RR: Mr Monster, wird sich die Expansion der Technik in der Marktforschung fortsetzen oder ist ein Ende in Sicht?

Monster: Ich glaube, dass der Einfluss der Technik auf die Marktforschungsbranche in den nächsten drei Jahren ungeheuer sein wird. Das ergibt sich aus dem Reifegrad, der Integration und den Einsatzmöglichkeiten der Technik. Unsere Branche wird einen ähnlichen Reifeprozess durchmachen, wie der PC-Bereich. Da gab es anfangs zehn verschiedene Tabellenkalkulationen und unterschiedliche Textverarbeitungen. Jetzt gibt es Excel und Word, aber gleichzeitig ganz unterschiedliche Arten, diese beiden Programme einzusetzen. Der Markt will ein flexibles Werkzeug.

RR: Einen Standard, aber flexibel?

Monster: Exakt. Heute werden viele Geschäftsentscheidungen auf Basis weltweit standardisierter oder syndizierter Forschung getroffen. Dabei ähneln sich die Fragen doch sehr. Somit kann eine zentrale Forschungsfirma die Daten aus allen Ländern zusammenziehen und zentral berichten. Eine kleine Forschungsfirma in Deutschland kann jetzt ein globaler Player werden. Full-Service wird bleiben, aber ein Forschungsunternehmen, das sich morgens mit Packaged Consumer Goods und abends mit IT-Professionals auseinandersetzt, wird nicht funktionieren. Erfolgreich wird ein Unternehmen sein, das sich zum weltweiten Experten in einem bestimmten Sektor entwickelt, beispielsweise dem Biermarkt, und dort Schlüsselkunden gewinnt.

RR: Gestützt auf webbasierte Technik?

Monster: Auf Technik und auf Panels. Natürlich ist GMI bestrebt, mit diesen Firmen zusammenzuarbeiten und ihnen die Plattform dafür zu geben, die weltweite Führerschaft in ihrem spezifischen Bereich zu übernehmen.

RR: Wie sieht diese Plattform aus?

Monster: Wir haben drei Geschäftsbereiche: Software, Panels und Servicebüros. Im Softwarebereich bieten wir unter anderem die Marktforschungsplattform Net-MR, die Enterprise-Feedback-Plattform NetReflector und MI Pro an, ein Produkt, das sich sehr gut für große Forschungsunternehmen eignet. Panels sind unser größter Geschäftsbereich und machen etwa zwei Drittel des Umsatzes aus. Mit Konsumenten-Panels steuern wir gegenwärtig auf eine Größe von sechs Millionen Haushalten zu. Die Zielgröße liegt bei 25 Millionen Teilnehmern weltweit. Daneben bieten wir zunehmend Spezial-Panels an, etwa für IT-Spezialisten, B-to-B, Jugend oder Ärzte. Die Servicebüros sind unsere Produktionszentren. Solche Offshore-Produktionszentren haben wir in Bulgarien, Indien, China und Südamerika. Die Account-Manager dagegen sitzen in den einzelnen Märkten, zum Beispiel in München, Den Bosch oder London. Diese Manager werden durch die Produktionszentren unterstützt. So können wir 24 Stunden sieben Tage in der Woche Fulfillment und gleichzeitig lokale Kundenbetreuung anbieten.

RR: Wie aufwändig ist es, diese Art von Service rund um die Uhr anzubieten?

Monster: Es erfordert eine Menge Investitionen. Wir haben eine Belegschaft von etwa 240 festen Angestellten plus stundenweise Beschäftigten in den Produktionszentren, die mehr als 400 Vollzeitstellen entsprechen. Wir werden dieses Jahr einen Umsatz von etwa 60 Millionen US-Dollar machen. Gegenwärtig investieren wir sehr stark in weltweite Panels, Akquisitionen und neue Softwaretechnologien.

RR: Woran denken Sie da?

Monster: Beispielsweise an Net-CATI. Es gibt Call Center mit 100 Plätzen, andere mit 50 Plätzen. Aber in einem Zusammenschluss mit weiteren Partnern können 1000 Plätze bereitgestellt werden. Und Sie können an all diesen Plätzen gemeinsam mit einem vollständig integrierten Ansatz Projekte bearbeiten. Das alles läuft über das Internet. Wir werden bald ein Produkt für zentralisiertes „predictive dialing", also ein intelligentes Wählmanagement vorstellen. Dann müssen Call Center keine teure Einzellösung mehr kaufen. Auch den Research Analyzer möchte ich erwähnen, ein Arbeitsplatz-Werkzeug zur Visualisierung von Daten. Es bringt „data to the dashboard", also Daten auf das Armaturenbrett. Aber es hat auch die Fähigkeit, intelligent ins Web hinauszugehen und Daten aus drei oder vier Quellen ständig aktuell auf dem Dashboard darzustellen. So können Sie gleichzeitig etwa Kundenzufriedenheit, Markenbekanntheit, Mitarbeiterzufriedenheit oder Investorenloyalität anzeigen.

RR: Das klingt weniger nach einer Lösung für Forschungsinstitute als für Endkunden.

Monster: Richtig. Aber die Endkunden kaufen die Forschung von den Forschungsunternehmen. Mit dem Research Analyzer schaffen wir ein Ökosystem, das Forschungskäufer, Forschungsanbieter und Probanden in Echtzeit miteinander verbindet. Mehr und mehr Forschung wird in Echtzeit, kontinuierlich und global stattfinden.

RR: Wie sehen Sie da die Perspektiven für den deutschen Markt?

Monster: Ich denke, in den nächsten Jahren könnte der deutsche Forschungsmarkt deutlich expandieren. Deutschland ist eine exportorientierte Wirtschaft mitten in einem der größten Wirtschaftsräume der Welt. Deutschland liegt nahe an Osteuropa als Produktionszentrum. Und Deutschland hat eine kulturelle Tradition in Sozialwissenschaften, Statistik und Psychologie. Weshalb sollte es also auf dem deutschen Forschungsmarkt nicht wesentlich mehr globale Forschungsunternehmen geben?

RR: Wachstum durch globale Perspektive?

Monster: Die Zukunft besteht darin, lokal ansässigen Unternehmen zu helfen, in globalem Maßstab aufzutreten - indem man ihnen ermöglicht, die Märkte zu verstehen, in denen sie agieren. Dazu kann man qualitativ und quantitativ, online und offline auf jede sinnvolle Weise kombinieren. Die Technik wird eine Menge neuer Möglichkeiten bieten, Märkte auf innovative Weise zu untersuchen. Sie müssen sich GMI wie ein Betriebssystem vorstellen. Und jetzt setzen Sie Anwendungen auf das Betriebssystem auf. Eine andere Firma aus Seattle hat das schon einmal vorgemacht. Eines unserer Ziele ist deshalb, in Deutschland Firmen zu finden, die viel versprechende Technologien schon entwickelt haben oder noch entwickeln wollen, also Anwendungen, die man auf das Betriebssystem aufsetzen kann.

RR: Zum Abschluss noch ein Blick zurück: Wie hat alles angefangen bei GMI?

Monster: Ich habe neun Jahre lang bei Procter & Gamble die weltweite Produktentwicklung der Marke Pampers geleitet. Dort habe ich Studien in 20, 30, manchmal 40 Ländern durchgeführt. Die Feldzeit für eine solche Studie hat eine Woche gedauert. Aber es hat 12 bis 16 Wochen gedauert, bis wir die Ergebnisse aufbereitet hatten. Also habe ich die Institute gefragt: Wer von Euch nutzt das Internet als Plattform für länderübergreifende Studien? Und damals, im Jahr 1998, haben sie gesagt: Was ist das Internet? Im Jahr 1999 bin ich von Procter & Gamble weggegangen und mit Frau und Kindern nach Seattle gezogen. Ich hatte etwa eine dreiviertel Million Eigenkapital angespart. Damit habe ich GMI gegründet und die erste Version unserer Software selbst geschrieben. Die Vision, internationale Studien über das Internet durchzuführen, hat dann allerdings sehr schnell ein Problem aufgeworfen: Wo sind die Probanden? Also sind wir daran gegangen, ein Panel aufzubauen. Später sind aus persönlichen Kontakten heraus die Servicebüros entstanden.

RR: Mr Monster, vielen Dank für das Gespräch.