Marktforschung im Studio bietet die Gelegenheit, dem Konsumenten so nahe zu kommen, wie in kaum einer anderen Erhebungsform. Die - häufig nur durch einen Einwegspiegel gefilterte - Unmittelbarkeit und Schnelligkeit scheint für die Endkunden aus Industrie, Medien und Agenturen denn auch eine wesentliche Rolle zu spielen.

Christian Börner ist bei der Agentur Universal McCann in Frankfurt für die qualitative Forschung zuständig: „Für Universal McCann ist es wichtig, dass alle Entscheider in der Agentur und beim Kunden diese Erfahrung mitmachen." Auch Katrin Weber von der Marktforschung der Deutschen Telekom stellt fest: „Wir nehmen regelmäßig teil, um uns, Management und Kollegen einen Eindruck der Interviews zu verschaffen." Bei Kamps Brot- und Backwaren ist man stets in unterschiedlicher Besetzung präsent - neben der Marktforschung auch Produktverantwortliche und das Category Management. Oft vier bis fünf Personen oder sogar mehr sind nach den Worten von Katrin Friedrichs von Seiten des Lübecker Kunden Campbells' im Studio. Bei der auf Corporate Publishing spezialisierten wdv-Gruppe ist für die als Beobachter teilnehmenden Kunden und Redakteure „das direkte Feedback zum Heft von besonderem Interesse, um das Heftkonzept weiter zielgruppenspezifisch optimieren zu können", berichtet Marktforschungsleiter Markus Käppeler.

Bei der Auswahl der Studios ist die Einflussnahme der Endkunden offenbar unterschiedlich direkt. Dieter K. Müller, in der Geschäftsleitung von AS&S, dem Werbe-Vermarkter der ARD, für Forschung verantwortlich, überlässt diese Aufgabe meistens den Instituten - im Rahmen klarer Anforderungen. „Die Auswahl der Studios erfolgt gemäß unseren Vorgaben über die durchführenden Marktforschungsinstitute", beschreibt auch Stefan Klafak, der bei Kamps auch für die Marktforschung zuständige Category Manager, den Prozess. Bei der wdv-Gruppe in Bad Homburg dagegen nutzt man Studios auch ohne zwischengeschaltetes Institut. „Die Lesergruppenbefragungen werden vom wdv-eigenen Marktforscher moderiert", berichtet Käppeler. Auch bei Universal McCann, wo es häufig um das spezielle Thema Mediennutzung geht, wird in der Regel selbst moderiert. Thomas Freier bei MPG Media Planning in Frankfurt für Consumer Insights verantwortlich, greift ebenfalls direkt auf Teststudios zu. „Wichtig hierbei ist die Flexibilität in der Anmietung von GD-Räumen und die methodisch saubere Rekrutierung der Probanden", betont Freier.

Saubere Rekrutierung im Mittelpunkt

Damit spricht er eines der ganz zentralen Kriterien für die Auswahl von Studios an. „Bezüglich der Feldarbeit erwarten wir insbesondere eine äußerst saubere Rekrutierung", formuliert es Siegbert Schüler, Customer and Consumer Insights Manager bei Campbells'. „Dies ist unbestritten auch das wichtigste Kriterium", pflichtet ihm Michael Burst, Forschungschef bei MediaLogics in Düsseldorf bei, denn letztendlich hänge die Qualität der gesamten Studie davon ab und nicht etwa von der Größe des Empfangsraumes oder den Catering-Qualitäten. Auch Ute Haas, Marktforschungsleiterin bei der Augsburger Verlagsgruppe Weltbild, meint: „Wichtiger als ein repräsentativer Eingang oder schicke Möbel ist mir die exakte und ehrliche Erfüllung der Quotenvorgaben." Dafür sei die Lage des Studios enorm wichtig.

Axel Baumann, der bei der ZMG (Zeitungs Marketing Gesellschaft) in Frankfurt die Forschungsabteilung leitet, zählt einige weitere wesentliche Punkte auf: eine qualifizierte, ausreichend große Datenbank, maßvoller Umgang mit Incentives, das Aussondern von „Berufs-Probanden". Für Dieter K. Müller ist eine Überrekrutierung wichtig, „um in kritischen Fällen Probanden (möglichst dezent) austauschen zu können". Zugleich habe er meist umfangreiche Rekrutierungsvorgaben - und dennoch: „Sowohl die demografischen Merkmale wie auch andere Vorgaben, die zum Beispiel Fernsehgewohnheiten und Teilnahmefrequenz betreffen, müssen unbedingt eingehalten werden". Gegebenenfalls greift Müller auch direkt vor Ort noch ein.

Ausstattung muss sein

Je nach dem, welche spezifischen Aufgaben gelöst werden müssen, spielen bestimmte technische Ausstattungsmerkmale eine Rolle. Für den Backwaren-Spezialisten Klafak sind das unter anderem Platzierungsmöglichkeiten im Handelsregal oder Degustationsräume. „Insbesondere für kreative Gruppen benötigt man das eine oder andere Zusatzelement wie Stellwände, dies muss ein Studio zumindest auf Anfrage realisieren können", meint Laura Reimchen von MediaLogics. Für Marco Koch, Manager Strategic Marketing Research bei Merz Pharmaceuticals in Frankfurt, spielen internationale Studien eine große Rolle. „Gemeinsame Simultanübersetzung durch zwei Dolmetscher - für Moderator und Befragten - oder das Angebot eines Online-Videostreamings zur Minimierung von Reisekosten" seien dabei für die Studio-Auswahl wesentlich. „Solche nützlichen Services sind in einigen Ländern schon Standard, bieten in Deutschland aber durchaus noch Differenzierungsmöglichkeiten", gibt Koch den Anbietern mit auf den Weg.

Aufzeichnungen in höchster Qualität stellen einen essentiellen Bestandteil der Studioforschung dar. „Zur Auswertung ist ein Mitschnitt der Befragungen in guter Ton- und Bildqualität sowie die Protokollierung aller relevanten Aussagen der Diskussionsrunde durch das Studio unabdingbar", stellt wdv-Mann Käppeler fest - stellvertretend für viele Kollegen. Aber natürlich möchte man auch live dabei sein. „Eine ausgezeichnete Technik - Einwegspiegel mit ausreichend großem Beobachtungsraum sowie Bildschirme für Detailaufnahmen - sind dabei sehr hilfreich", hat Stefan Klafak erfahren.

Wohlbefinden für Kunden und Befragte

Doch Technik ist nicht alles für den Erfolg eines Projektes. Viele Anforderungen liegen im atmosphärischen Bereich, vor allem, wenn sich wie bei Campbells' die Analyse gleich an die Gruppendiskussion anschließt. „Deshalb sollte vor allem der Beobachtungsraum entsprechend ausgestattet sein. Wir erwarten hier eher die Atmosphäre eines Meetingrooms als die einer Kino-Loge", erläutert Siegbert Schüler seine Vorstellungen. Aber natürlich müssen sich auch die Probanden wohlfühlen. Katrin Weber unterscheidet: „Bei quantitativer Marktforschung darf es etwas nüchterner sein, bei qualitativer Marktforschung fördert ein gemütlicheres Ambiente die Offenheit."

Die Räume sollten „Kreativität und Antwortbereitschaft fördern statt hemmen", fordert Michael Burst von MediaLogics. Dass Atmosphäre durchaus wörtlich zu nehmen ist, hat Katrin Weber erlebt: „Im heißen Sommer 2006 war manch stundenlange Beobachtung im kleinen Spiegelraum eine Qual." Gute Belüftung spiele deshalb eine wichtige Rolle. Und Ute Haas hat in über zehn Jahren die Erfahrung gemacht: „Offenbar besteht also eine gewisse Korrelation zwischen äußerlichem Ambiente und inhaltlicher Qualität."

Freundliches Personal ist wichtig. Was wie eine Binsenweisheit klingt, kann doch kaum genug betont werden. Gerade für Folgeprojekte sieht hier Laura Reimchen eine wesentliche Voraussetzung und fordert angesichts qualitativer Methodenvielfalt gleichzeitig Flexibilität von Studios bei allen Anfragen. Christian Börner legt Wert darauf, dass Studios auch „ungewöhnliche Timings in verlässlicher Qualität" einhalten. Termine einhalten - das gehört auch für Axel Baumann zum Pflichtprogramm. Und welche Rolle spielt der Preis? „Fair" und günstig sollte er sein!