RR: Sie haben einmal die Umfirmierung von MediaTransfer zu Harris Interactive als Teil einer globalen Harmonisierungsstrategie bezeichnet. Wie muss man sich das vorstellen?

Terhanian: Unsere Kunden bestärken uns darin, unser Portfolio ständig zu erweitern. Sie haben daran Interesse, weil wir ihnen Befunde, Analysen und Erkenntnisse bieten, die ihnen einen deutlichen Wettbewerbsvorteil verschaffen. Um diese Expansion zu unterstützen, setzen wir einen Harmonisierungsplan um, der unsere besten Produkte, Standards, Systeme und unsere Art zu Denken überall dort umsetzt, wo sie gebraucht werden.

Die gerade erfolgte Umbenennung von MediaTransfer Netresearch & Consulting ist Teil dieses Plans, der unser organisches Wachstum beschleunigen wird. Wir werden weiterhin in anderen europäischen Ländern nach Akquisitionspartnern suchen. Firmen mit einer starken Perspektive, hervorragenden Mitarbeitern mit einem gründlichen Verständnis der Kundenerwartungen und der Chancen des Internets für die Marktforschung sind für uns am interessantesten.

RR: Können Sie konkrete Beispiele für den Nutzen dieser Harmonisierung nennen?

Rodenhausen: Wir teilen mit Harris Interactive seit langem die Einschätzung, dass Online-Marktforschung neue Möglichkeiten bietet und in vielen Bereichen die Zukunft ist. Media-Transfer Netresearch & Consulting hat seit Jahren einen Online-Umsatzanteil von mehr als 90 Prozent, aber man kann natürlich nicht alles online machen. Bisher fehlten uns dazu manchmal die eigenen Ressourcen. Als Teil von Harris Interactive haben wir sie jetzt.

RR: Und wie werden Sie diese Ressourcen nutzen?

Rodenhausen: Wir können beispielsweise neue Online-Tools an klassischen Methoden validieren. Nehmen Sie unseren virtuellen Regaltest, den wir hier in Deutschland entwickelt und für die wichtigsten europäischen Märkte validiert haben. Unsere Kunden möchten dieses Verfahren auch in anderen Teilen der Welt einsetzen, und Harris Interactive kann in Kürze überzeugende Validitätsbefunde dafür vorlegen - ohne den Zusammenschluss hätten wir das in den USA oder Asien nicht ohne weiteres geschafft.

Ein weiteres Beispiel: Nestlé produziert weltweit in mehr als 80 Ländern; Europa trägt dabei nur noch wenig mehr als ein Drittel zum Konzernumsatz bei. Deshalb ist es notwendig, die lokalen Märkte genau zu kennen, wenn man für solche Kunden arbeiten möchte. Gleichzeitig ist aber auch die eben erwähnte Einhaltung weltweit einheitlicher Forschungsstandards wichtig. Harris Interactive ist so organisiert, dass globale Standards und lokale Marktkenntnis zu wettbewerbsrelevanten Erkenntnissen für unsere Kunden verdichtet werden.
Auch bei internationalen Online-Access-Panels ist Wissens-Transfer unerlässlich. Wir sind überzeugt, dass wir das größte Online-Panel weltweit zur Verfügung haben. Aber nicht nur das: Wir haben auch Experten, die sich ausschließlich um die nachhaltige Loyalität unserer Panel-Teilnehmer, um ihre Motivation und ihre Antwortbereitschaft kümmern. Nur so können wir unseren Kunden zuverlässige und belastbare Befunde liefern. Media-Transfer Netresearch & Consulting hat bisher die Messlatte für Qualität im Panelmanagement hoch gelegt, jetzt bringen wir beides zusammen, um noch mehr zu bieten.

RR: Was ändert sich organisatorisch durch die Übernahme?

Terhanian: Ein wichtiger Baustein unserer Strategie ist, in Deutschland unsere Kundenbasis und unseren Marktanteil zu vergrößern. Erfolg in Deutschland ist für Erfolg in Europa unerlässlich. Natürlich wissen wir, dass in Deutschland Marktforschungsfirmen mit großer Erfahrung operieren. Wir sind aber sehr zuversichtlich, dass wir Erfolg haben werden.

Wir haben eine hervorragende Führungsmannschaft, exzellente Mitarbeiter und bisher schon ein starkes Wachstum über Jahre hinweg.
Deshalb haben wir nicht vor, die Struktur von MediaTransfer zu ändern. Im Gegenteil: Wir werden alles tun, um diese Struktur zu stärken und auszubauen, um das Wachstum noch zu beschleunigen. Dazu gehört übrigens, dass wir es unseren deutschen Mitarbeitern ermöglichen, eine Zeitlang in Großbritannien, Frankreich oder anderen Teilen der Welt, in denen Harris Niederlassungen hat, zu arbeiten, um den Wissensaustausch und eine enge Zusammenarbeit zu fördern. Das gilt natürlich umgekehrt auch für Mitarbeiter, die eine Zeitlang in Deutschland arbeiten möchten.

RR: Harris Interactive ist zwar global gesehen eines der großen Marktforschungsunternehmen, aber in Deutschland bisher noch nicht stark in Erscheinung getreten. Wie wollen Sie das ändern?

Rodenhausen: Die Umbenennung von MediaTransfer zu Harris Interactive war der Startschuss für eine Marketinginitiative, die den Wechsel allgemein bekannt und verständlich macht und durch eine Werbekampagne flankiert wird. Von zentraler Bedeutung ist natürlich unsere Präsenz bei der Research & Results Marktforschungsmesse in München, wo wir unser erweitertes Angebot einem breiten Publikum von Kunden und Interessenten präsentieren werden.

Aber unser Zusammenwachsen mit der Harris-Interactive-Familie bietet noch mehr Gelegenheiten, die Aufmerksamkeit für Harris Interactive, gerade in Deutschland, zu steigern. Hier möchte ich im europäischen Rahmen die enge Zusammenarbeit von Harris Interactive mit der Financial Times nennen, unsere langjährige Erfahrung mit dem NetObserver, einer Studie unter europäischen Internet-Nutzern und den Ruf, den sich Harris mit der strategischen Beratung von amerikanischen Präsidenten, britischen Premierministern und von einigen der bekanntesten Marken weltweit erworben hat.

RR: Wo sehen Sie Wachstumschancen in Deutschland?

Rodenhausen: Wir Deutschen sind ja bekannt für unsere Ingenieursleistungen und für unsere Autoindustrie und alles, was damit zusammenhängt. Harris Interactive hat große Erfahrung und eine lange Tradition in diesen Bereichen. Wir haben jetzt ein wesentlich breiteres Angebot als zuvor, beispielsweise bei der Kundenzufriedenheitsmessung und neuen qualitativen Techniken. Und natürlich hat Harris Interactive jetzt auch deutsche Mitarbeiter vor Ort, die das alles in den deutschsprachigen Märkten umsetzen können.

RR: Welche Auswirkungen hat die Übernahme für Sie persönlich?

Rodenhausen: Wir reisen beide mehr ...

Terhanian: ... und freuen uns, dass die Familie größer geworden ist.