RR: Herr Lorenz, GMI hat seit letztem Jahr ein europäisches Hauptquartier in London. War die deutsche Niederlassung nötig?

Lorenz: Die Kundennachfrage hat sich sehr positiv entwickelt. Da war es nur konsequent, die Präsenz in Europa weiter auszubauen. Wir wollten noch näher an den Kunden in der Region sein, um Service und Unterstützung weiter zu optimieren und den Bedarf für neue Produkte zu ermitteln. Deshalb haben wir Anfang dieses Jahres GMI Central and Eastern Europe in München gegründet. Denn von München aus kann man Deutschland, aber auch Zentral- und Osteuropa gut betreuen - das ist unser Fokus.

RR: Was haben Sie sich in Deutschland für das Jahr 2006 vorgenommen?

Lorenz: Letztlich möchten wir natürlich unser Wachstum in der Region direkt und durch lokale Kooperationen beschleunigen. Unmittelbar wollen wir die Bekanntheit von GMI als Anbieter von umfassenden Lösungen für Marktforscher in Instituten und Unternehmen ausbauen. Und wir möchten unsere Vision für das Management von Research, also unser spezifisches Angebot, im Markt durchsetzen.

RR: Wie sieht dieses Angebot aus?

Lorenz: Wir haben drei Standbeine: Software, Panels und Servicebüros. Lassen Sie mich mit letzteren beginnen. Über die Servicebüros bieten wir unseren Kunden ein komplettes Dienstleistungsspektrum an. Das geht von der Erstellung des Fragebogens über die Datenerhebung, die Datenaufbereitung und -analyse bis hin zum Reporting der Ergebnisse. Wichtig ist an dieser Stelle: Wir sind und bleiben ein Full-Service-Dienstleister für die Marktforschungsbranche. Wir sind kein Marktforschungsinstitut

RR: Wo liegt der Unterschied?

Lorenz: Wir liefern keine methodische Beratung und keine Ergebnisinterpretation. Wenn ein Institut, das vornehmlich telefonisch oder qualitativ arbeitet, im Rahmen eines Projektes eine webbasierte Befragung durchführen möchte, dann braucht es dafür einen technischen Dienstleister. Das sind wir. Diese Dienstleistung steht übrigens das ganze Jahr an sieben Tage in der Woche 24 Stunden zur Verfügung.

RR: Auch an Weihnachten?

Lorenz: (lacht) Wenn Sie möchten, auch an Weihnachten und natürlich am Wochenende. Ich habe es selbst ausprobiert.

RR: Ihr Unternehmen arbeitet international verteilt. Sie selbst sitzen in Deutschland, das europäische Hauptquartier in London und das zuständige Servicebüro in Sofia. Wenn der deutsche Kunde ein Projekt durchführen will, wie läuft das ab?

Lorenz: Nachdem wir hier in Deutschland ein Projekt akquiriert haben, hat der Kunde einen einzigen zentralen Ansprechpartner, den Projektmanager. Die Kollegen in London stammen aus unterschiedlichen Ländern und decken so eine enorme Vielzahl von Landessprachen ab, natürlich Deutsch, aber auch die anderen europäischen Sprachen. Wir sprechen die Sprache des Kunden. Der Projektmanager greift für den europäischen Raum auf die Produktionsarbeit unseres Servicebüros in Sofia zurück.

RR: Kommen wir zum zweiten Standbein. Wie sieht es im Bereich Software aus?

Lorenz: Die Softwareentwicklung findet im kanadischen Vancouver, in Sofia, Budapest und Norwegen statt. Wir bieten mit unserer Software eine Plattform für den kompletten Forschungsprozess: von der Fragebogenerstellung über die Datensammlung, die Auswertung, das Panel-Management und was auch immer an dieser Stelle zu nennen ist. Und wir verwenden diese Software im Unterschied zu manchen Wettbewerbern auch zum Management unseres eigenen Panels. Das hat mittlerweile mehr als fünfeinhalb Millionen Teilnehmer weltweit. Bis zum Ende des Jahres 2008 wollen wir die Grenze von 20 Millionen deutlich überschreiten. Mit unserer Softwaretechnik können wir unseren Kunden jede Form von Marktforschungsprozess in Echtzeit anbieten, auch Mixed-Mode- und Multi-Mode-Befragungen. Wir decken alle nur denkbaren Landessprachen ab. Auch asiatische Sprachen mit Double-Byte-Characters sind kein Problem. Ein Fragebogen kann in einer Hauptsprache erstellt werden und wird nach Bedarf von uns in andere Landessprachen übertragen. Daten aus unterschiedlichen Ländern können wiederum für Ergebnisreports in den gewünschten Sprachen verarbeitet werden. Das Ganze läuft webbasiert und damit in einer Echtzeitumgebung ab.

Mit unserer Technologie spielt es keine Rolle, wo die Befragung durchgeführt wird und zu welchem Zeitpunkt in welchem Land die Daten abgerufen werden. Es ist ein tatsächlich globaler Softwareansatz. Unter dem Stichwort Enterprise Research Management sprechen wir auch Unternehmen außerhalb des Bereiches der Marktforschungsinstitute an. Hier bieten wir eine Softwareplattform für Unternehmen mit umfangreichen Dienstleistungen an, beispielsweise Call-Center. Hier liegt es nahe, ein Befragungsinstrument einzusetzen, um das Feedback der Kunden in Echtzeit zu erfassen - und gegebenenfalls Maßnahmen ergreifen zu können.

RR: Kommen wir zum dritten Bereich, den Online-Panels. Hier herrscht ja zurzeit ein enormer Angebotsdruck. Muss man da nicht mit Sättigung
rechnen?

Lorenz: Es ist ein sehr heiß umkämpftes Feld, aber Sättigung sehe ich nicht. Ich sagte ja schon, dass wir unser Panel bis 2008 auf über 20 Millionen Teilnehmer ausbauen wollen.

RR: Das ist mehr, als Österreich Einwohner hat.

Lorenz: (lacht) Das stimmt. Es ist eine unglaubliche Menge. Wie erreicht man so eine Menge? Natürlich durch Akquisitionen, aber auch - und darauf legen wir großen Wert - durch den Aufbau von Spezial-Panels. Ein spezielles IT-Panel ist gerade im Aufbau, eines im Bereich Healthcare steht schon zur Verfügung. Wir rekrutieren pro Tag einige tausend Panelisten. Daran sieht man, dass im Markt Interesse besteht. Bei der Rekrutierung steht für uns natürlich die Qualität im Vordergrund.

RR: Wie rekrutieren Sie?

Lorenz: Unsere Plattform heißt Globaltestmarket.com. Darauf wird von den verschiedensten Quellen her verzweigt. Wir haben die unterschiedlichsten Kooperationen. Die Plattform ist für jedermann zugänglich. Die Rekrutierung findet in Landessprache statt. In einem speziellen „Double Opt-in"-Verfahren müssen die Teilnehmer zweimal explizit ihre Bereitschaft zur Teilnahme an Umfragen äußern.

RR: GMI ist hierzulande ein Newcomer. Sie müssen sich gegen etablierte Anbieter durchsetzen. Das ist keine einfache Aufgabe.


Lorenz: GMI ist keine unbekannte Größe im deutschen Markt. Eine Reihe von Kunden arbeitet schon mit GMI zusammen. Außerdem kenne ich persönlich keinen Wettbewerber, der die drei von mir genannten Bausteine aus einer Hand anbietet. Bei uns kann der Einstiegspunkt einer Zusammenarbeit ganz unterschiedlich aussehen. Wo es für den einen Kunden um Online-Panels geht, kann das für einen anderen Software, für einen dritten ein Analyseinstrument sein. Viele Wettbewerber können nur einen Baustein bedienen.

RR: Welchen Erfahrungshintergrund bieten Sie Ihren Kunden?

Lorenz: Die Mitarbeiter von GMI kommen aus der Branche. Die Kollegen im Client Service haben viele Jahre bei bedeutenden Marktforschungsunternehmen mit großen Kunden zusammengearbeitet. Ich persönlich habe lange Zeit beispielsweise den deutschen Marktführer betreut. Hier kommen keine Unbekannten zu den Kunden. Der Mitarbeiterstamm von GMI ist in letzter Zeit sehr stark gewachsen. GMI zieht Talente aus der Branche an. Wir sind sehr gut aufgestellt.

RR: Wie groß soll die Münchener Niederlassung werden?

Lorenz:
Wir werden in naher Zukunft fünf bis sechs Leute sein, bis Jahresende vermutlich acht bis zehn. Das Interesse, für GMI zu arbeiten, ist sehr groß. Es ist kein Problem, Leute zu bekommen. Aber sie müssen natürlich zu uns passen.

RR:
Herr Lorenz, vielen Dank für das Gespräch.