RR: Herr Dolinar, SSI Survey Sampling ist ein amerikanisches Unternehmen. Warum wurde die Niederlassung in Frankfurt eröffnet?
Dolinar: SSI ist seit fast 30 Jahren als Sampling-Dienstleister für Marktforscher tätig. Neben dem klassischen CATI-Sampling hat man in den letzten fünf Jahren vor allem in den Onlinebereich sehr stark investiert. Dabei hat der Kauf von Bloomerce einen großen Schub auf dem europäischen Markt gebracht. Deutschland hat nach England die stärksten Wachstumsraten in diesem Bereich und ist deshalb besonderes wichtig für unsere internationale Strategie. Außerdem gehört es einfach zu unserer Philosophie, in jedem Land, das wir anbieten, auch „Einheimische" zu beschäftigen. Die Qualität unseres Produktes und unseres Service profitiert sehr stark davon.
RR: Was heißt das konkret?
Dolinar: In der Projektabwicklung können eventuelle Reibungspunkte ohne Sprachbarrieren wesentlich besser gelöst werden. Mitarbeiter kennen und verstehen die Anforderungen ihres eigenen Marktes am besten. Die Rekrutierung und das Management der Panelteilnehmer folgen den kulturellen Bedürfnissen. Das ermöglicht eine bessere Ausschöpfung und Datenqualität.
RR: Andere Anbieter verlagern die Abwicklung von Projekten in Ländern mit niedrigeren Kosten ab. Sie machen anscheinend das Gegenteil. Rechnet sich das?
Dolinar: Natürlich. Meiner Meinung nach ist die Nähe zum Kunden in jedem Schritt der Feldarbeit einer der entscheidenden Faktoren für die Qualität einer Studie. Sie ist mit dem Verständnis der Kultur und Sprache des Befragten unmittelbar verbunden. Wir haben deshalb sogar extra ein „REX-Team" gebildet. Es besteht aus Mitarbeitern aller 19 Länder, in denen SSI tätig ist, und überprüft mit Muttersprachlern die internationalen Projekte vor Projektstart.
RR: Was sind Ihre Ziele für das erste Jahr?
Dolinar: Wir sind seit 1. April in unserem Frankfurter Büro tätig. Das deutsche Projektmanagement und die Kundenbetreuung sind etabliert. Wir wollen uns als Anbieter von Online-Samples in Deutschland positionieren. Dabei sind wir mit unserem Angebot keine Konkurrenz, sondern ein Dienstleister für Marktforschungstreibende. Wir fokussieren uns auf den Panelbetrieb und - falls gewünscht - die Programmierung von Fragebögen. Unser Angebot ist qualitativ hochwertig und unsere Preise sehr wettbewerbsfähig. Basis für unsere Projekte in Deutschland ist natürlich das deutsche Online-Panel. Wir betreiben dieses Panel seit dem Jahr 2002. Es wurde damals noch von Bloomerce aufgebaut und in den letzten zwölf Monaten mit großem finanziellem Aufwand erheblich vergrößert.
RR: Hat sich der Aufwand gelohnt?
Dolinar: Der Start ist sehr vielversprechend. Viele führende Marktforschungsunternehmen haben bereits Projekte mit uns durchgeführt, und die Bewertung unserer Leistung durch die Kunden ist sehr positiv. Deshalb werden wir auch früher als geplant weitere Mitarbeiter einstellen.
RR: Und wie soll es langfristig weitergehen?
Dolinar: SSI will langfristig in allen wichtigen Ländern eigene Panels anbieten. Wir haben bereits vier Millionen Panelteilnehmer in 19 Ländern. Wir sehen aber ein starkes Interesse an weiteren Ländern, beispielsweise in Asien und Osteuropa. Momentan liegen wir mit unserem Umsatz weltweit auf Platz Zwei der Panelanbieter. Diese Position wollen wir halten und weiter ausbauen.
RR: Eine ganze Reihe von Unternehmen bietet Online-Panels in Deutschland an. Warum sollte ein Kunde zu Ihnen gehen?
Dolinar: Für unsere Kunden dürfte wichtig sein, dass wir durch unsere jahrzehntelange Erfahrung und unseren starken finanziellen Hintergrund zu den führenden Unternehmen unserer Branche zählen. Wir können fast alle internationalen Studien kostengünstig und professionell anbieten. Die Qualität unserer Panels ist homogen. Wir müssen sehr selten auf andere Panelpartner ausweichen. Und wenn, dann bekommt der Kunde von uns immer gesagt, welche Quelle wir nutzen. Diese Offenheit kommt, glaube ich, dem Wunsch nach Transparenz sehr entgegen und sollte eigentlich selbstverständlich in unserem Markt sein.
Ein weiteres Plus ist, dass der Großteil unserer Mitarbeiter aus Marktforschungsunternehmen kommt. Diese Menschen kennen die Wünsche und Anforderungen an Datenqualität und bei der Umsetzung von Projekten sehr genau. Sie wissen, dass eine gute Studie von der Qualität der Befragten abhängt und sind hier so gewissenhaft wie nur möglich.
RR: Das klingt respektabel, aber doch recht allgemein.
Dolinar: Lassen Sie mich ein konkretes Beispiel nennen: den Umgang mit „Cheatern", also Teilnehmern deren Antworten nicht glaubwürdig sind. Unter „Cheatern" finden Sie beispielsweise Personen die deutlich weniger Zeit für den Fragebogen brauchen als andere. Hier liefern wir dem Kunden gerne „Ersatzbefragte". Intern werden diese „Cheater" in der Datenbank markiert und bei weiteren Studien sehr genau beobachtet, gegebenenfalls auch aus der Datenbank gelöscht.
Ein anderes Angebot ist unsere bevölkerungs- oder internetrepräsentative Gewichtung der Befragungsergebnisse. Wer seine Studien bei uns programmieren lässt, kann diese Gewichtung gegen einen kleinen Mehrpreis für jedes Land, das wir beliefern, bekommen.
Last but not least möchte ich unser Knowledge Team erwähnen. Diese Team hat unter Leitung von Pete Cape, der früher bei TNS den Onlinebereich mitgeprägt hat, eine Vielzahl an Informationen über Märkte und Onlineprojekte gesammelt. Deshalb sind wir in der Lage, schon in der Angebotsphase die Durchführbarkeit von Befragungen zu überprüfen und qualifiziertes Feedback an unsere Kunden zu geben. So können etwa deutsche Marktforschungsunternehmen ohne Erfahrung im Ausland unsere Erfahrung nutzen und ihren eigenen Kunden internationale Projekte anbieten.
