RR: Herr Dr. Hellwig, Sie betonen gerne die Rolle des Rekrutierungsverfahrens. Was ist an Ihrem Ansatz denn so Besonderes?
Hellwig: Unser Rekrutierungsverfahren ist sicherlich eines unserer Herausstellungsmerkmale, und da unterscheiden wir uns deutlich von unseren Mitbewerbern. Die gängige Rekrutierung über wenige Kanäle mittels monetärem Anreiz führt zu verzerrten Stichproben. Und das mindert die Aussagekraft der erhobenen Daten. Repräsentativität bedeutet, dass jedes Mitglied meiner Zielgruppe die gleiche Möglichkeit besitzen muss, an meiner Umfrage teilzunehmen. Wenn aber bereits im Rekrutierungsverfahren der Zugang zum Online-Panel kanalisiert wird, lässt die Zielgruppe nur Aussagen für Personen aus diesen Kanälen zu. Wenn ich im Rekrutierungsprozess auch noch monetäre Anreize in den Vordergrund stelle, dann erhöht sich zusätzlich der Anteil an Incentive-Jägern und Profitestern.
RR: Wie machen Sie es denn dann?
Hellwig: Ich bezeichne unser Verfahren gerne als Rekrutierung mit tausend kleinen Angeln. Im Unternehmenssitz in Köln kümmert sich ein internationales Redaktionsteam um die Rekrutierung. Das Team gießt hochaktuelle Themen etwa aus Politik, Gesellschaft, Gesundheit, Sport oder Kultur in Befragungen, die auf sehr vielen Internetseiten, Foren und Communities redaktionell veröffentlicht werden. Diese tausend kleinen Angeln, die unser Team täglich auswirft, stellen sicher, dass der Zugang zu unserem Online-Panel möglichst frei von Kanalisierungseffekten bleibt. Der Anreiz zur Teilnahme an diesen Rekrutierungsumfragen ist dabei Mitteilungsinteresse und Neugier auf die Ergebnisse, die wir auf unseren Portalen redaktionell veröffentlichen. Durch diese Form des Anreizes reduzieren wir den Anteil extrinsisch motivierter Panelisten auf ein normales Maß. Neben dem Online-Rekrutierungsverfahren setzen wir auch auf Offline-Rekrutierung. Diese realisieren wir in einem Verbund mit internationalen Marktforschungsinstituten.
RR: Was ist bei Ihnen besser als anderswo?
Hellwig: Im Rekrutierungsprozess sicher die Qualität, Kontinuität und Flexibilität. Jedes einzelne Länderpanel wächst wöchentlich um mehr als 1000 neue Mitglieder. Dabei sind wir in der Lage, sehr spezifische Zielgruppen zu rekrutieren. Und gerade das wird von unseren Kunden immer stärker nachgefragt. Die Rekrutierung ist nur der Eintrittsweg. Die Teilnehmer an einem Panel müssen auch gebunden werden, damit sie nachhaltig befragt werden können. Hier setzen wir auf eine Kombination aus redaktionellen Inhalten und Incentivierung. Unsere Rücklaufquoten von durchschnittlich 60 Prozent machen deutlich, inwieweit wir uns als Marktforschungspanel von reinen Stichprobenlieferanten unterscheiden.
RR: Was haben die Kunden davon?
Hellwig: Dieses mehrfach erprobte Rekrutierungsverfahren wenden wir seit dem Jahr 2004 erfolgreich in den deutschsprachigen Ländern an und seit Ende 2005 auch in Großbritannien, Frankreich, Italien und Spanien. Unser Portfolio reicht von der Lieferung von Zielgruppen für Onlinebefragungen über die Programmierung und Durchführung dieser Befragungen auf unseren eigenen Servern bis hin zum gezielten Aufbau exklusiver Online-Access-Panels. Ein wichtiger Punkt ist unseren Kunden auch eine Dienstleistung der kurzen Wege: Alle internationalen Befragungsteilnehmer werden am Unternehmenssitz von einem professionellen Panelteam zentral verwaltet und gepflegt. Projektleiter als feste Ansprechpartner betreuen jeden unserer Kunden von der Anfrage bis zur Ergebnislieferung.
RR: Wie schätzen Sie die künftige Entwicklung des Marktes ein?
Hellwig: Eines ist doch klar: Am Markt bleibt derjenige Anbieter bestehen, der bei gleichbleibend hoher Qualität zuverlässig Zielgruppen liefern kann. In punkto Entwicklung bin ich überzeugt, dass wir auch in zwei Jahren noch mehr als eine Handvoll Anbieter allein am deutschen Markt sehen werden. Der Nachfragermarkt wächst schließlich vertikal und horizontal: Der Anteil an Onlineumfragen in den Instituten wird weiter wachsen. Und selbst Unternehmen, die früher gar nicht an eigene Marktforschung gedacht haben, werden diese Möglichkeit zukünftig nutzen. Weiter gedacht sehe ich die Zukunft weniger bei groß dimensionierten Datenfabriken. Denn auch in den kommenden Jahren wird vor allem die Datenqualität den Markt bestimmen, und diese ist in einem sehr großen Online-Access-Panel nur sehr schwer zu managen.
