innerhalb von 24 Stunden relevante Daten zu erheben. An zweiter Stelle steht unsere eigene Crawler-Technologie, die wir nun schon seit zehn Jahren optimieren. Unsere Mitbewerber greifen bei ihrer Research-Arbeit meist auf externe Crawleranbieter, wie Technorati, Google oder Icerocket zurück. Unsere eigene Crawlertechnologie ist, im Gegensatz zu den externen BlogCrawlern, auch in der Lage, Online-Forenbeiträge zu erfassen und auszuwerten. Unserer Erfahrung nach greift ein Ansatz, der sich nur auf Weblogs beschränkt, zu kurz. Die direkten Diskussionen zwischen den Konsumenten in Online-Foren haben eine mindestens genauso hohe Relevanz für die Marktforschung wie Blogbeiträge. Ein weiterer Unterschied zu unseren Mitbewerbern ist der multilinguale Ansatz. Unsere Technologie ermöglicht eine netnografische Erhebung von Daten auch in englischen, französischen, spanischen, chinesischen und russischen Kommunikationskanälen der nutzergenerierten Medien. Angefangen von der Zielgruppenanalyse über die Erfolgsmessung von Marketingkampagnen bis zur Produktoptimierung sind die Ergebnisse einer Netnografie mittlerweile ein sehr effizientes Marktforschungsinstrument.

RR
: In welchen Bereichen lässt sich Netnografie am besten einsetzen?

Franke: Mittlerweile gibt es für fast alle Produkte und Dienstleistungen im Internet Kommunikationsplattformen. Die Kommunikationsangebote werden immer stärker von Konsumenten zur Informationssuche und als Empfehlungskanäle genutzt. Diese Entwicklung wird sich sicherlich noch weiter verstärken. Täglich suchen unzählige Konsumenten nach Produkten im Netz und kommunizieren darüber online. Dabei entsteht eine gewaltige Menge an Meinungen zu fast allen Warengruppen, die darauf warten, ausgewertet zu werden. Sicherlich gibt es bei den Konsumenten Produktpräferenzen bei ihrer Suche im Netz, wie der Bereich der Consumer Electronics. Wir können aber seit geraumer Zeit einen enormen Zuwachs an Meinungsäußerungen - sogenannter Buzz - in vielen anderen Produktgruppen feststellen. Von Finanzdienstleistungen über pharmazeutische Erzeugnisse bis hin zu Autozubehör - thematisch gibt es bei einer netnografischen Erhebung kaum eine Begrenzung.

RR: Wo zum Beispiel haben Sie das Verfahren bereits erfolgreich eingesetzt?

Franke: Spontan fällt mir ein Projekt für einen Mobiltelefon-Hersteller ein. Aufgabe war es, die Konsumentenmeinungen zu einem bestimmten Gerät in fünf verschiedenen Ländern zu evaluieren. Die von uns erhobenen Daten haben gezeigt, welche spezifischen Anforderungen die verschiedenen Märkte an Mobiltelefone haben. Für die deutschen Konsumenten etwa stand das Thema Design im Vordergrund, für die britischen Mobiltelefonierer war das Thema UMTS bei der Kaufentscheidung am wichtigsten. Für ein anderes Projekt hat uns ein Kunde aus dem Finanzsektor gebeten, den Consumer Buzz und die Markenpositionierung seiner Produkte auf dem Markt zu ermitteln. Dieser Kunde beauftragte uns zudem, seine Marketingkampagne und ihren Erfolg in den nutzergenerierten Medien zu überprüfen. Der Kunde konnte durch die erhobenen Consumer Insights die Marktsituation entscheidend besser einschätzen und neue Marketing-Tools zielgruppenspezifischer einsetzen.

RR: Wie wird sich die Netnografie langfristig entwickeln?

Franke: Die Wachstumsraten der Internetnutzer in Deutschland zeigen steil nach oben; mittlerweile sind über 40 Millionen Deutsche online. Die Kanäle der nutzergenerierten Medien etablieren sich immer mehr zu einem festen Forum des Informationsaustauschs. Die nachkommende Generation wird diesen Trend sicherlich noch deutlich verstärken. Dadurch entsteht ein immer größerer Pool an Konsumentenmeinungen, die mit Hilfe der Netnografie ausgewertet werden können. Nicht nur aus diesem Grund wird sich die Marktforschung 2.0 mittelund langfristig immer mehr als eine feste Größe innerhalb der Marktforschung etablieren.

RR
: Das heißt, die Chancen der Netnografie sind grenzenlos?

Franke
: Es gibt eigentlich nur eine Grenze für die Netnografie: den Offline-Bereich. Für die klassische Marktforschung wird es immer schwieriger, sich dem Konsumentenverhalten anzupassen. Kaufentscheidung werden immer öfter in Online-Foren und Communities getroffen. Durch die rasante Veränderung der gesellschaftlichen Kommunikationsstrukturen erweitern sich die Grenzen unseres Ansatzes kontinuierlich.