Die Zeiten, in denen Feldarbeit mit viel Motivation und geschickter Interviewersteuerung zu bewerkstelligen war und sich ausschließlich auf die Durchführung von Interviews in üppigen Zeitfenstern mit Standardquoten bezog, sind wohl endgültig vorüber. Heute sind Feldstudien komplexer, spezieller und regelmäßig mit engen Zeitfenstern versehen.
Im „Gabler Lexikon Marktforschung" ist als Definition der Feldarbeit zu lesen: das Arbeiten „im Felde", „d. h. das Datenmaterial für die durch Forschungsinstitute nach wissenschaftlichen Gesichtspunkten konzipierte Marktforschungsstudien" zu „sammeln". Voraussetzung für die erfolgreiche und qualitativ hochwertige Durchführung von Feldstudien sind leistungs- und tragfähige Strukturen. Dabei ist es nicht ausreichend, eine möglichst große Datei mit qualifizierten und geschulten Interviewern sein eigen zu nennen - das Ganze muss auch im Kontext der Vorgaben von Auftraggebern und Instituten und insbesondere deren Erwartungshaltungen funktionieren.
Tragfähige Strukturen
Wie muss eine solche Struktur aussehen? Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Organisation ist, dass sämtliche Teilnehmer die Strukturen und die Prozesse kennen - will sagen, dass alle Teilnehmer am System in die Prozesse eingewiesen und geschult sind. Da sich die Anforderungen an das gesamte System oder seine einzelnen Teile immer wieder einmal ändern, müssen die Strukturen flexibel und ausbaufähig angelegt sein. Es ist extrem wichtig, dass es für Änderungen und Erweiterungen ein funktionierendes Kommunikationssystem etwa in Form eines Intranets gibt. Störungen im System - und damit Leistungs- und Qualitätsverlust - treten immer dann auf, wenn aktuelle Änderungen nur den direkt Betroffenen und nicht dem gesamten System kommuniziert werden.
Die Abbildung gibt eine Übersicht der Struktur einer Feldorganisation. Auch für einen weniger mit Feldleistungen vertrauten Betrachter ergibt sich aus dieser Darstellung eine nachvollziehbare Logik. Es sei angemerkt, dass bei der Entwicklung der Gesamtstruktur der Krämer Marktforschung die professionelle Hilfe der Münsteraner Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft Wirth & Collegen in Anspruch genommen wurde. Auf die gesamte Struktur einzugehen, würde das Maß dieses Artikels sprengen. Einige exemplarische Anmerkungen zu den Bereichen Controlling, Marketing und Back-Office finden sich in den entsprechenden Kästen. Nicht zu vergessen ist, dass all dies mit sämtlichen Tätigkeitsbereichen der Gesamtorganisation abgestimmt sein muss. An dieser Stelle sei mit aller Deutlichkeit angemerkt, dass die Struktur kein reines People-Business ist, sondern nur in Kombination mit einer ausgezeichnet abgestimmten IT-Struktur funktioniert.
Und warum wird dieser nicht unbeträchtliche Aufwand betrieben? Zum einen sind die Anforderungen auch in den anderen zu Marktforschung, Marketing und Werbung gehörenden Bereichen gestiegen. Zum anderen hat sich die Erwartungshaltung der Kunden und Auftraggeber in den letzten Jahren deutlich gewandelt. Die Wertigkeit von Feldorganisationen hat sich aus Sicht der Auftraggeber wesentlich gesteigert. Gleichzeitig ist aber auch die Erwartungshaltung der Kunden an die Leistungsfähigkeit von Feldorganisationen im Hinblick auf eine größere Wertschöpfungstiefe gestiegen. Fazit: Um dem zu entsprechen, sind neben einer qualifizierten und motivierten Personaldecke insbesondere umfangreiche, flexible und effiziente Strukturen erforderlich. Sie umzusetzen und voranzutreiben muss Chefsache sein!
Fachartikel
Ausgabe 3/2007, Seite 34
Artikelnummer: 07-03-34-1
Wohl bestellt
Zeitgemäße Organisation von Feldarbeit
Damit ein Feldunternehmen den heutigen Ansprüchen von Instituten und Endkunden gerecht wird, bedarf es mehr als nur gut geschulter Interviewer. Zeitgemäße Organisationsstrukturen schildert Michael Krämer am Beispiel seines Unternehmens.
Kasten:
Back-Office
Keine Firmenleitung, kein Vertrieb, keine Produktion ohne Back-Office! Beim Back- Office-Manager, dem Sekretariat, den Assistenten der Geschäftsleitung laufen rein operativ alle Fäden zusammen. Egal ob es um interne Abläufe geht, um allgemeine Einkaufsaktivitäten oder um die Vorbereitung von großen oder richtungsweisenden Entscheidungen in Bereichen wie Fuhrpark, Telefonprovider, Facility-Management (weltweit), IT- und Softwarebeschaffung - immer ist die Manpower aus dem Back-Office unabdingbar. Dabei steht ähnlich wie beim Controlling auch hier ab einem bestimmten Volumen der vorbereitende Charakter im Vordergrund.
Gerade in diesem Bereich ist es zwingend nötig, neben den erforderlichen technischen Voraussetzungen für ausreichend qualifiziertes Personal zu sorgen. Im Folgenden seien am Beispiel der Krämer Marktforschung einige Zahlen dazu genannt, was im Jahre 2006 über das Back-Office bewegt wurde: 1636 Interviewer in 9178 Einsätzen im Feld, 140.000 Telefonagenten-Stunden, über 200.000 Euro Telefongebühren, über 4500 PKW-Miettage mit über 1,5 Millionen gefahrenen Kilometern sowie über 1200 Hotelanmietungen.
Kasten:
Controlling
Im Geiste der „Münsteraner Schule" der Professoren Heribert Meffert und Klaus Backhaus vom Marketing Center Münster sei Controlling als Lieferant von Informationen für die Geschäftsleitung zur Steuerung des Unternehmens verstanden. Controller verfügen über die Gabe, Sachverhalte unter Außerachtlassung von emotionalen Belangen zu betrachten und zu werten - auch wenn dies, von der personal-sozialen Seite betrachtet, gelegentlich gewöhnungsbedürftig ist.
Das Controlling ermöglicht, den Status der laufenden Studien extrem zeitnah zu betrachten. Das bedeutet bei Telefon- und Onlinestudien: zu jeder Zeit; bei Feldprojekten und Studiotests: regelmäßig am Vormittag des Folgetages. Die Daten beinhalten nicht nur die Anzahl realisierter Interviews, sondern auch die Anzahl eingesetzter Interviewer, Kontakter, Ausschöpfung, Betrachtung von Inzidenzen, eingesetzte Technik, Telefonkosten, Aufwand für den Einsatz von Fahrzeugen und vieles mehr.
Grundlage für das Gelingen ist natürlich ein umfangreiches EDV-System aus einem Performance-Management-Tool wie „Hyperion" und einem über funktionierende Schnittstellen angebundenen, für die speziellen Anforderungen einer Feldorganisation entwickelten Programm. Ein solches System funktioniert nur - ich denke diese Erfahrung haben wir alle schon leidvoll gemacht -, solange wirklich alle Beteiligten stündlich beziehungsweise täglich ihre Daten einarbeiten.
Vorteil dieser aufwändig eingeführten Struktur ist eine permanente, auch qualitative Betrachtung der Studie, so dass im Bedarfsfall schon während der Feldzeit reagiert und gegengesteuert werden kann. Es handelt sich dabei keineswegs um Selbstzweck oder Technikverliebtheit. Eine derartig professionelle Handhabung entspricht vielmehr der Erwartungshaltung der Auftraggeber und ist zwingende Voraussetzung, um in der heutigen Zeit Feldprojekte qualitativ hochwertig, in-time und zu fairen Preisen abzuwickeln.
Kasten:
Marketing
Es erhebt sich die Frage, ob Marketing nicht eher etwas für Unternehmen mit einer klassischen B2C-Konstellation oder dem großen Themenbereich „Marke" ist. Die Antwort ist klar: „NEIN!" Auch eine Feldorganisation muss in den Fachmedien (weltweit!) werben, steht permanent in Kommunikation mit bestehenden und potenziellen, nationalen und internationalen Kunden (CRM-System), bewegt sich in Verbänden, auf Messen und Konferenzen, ist regional aktiv und führt Veranstaltungen im kulturellen, sportlichen und gesellschaftlichen Bereich für und mit Mitarbeiten durch.
Und wo steht eigentlich geschrieben, dass nicht auch eine Feldorganisation „Marke" sein kann. Wichtig ist dabei, dass der Bereich Marketing eine eigene Struktur in der Gesamtorganisation hat und nicht nebenbei, sozusagen bei Gelegenheit, von der Geschäftsführung übernommen wird. Die Struktur umfasst dabei neben den technischen Voraussetzungen in Form von geeigneten EDV-Programmen und einem funktionierenden Back-Office eine verantwortliche qualifizierte Person, die das Thema Marketing hauptverantwortlich betreut und vorantreibt. Da Marketing im Wesentlichen mit Kommunikation zu tun hat, ergibt sich dabei für Kunden wie für die Feldorganisation eine Win-Win-Situation.
Back-Office
Keine Firmenleitung, kein Vertrieb, keine Produktion ohne Back-Office! Beim Back- Office-Manager, dem Sekretariat, den Assistenten der Geschäftsleitung laufen rein operativ alle Fäden zusammen. Egal ob es um interne Abläufe geht, um allgemeine Einkaufsaktivitäten oder um die Vorbereitung von großen oder richtungsweisenden Entscheidungen in Bereichen wie Fuhrpark, Telefonprovider, Facility-Management (weltweit), IT- und Softwarebeschaffung - immer ist die Manpower aus dem Back-Office unabdingbar. Dabei steht ähnlich wie beim Controlling auch hier ab einem bestimmten Volumen der vorbereitende Charakter im Vordergrund.
Gerade in diesem Bereich ist es zwingend nötig, neben den erforderlichen technischen Voraussetzungen für ausreichend qualifiziertes Personal zu sorgen. Im Folgenden seien am Beispiel der Krämer Marktforschung einige Zahlen dazu genannt, was im Jahre 2006 über das Back-Office bewegt wurde: 1636 Interviewer in 9178 Einsätzen im Feld, 140.000 Telefonagenten-Stunden, über 200.000 Euro Telefongebühren, über 4500 PKW-Miettage mit über 1,5 Millionen gefahrenen Kilometern sowie über 1200 Hotelanmietungen.
Kasten:
Controlling
Im Geiste der „Münsteraner Schule" der Professoren Heribert Meffert und Klaus Backhaus vom Marketing Center Münster sei Controlling als Lieferant von Informationen für die Geschäftsleitung zur Steuerung des Unternehmens verstanden. Controller verfügen über die Gabe, Sachverhalte unter Außerachtlassung von emotionalen Belangen zu betrachten und zu werten - auch wenn dies, von der personal-sozialen Seite betrachtet, gelegentlich gewöhnungsbedürftig ist.
Das Controlling ermöglicht, den Status der laufenden Studien extrem zeitnah zu betrachten. Das bedeutet bei Telefon- und Onlinestudien: zu jeder Zeit; bei Feldprojekten und Studiotests: regelmäßig am Vormittag des Folgetages. Die Daten beinhalten nicht nur die Anzahl realisierter Interviews, sondern auch die Anzahl eingesetzter Interviewer, Kontakter, Ausschöpfung, Betrachtung von Inzidenzen, eingesetzte Technik, Telefonkosten, Aufwand für den Einsatz von Fahrzeugen und vieles mehr.
Grundlage für das Gelingen ist natürlich ein umfangreiches EDV-System aus einem Performance-Management-Tool wie „Hyperion" und einem über funktionierende Schnittstellen angebundenen, für die speziellen Anforderungen einer Feldorganisation entwickelten Programm. Ein solches System funktioniert nur - ich denke diese Erfahrung haben wir alle schon leidvoll gemacht -, solange wirklich alle Beteiligten stündlich beziehungsweise täglich ihre Daten einarbeiten.
Vorteil dieser aufwändig eingeführten Struktur ist eine permanente, auch qualitative Betrachtung der Studie, so dass im Bedarfsfall schon während der Feldzeit reagiert und gegengesteuert werden kann. Es handelt sich dabei keineswegs um Selbstzweck oder Technikverliebtheit. Eine derartig professionelle Handhabung entspricht vielmehr der Erwartungshaltung der Auftraggeber und ist zwingende Voraussetzung, um in der heutigen Zeit Feldprojekte qualitativ hochwertig, in-time und zu fairen Preisen abzuwickeln.
Kasten:
Marketing
Es erhebt sich die Frage, ob Marketing nicht eher etwas für Unternehmen mit einer klassischen B2C-Konstellation oder dem großen Themenbereich „Marke" ist. Die Antwort ist klar: „NEIN!" Auch eine Feldorganisation muss in den Fachmedien (weltweit!) werben, steht permanent in Kommunikation mit bestehenden und potenziellen, nationalen und internationalen Kunden (CRM-System), bewegt sich in Verbänden, auf Messen und Konferenzen, ist regional aktiv und führt Veranstaltungen im kulturellen, sportlichen und gesellschaftlichen Bereich für und mit Mitarbeiten durch.
Und wo steht eigentlich geschrieben, dass nicht auch eine Feldorganisation „Marke" sein kann. Wichtig ist dabei, dass der Bereich Marketing eine eigene Struktur in der Gesamtorganisation hat und nicht nebenbei, sozusagen bei Gelegenheit, von der Geschäftsführung übernommen wird. Die Struktur umfasst dabei neben den technischen Voraussetzungen in Form von geeigneten EDV-Programmen und einem funktionierenden Back-Office eine verantwortliche qualifizierte Person, die das Thema Marketing hauptverantwortlich betreut und vorantreibt. Da Marketing im Wesentlichen mit Kommunikation zu tun hat, ergibt sich dabei für Kunden wie für die Feldorganisation eine Win-Win-Situation.
