Marktforschung im Studio bietet die Gelegenheit, dem Konsumenten so nahe zu kommen, wie in kaum einer anderen Erhebungsform. Die - häufig nur durch einen Einwegspiegel gefilterte - Unmittelbarkeit und Schnelligkeit scheint für die Endkunden aus Industrie, Medien und Agenturen denn auch eine wesentliche Rolle zu spielen.
Christian Börner ist bei der Agentur Universal McCann in Frankfurt für die qualitative Forschung zuständig: „Für Universal McCann ist es wichtig, dass alle Entscheider in der Agentur und beim Kunden diese Erfahrung mitmachen." Auch Katrin Weber von der Marktforschung der Deutschen Telekom stellt fest: „Wir nehmen regelmäßig teil, um uns, Management und Kollegen einen Eindruck der Interviews zu verschaffen." Bei Kamps Brot- und Backwaren ist man stets in unterschiedlicher Besetzung präsent - neben der Marktforschung auch Produktverantwortliche und das Category Management. Oft vier bis fünf Personen oder sogar mehr sind nach den Worten von Katrin Friedrichs von Seiten des Lübecker Kunden Campbells' im Studio. Bei der auf Corporate Publishing spezialisierten wdv-Gruppe ist für die als Beobachter teilnehmenden Kunden und Redakteure „das direkte Feedback zum Heft von besonderem Interesse, um das Heftkonzept weiter zielgruppenspezifisch optimieren zu können", berichtet Marktforschungsleiter Markus Käppeler.
Bei der Auswahl der Studios ist die Einflussnahme der Endkunden offenbar unterschiedlich direkt. Dieter K. Müller, in der Geschäftsleitung von AS&S, dem Werbe-Vermarkter der ARD, für Forschung verantwortlich, überlässt diese Aufgabe meistens den Instituten - im Rahmen klarer Anforderungen. „Die Auswahl der Studios erfolgt gemäß unseren Vorgaben über die durchführenden Marktforschungsinstitute", beschreibt auch Stefan Klafak, der bei Kamps auch für die Marktforschung zuständige Category Manager, den Prozess. Bei der wdv-Gruppe in Bad Homburg dagegen nutzt man Studios auch ohne zwischengeschaltetes Institut. „Die Lesergruppenbefragungen werden vom wdv-eigenen Marktforscher moderiert", berichtet Käppeler. Auch bei Universal McCann, wo es häufig um das spezielle Thema Mediennutzung geht, wird in der Regel selbst moderiert. Thomas Freier bei MPG Media Planning in Frankfurt für Consumer Insights verantwortlich, greift ebenfalls direkt auf Teststudios zu. „Wichtig hierbei ist die Flexibilität in der Anmietung von GD-Räumen und die methodisch saubere Rekrutierung der Probanden", betont Freier.
Saubere Rekrutierung im Mittelpunkt
Damit spricht er eines der ganz zentralen Kriterien für die Auswahl von Studios an. „Bezüglich der Feldarbeit erwarten wir insbesondere eine äußerst saubere Rekrutierung", formuliert es Siegbert Schüler, Customer and Consumer Insights Manager bei Campbells'. „Dies ist unbestritten auch das wichtigste Kriterium", pflichtet ihm Michael Burst, Forschungschef bei MediaLogics in Düsseldorf bei, denn letztendlich hänge die Qualität der gesamten Studie davon ab und nicht etwa von der Größe des Empfangsraumes oder den Catering-Qualitäten. Auch Ute Haas, Marktforschungsleiterin bei der Augsburger Verlagsgruppe Weltbild, meint: „Wichtiger als ein repräsentativer Eingang oder schicke Möbel ist mir die exakte und ehrliche Erfüllung der Quotenvorgaben." Dafür sei die Lage des Studios enorm wichtig.
Axel Baumann, der bei der ZMG (Zeitungs Marketing Gesellschaft) in Frankfurt die Forschungsabteilung leitet, zählt einige weitere wesentliche Punkte auf: eine qualifizierte, ausreichend große Datenbank, maßvoller Umgang mit Incentives, das Aussondern von „Berufs-Probanden". Für Dieter K. Müller ist eine Überrekrutierung wichtig, „um in kritischen Fällen Probanden (möglichst dezent) austauschen zu können". Zugleich habe er meist umfangreiche Rekrutierungsvorgaben - und dennoch: „Sowohl die demografischen Merkmale wie auch andere Vorgaben, die zum Beispiel Fernsehgewohnheiten und Teilnahmefrequenz betreffen, müssen unbedingt eingehalten werden". Gegebenenfalls greift Müller auch direkt vor Ort noch ein.
Ausstattung muss sein
Je nach dem, welche spezifischen Aufgaben gelöst werden müssen, spielen bestimmte technische Ausstattungsmerkmale eine Rolle. Für den Backwaren-Spezialisten Klafak sind das unter anderem Platzierungsmöglichkeiten im Handelsregal oder Degustationsräume. „Insbesondere für kreative Gruppen benötigt man das eine oder andere Zusatzelement wie Stellwände, dies muss ein Studio zumindest auf Anfrage realisieren können", meint Laura Reimchen von MediaLogics. Für Marco Koch, Manager Strategic Marketing Research bei Merz Pharmaceuticals in Frankfurt, spielen internationale Studien eine große Rolle. „Gemeinsame Simultanübersetzung durch zwei Dolmetscher - für Moderator und Befragten - oder das Angebot eines Online-Videostreamings zur Minimierung von Reisekosten" seien dabei für die Studio-Auswahl wesentlich. „Solche nützlichen Services sind in einigen Ländern schon Standard, bieten in Deutschland aber durchaus noch Differenzierungsmöglichkeiten", gibt Koch den Anbietern mit auf den Weg.
Aufzeichnungen in höchster Qualität stellen einen essentiellen Bestandteil der Studioforschung dar. „Zur Auswertung ist ein Mitschnitt der Befragungen in guter Ton- und Bildqualität sowie die Protokollierung aller relevanten Aussagen der Diskussionsrunde durch das Studio unabdingbar", stellt wdv-Mann Käppeler fest - stellvertretend für viele Kollegen. Aber natürlich möchte man auch live dabei sein. „Eine ausgezeichnete Technik - Einwegspiegel mit ausreichend großem Beobachtungsraum sowie Bildschirme für Detailaufnahmen - sind dabei sehr hilfreich", hat Stefan Klafak erfahren.
Wohlbefinden für Kunden und Befragte
Doch Technik ist nicht alles für den Erfolg eines Projektes. Viele Anforderungen liegen im atmosphärischen Bereich, vor allem, wenn sich wie bei Campbells' die Analyse gleich an die Gruppendiskussion anschließt. „Deshalb sollte vor allem der Beobachtungsraum entsprechend ausgestattet sein. Wir erwarten hier eher die Atmosphäre eines Meetingrooms als die einer Kino-Loge", erläutert Siegbert Schüler seine Vorstellungen. Aber natürlich müssen sich auch die Probanden wohlfühlen. Katrin Weber unterscheidet: „Bei quantitativer Marktforschung darf es etwas nüchterner sein, bei qualitativer Marktforschung fördert ein gemütlicheres Ambiente die Offenheit."
Die Räume sollten „Kreativität und Antwortbereitschaft fördern statt hemmen", fordert Michael Burst von MediaLogics. Dass Atmosphäre durchaus wörtlich zu nehmen ist, hat Katrin Weber erlebt: „Im heißen Sommer 2006 war manch stundenlange Beobachtung im kleinen Spiegelraum eine Qual." Gute Belüftung spiele deshalb eine wichtige Rolle. Und Ute Haas hat in über zehn Jahren die Erfahrung gemacht: „Offenbar besteht also eine gewisse Korrelation zwischen äußerlichem Ambiente und inhaltlicher Qualität."
Freundliches Personal ist wichtig. Was wie eine Binsenweisheit klingt, kann doch kaum genug betont werden. Gerade für Folgeprojekte sieht hier Laura Reimchen eine wesentliche Voraussetzung und fordert angesichts qualitativer Methodenvielfalt gleichzeitig Flexibilität von Studios bei allen Anfragen. Christian Börner legt Wert darauf, dass Studios auch „ungewöhnliche Timings in verlässlicher Qualität" einhalten. Termine einhalten - das gehört auch für Axel Baumann zum Pflichtprogramm. Und welche Rolle spielt der Preis? „Fair" und günstig sollte er sein!
Fachartikel
Ausgabe 1/2007, Seite 44
Artikelnummer: 07-01-44-1
Gesucht: Fünf Sterne mit Methoden-Kompetenz
Was Auftraggeber von Teststudios erwarten
Teststudios bedienen einen zweigeteilten Markt aus Endkunden und Instituten. Letztere spielen eine Doppelrolle: Für Studios sind sie Auftraggeber, für Endkunden Dienstleister - eine spannende Konstellation von Rollen und Interessen. Research & Results hat sich bei den Studiokunden umgehört. Das Ergebnis: Die Ansprüche sind ebenso vielfältig wie hoch.
Kasten:
Research & Results StudioGuide
Was Teststudios bieten, sehen Sie in unserem StudioGuide 2007. 46 Studios stellen sich und ihr Leistungsspektrum ausführlich mit farbigen Abbildungen vor. Verzeichnisse nach Postleitzahlgebieten und Betreiberfirmen erleichtern die Auswahl. Die Übersicht „Studios in Deutschland" rundet den Marktüberblick ab. Kostenlos anzufordern unter
Research & Results >>
Kasten:
Institute
Dienstleister und Auftraggeber in einem
„Man wird es nie laut genug schreien: Mit einer guten Rekrutierung steht und fällt die Validität einer Studie", lautet das programmatische Statement von Natacha Dagneaud, Séissmo-Chefin aus Mannheim, zu dem Thema, das auch institutsseitig weit oben auf der Prioritätenliste steht. Henning Rohrßen, Inhaber von insight view in Hannover, spitzt noch mehr zu: „Gerade bei qualitativen Untersuchungen steht und fällt die Ergebnisqualität mit jeder einzelnen Testperson." Dazu muss eine Reihe von Faktoren stimmen. Bei einer Zufallsstichprobe spielt für Astrid Harr, die beim Mannheimer IFM die Feld-Organisation leitet, die Lage des Studios eine entscheidende Rolle. Bei der Nutzung von Verbraucherdateien möchte sie auf alle Fälle „Profi-Befragte" ausgeschlossen wissen. Peinlich wird es für Werner Grimmer, Senior Manager & Partner der psychonomics AG, Köln, wenn etwa „50 Prozent der Berufstätigen sich als studentische Jobber entpuppen oder regelmäßige Zeitschriftenleser sich >einmal im Jahr< beim Zahnarzt bedienen." Und auch ein wenig Fingerspitzengefühl ist gefragt. „Die Zugehörigkeit zum Typus des vor Präsenz sprühenden Vielsprechers stellt keine Zusatzqualifikation dar. Eine munter drauflos sprechende Gruppe ist kein Qualitätsbeweis", konstatiert Matthias Busse von der Düsseldorfer RSG.
Kunden und Moderatoren sollen sich wohlfühlen
Doch natürlich spielen nicht nur sachliche Kriterien eine Rolle. „Unseres Erachtens ist es wichtig, dass der Kunde, der in aller Regel schon viele Teststudios gesehen und erlebt hat, sich gut aufgehoben fühlt und auch neben der sachlichen Umgebung des ,Laborexperimentes' Möglichkeiten findet, sich selbst kurzfristig zu entspannen und sich für geschäftliche Belange kurzfristig zurückziehen zu können", stellt Rüdiger Arndt, Chef der EARSandEYES-Marktforschung seine Sicht der Dinge dar. Die Unmittelbarkeit des Beobachtungserlebnisses etwa durch Einwegspiegel spielt für Frank Kliegel, Key Account Manager bei Media-Analyzer in Hamburg, eine wichtige Rolle. „Dies steigert die Akzeptanz der Ergebnisse und auch die Bereitschaft, die Kundenbedürfnisse künftig stärker in den Entscheidungsprozess einfließen zu lassen", meint Kliegel. „In den letzten 30 Jahren habe ich in Dutzenden verschiedener Länder hunderte Stunden in Studios gearbeitet", leitet Psyma-Chef Matthias Fargel eine umfangreiche Aufstellung von Faktoren ein, die das Studio-Dasein lebenswerter machen (siehe Kasten).
Konrad Weßner, Inhaber von Puls in Schwaig, schätzt großzügige und saubere Räumlichkeiten, zumal die Kunden „manchmal vom anderen Ende der Welt anreisen" und sich wohl fühlen sollten. Gleichzeitig - Stichwort Ergebnisqualität - sollten die Befragten gut behandelt werden. „Schließlich sollen sich die Probanden in unseren Gesprächen zwei Stunden lang wohl fühlen, denn nur wenn sie das tun, öffnen sie sich auch im Gespräch mit unserem Psychologen", betont Thomas Kirschmeier, der die Unternehmenskommunikation bei rheingold in Köln leitet.
Vertrauensvolle Zusammenarbeit gewünscht
„Angekommen im Studio findet sich ohne längeres Suchen und Anklopfen an Türen eine Empfangsperson am Tresen, die mir freundlich zur Begrüßung entgegenkommt und die sich offenbar von meinem Erscheinen nicht gestört fühlt, mich sogar zu den gebuchten Räumen führt." So stellt sich Answers-Geschäftsführer Andreas Möller die Ankunft in einem guten Studio vor. „Ein direkter Ansprechpartner im Studio sollte für die gesamte Studie zuständig sein und in regelmäßigen Abständen über den Stand der Dinge informieren", wünscht sich Kathrin Lickes, als Projektleiterin bei Konzept & Markt in Wiesbaden tätig. Und natürlich sind schnelle Reaktionen und Entscheidungen gefragt, meint Natacha Dagneaud, wenn es gerade brennt, weil drei Gruppendiskussionen parallel stattfinden.
„Am liebsten sind uns langjährige Kontakte", beschreibt Sabine Wittig ihre Studio-Beziehungen. „Da kennt man seine Ansprechpartner und das Studio weiß, dass wir immer ein Protokoll, oft Dolmetscher und gern einen zusätzlichen Testplatz brauchen", ergänzt die Fieldmanagerin bei Ipsos in Hamburg. MarketVisions-Geschäftsführer Jörg Fabert aus Düsseldorf meint: „Eine Studiobewertung inklusive Stärken-Schwächen-Analyse gehört daher bei uns zum Standardprozess eines jeden Projekts." Nicht zu vergessen ist auch eine kurze Anreise für Kunden. „Soweit keine methodischen Gründe entgegenstehen, suchen wir grundsätzlich zunächst selbstverständlich Studios in der Nähe unserer Kunden", beschreibt Ulrich van Douwe, Senior Berater bei Vocatus in München, diesen Aspekt. Das ideale Teststudio vereint laut Sigrid Martins, Managing Director bei Research International in Hamburg, exzellente Rekrutierung, eine komfortable, innovative, auf unterschiedliche Testdesigns und Kundenbesuch ausgerichtete Ausstattung mit modernster Technik, exzellentem Service und kompetenten Ansprechpartnern.
„Offenheit uns als Auftraggeber gegenüber schafft dabei echte Kundenbindung", betont Matthias Hetsch, Direktor des qualitativen TNS-Infratest-Partners „Klare Antworten". „Wenn man zusammen durch kritische Studien gegangen ist - und dabei gesehen hat, dass sich das Studio echte Mühe gibt, den Anforderungen gerecht zu werden, kauft man sicher nicht mehr rein nach Kostengesichtspunkten ein."
Leistungsgerechte Preise
„Ein gutes Preis-/ Leistungsverhältnis auf Standardniveau hat für mich in einem Standardprojekt einen genauso hohen Wert, wie ein gutes Preis-/ Leistungsverhältnis auf >teurem< Top-Niveau bei komplexen, sehr anspruchsvollen Umfrageprojekten", erläutert Jens Cornelsen, Geschäftsführer bei defacto resarch & consulting in Erlangen. Andreas Czaplicki, Geschäftsführer des IM Leipzig, findet es „manchmal befremdlich zu hören, dass Auftraggeber an der Qualität Abstriche machen, nur um 50 Cent pro Fall zu sparen." Ein richtiggehendes System für Studio-Honorierung setzt MillwardBrown in Frankfurt ein: „Für jedes Studio existieren Interview-Fallpreise abhängig von Fragebogenlänge und Penetrationsstufe. Diese können jährlich überarbeitet werden", beschreibt Ingrid Henning, die das Project Management der Frankfurter leitet, das Vorgehen.
Kasten:
Studio-Wunschzettel
von Matthias Fargel, Chairman Psyma Group
„In den letzten 30 Jahren habe ich in Dutzenden verschiedener Länder hunderte Stunden in Studios gearbeitet. Dabei schätze ich vor allem ... ...als Moderator:
Research & Results StudioGuide
Was Teststudios bieten, sehen Sie in unserem StudioGuide 2007. 46 Studios stellen sich und ihr Leistungsspektrum ausführlich mit farbigen Abbildungen vor. Verzeichnisse nach Postleitzahlgebieten und Betreiberfirmen erleichtern die Auswahl. Die Übersicht „Studios in Deutschland" rundet den Marktüberblick ab. Kostenlos anzufordern unter
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Kasten:
Institute
Dienstleister und Auftraggeber in einem
„Man wird es nie laut genug schreien: Mit einer guten Rekrutierung steht und fällt die Validität einer Studie", lautet das programmatische Statement von Natacha Dagneaud, Séissmo-Chefin aus Mannheim, zu dem Thema, das auch institutsseitig weit oben auf der Prioritätenliste steht. Henning Rohrßen, Inhaber von insight view in Hannover, spitzt noch mehr zu: „Gerade bei qualitativen Untersuchungen steht und fällt die Ergebnisqualität mit jeder einzelnen Testperson." Dazu muss eine Reihe von Faktoren stimmen. Bei einer Zufallsstichprobe spielt für Astrid Harr, die beim Mannheimer IFM die Feld-Organisation leitet, die Lage des Studios eine entscheidende Rolle. Bei der Nutzung von Verbraucherdateien möchte sie auf alle Fälle „Profi-Befragte" ausgeschlossen wissen. Peinlich wird es für Werner Grimmer, Senior Manager & Partner der psychonomics AG, Köln, wenn etwa „50 Prozent der Berufstätigen sich als studentische Jobber entpuppen oder regelmäßige Zeitschriftenleser sich >einmal im Jahr< beim Zahnarzt bedienen." Und auch ein wenig Fingerspitzengefühl ist gefragt. „Die Zugehörigkeit zum Typus des vor Präsenz sprühenden Vielsprechers stellt keine Zusatzqualifikation dar. Eine munter drauflos sprechende Gruppe ist kein Qualitätsbeweis", konstatiert Matthias Busse von der Düsseldorfer RSG.
Kunden und Moderatoren sollen sich wohlfühlen
Doch natürlich spielen nicht nur sachliche Kriterien eine Rolle. „Unseres Erachtens ist es wichtig, dass der Kunde, der in aller Regel schon viele Teststudios gesehen und erlebt hat, sich gut aufgehoben fühlt und auch neben der sachlichen Umgebung des ,Laborexperimentes' Möglichkeiten findet, sich selbst kurzfristig zu entspannen und sich für geschäftliche Belange kurzfristig zurückziehen zu können", stellt Rüdiger Arndt, Chef der EARSandEYES-Marktforschung seine Sicht der Dinge dar. Die Unmittelbarkeit des Beobachtungserlebnisses etwa durch Einwegspiegel spielt für Frank Kliegel, Key Account Manager bei Media-Analyzer in Hamburg, eine wichtige Rolle. „Dies steigert die Akzeptanz der Ergebnisse und auch die Bereitschaft, die Kundenbedürfnisse künftig stärker in den Entscheidungsprozess einfließen zu lassen", meint Kliegel. „In den letzten 30 Jahren habe ich in Dutzenden verschiedener Länder hunderte Stunden in Studios gearbeitet", leitet Psyma-Chef Matthias Fargel eine umfangreiche Aufstellung von Faktoren ein, die das Studio-Dasein lebenswerter machen (siehe Kasten).
Konrad Weßner, Inhaber von Puls in Schwaig, schätzt großzügige und saubere Räumlichkeiten, zumal die Kunden „manchmal vom anderen Ende der Welt anreisen" und sich wohl fühlen sollten. Gleichzeitig - Stichwort Ergebnisqualität - sollten die Befragten gut behandelt werden. „Schließlich sollen sich die Probanden in unseren Gesprächen zwei Stunden lang wohl fühlen, denn nur wenn sie das tun, öffnen sie sich auch im Gespräch mit unserem Psychologen", betont Thomas Kirschmeier, der die Unternehmenskommunikation bei rheingold in Köln leitet.
Vertrauensvolle Zusammenarbeit gewünscht
„Angekommen im Studio findet sich ohne längeres Suchen und Anklopfen an Türen eine Empfangsperson am Tresen, die mir freundlich zur Begrüßung entgegenkommt und die sich offenbar von meinem Erscheinen nicht gestört fühlt, mich sogar zu den gebuchten Räumen führt." So stellt sich Answers-Geschäftsführer Andreas Möller die Ankunft in einem guten Studio vor. „Ein direkter Ansprechpartner im Studio sollte für die gesamte Studie zuständig sein und in regelmäßigen Abständen über den Stand der Dinge informieren", wünscht sich Kathrin Lickes, als Projektleiterin bei Konzept & Markt in Wiesbaden tätig. Und natürlich sind schnelle Reaktionen und Entscheidungen gefragt, meint Natacha Dagneaud, wenn es gerade brennt, weil drei Gruppendiskussionen parallel stattfinden.
„Am liebsten sind uns langjährige Kontakte", beschreibt Sabine Wittig ihre Studio-Beziehungen. „Da kennt man seine Ansprechpartner und das Studio weiß, dass wir immer ein Protokoll, oft Dolmetscher und gern einen zusätzlichen Testplatz brauchen", ergänzt die Fieldmanagerin bei Ipsos in Hamburg. MarketVisions-Geschäftsführer Jörg Fabert aus Düsseldorf meint: „Eine Studiobewertung inklusive Stärken-Schwächen-Analyse gehört daher bei uns zum Standardprozess eines jeden Projekts." Nicht zu vergessen ist auch eine kurze Anreise für Kunden. „Soweit keine methodischen Gründe entgegenstehen, suchen wir grundsätzlich zunächst selbstverständlich Studios in der Nähe unserer Kunden", beschreibt Ulrich van Douwe, Senior Berater bei Vocatus in München, diesen Aspekt. Das ideale Teststudio vereint laut Sigrid Martins, Managing Director bei Research International in Hamburg, exzellente Rekrutierung, eine komfortable, innovative, auf unterschiedliche Testdesigns und Kundenbesuch ausgerichtete Ausstattung mit modernster Technik, exzellentem Service und kompetenten Ansprechpartnern.
„Offenheit uns als Auftraggeber gegenüber schafft dabei echte Kundenbindung", betont Matthias Hetsch, Direktor des qualitativen TNS-Infratest-Partners „Klare Antworten". „Wenn man zusammen durch kritische Studien gegangen ist - und dabei gesehen hat, dass sich das Studio echte Mühe gibt, den Anforderungen gerecht zu werden, kauft man sicher nicht mehr rein nach Kostengesichtspunkten ein."
Leistungsgerechte Preise
„Ein gutes Preis-/ Leistungsverhältnis auf Standardniveau hat für mich in einem Standardprojekt einen genauso hohen Wert, wie ein gutes Preis-/ Leistungsverhältnis auf >teurem< Top-Niveau bei komplexen, sehr anspruchsvollen Umfrageprojekten", erläutert Jens Cornelsen, Geschäftsführer bei defacto resarch & consulting in Erlangen. Andreas Czaplicki, Geschäftsführer des IM Leipzig, findet es „manchmal befremdlich zu hören, dass Auftraggeber an der Qualität Abstriche machen, nur um 50 Cent pro Fall zu sparen." Ein richtiggehendes System für Studio-Honorierung setzt MillwardBrown in Frankfurt ein: „Für jedes Studio existieren Interview-Fallpreise abhängig von Fragebogenlänge und Penetrationsstufe. Diese können jährlich überarbeitet werden", beschreibt Ingrid Henning, die das Project Management der Frankfurter leitet, das Vorgehen.
Kasten:
Studio-Wunschzettel
von Matthias Fargel, Chairman Psyma Group
„In den letzten 30 Jahren habe ich in Dutzenden verschiedener Länder hunderte Stunden in Studios gearbeitet. Dabei schätze ich vor allem ... ...als Moderator:
- Platz und Halterungen für Flipcharts und „brown paper" zum Aufhängen - und Stifte, die nicht ausgetrocknet sind
- Ruhe ohne ratternde Klimaanlagen und Straßenlärm sowie Tischtücher, die den Hall und das Klirren des Geschirrs unterdrücken
- Genug und kühle Luft zum Atmen im Sommer - nun auch in Deutschland
- Sekretariatsdienste, beflissen zum Ändern, Drucken von Vorlagen und findig bei Umbuchungen
- Raum zum Debriefen, auch mal nach der letzten Gruppe um 22 Uhr
- Digitale Aufzeichnung (CD-ROM) und gut beschriftete Datenträger in der gewünschten Anzahl griffbereit beim Weggehen
- Rigorose Qualitätskontrolle von Ton- und Bildaufzeichnung, der Screeningkriterien und Arbeitsmaterialien vor jeder Veranstaltung
- Screeningliste aller anonymisierten Teilnehmer, geprüft und im Beobachtungsraum griffbereit
- Optimale Tonübertragung und simple Regulierbarkeit aus dem Beobachtungsraum
- Bei Simultanübersetzungen: Kopfhörer, mit Einmal-Hygieneschutzflies (fast nirgends gestellt), die nicht rauschen, die Ohren nicht aufheizen und auch nicht kneifen
- Und wieder üppig Platz und gute Luft, damit sich nicht schon sechs Teilnehmer gegenseitig mit Gepäck, Nebengesprächen und Buffet aggressiv bedrängen
- Kurz getaktetes frisches, leichtes Catering, das leise kurzfristig auf- und flott abgeräumt wird
- Neben dem abgedunkelten Einwegspiegelraum ist eine taghelle „Lounge" mit guten TV-Monitoren und Ton über Kopfhörer hochwillkommen
- Im abgedunkelten Raum: indirektes Licht zur Beleuchtung der Laptoptastatur, griffnahe Anschlüsse für Strom (und Adapter) und Internet
- Tische/ Ablage für Laptops in ergonomisch guter Höhe - und Gestühl, in dem man auch mal acht Tiefeninterviews in Folge schadlos übersteht
- Wirklich großer sowie schalldichter Spiegel, um Gelächter und andere Kommentare vom Moderationsraum fern zu halten
