Ein bekanntes Bild: Interviewer steigen in eine Straßenbahn ein, in der Hand ein Klemmbrett mit Papierfragebögen, unter dem Arm ein dickes Verzeichnis aller Haltestellen zum Nachschlagen. So vertraut einem das Bild auch sein mag - dem Einsatz des Papierfragebogens sind Grenzen gesetzt. Die Auswahlmöglichkeiten bei den Antworten sind aus Platzmangel klein, Nachschlagewerke in Papierform sind notwendig, das Nachblättern kostet aber viel Zeit. Darüber hinaus besteht bei paper&pencil-Befragungen immer die Gefahr, dass Angaben unleserlich sind und Übertragungsfehler auftreten.

Die PTV Planung Transport Verkehr AG, eines der führenden Software- und Consulting-Unternehmen für die Reise-, Verkehrs- und Transportplanung im B2B-Bereich, führte erstmals computergestützt eine große Verkehrserhebung für den Verkehrsverbund Rhein-Sieg (VRS) durch. Für die Zählung von 1,7 Millionen Einsteigern und die Durchführung von 600.000 Fahrgast-Interviews wurde eine mobile Befragungssoftware verwendet, die auf handlichen, taschenrechnergroßen Pocket PCs läuft. Sie kann - im Gegensatz zu Programmen, die für Notebooks entwickelt wurden - deshalb auch standortungebunden im Stehen und im fahrenden Verkehr eingesetzt werden.

Die PTV entschied sich nach einem Pretest für die mobile Software mQuest®, die speziell für die Markt- und Meinungsforschung entwickelt worden war und auch die Anforderungen von Verkehrserhebungen erfüllt. Sämtliche Arbeitsschritte laufen bei mQuest® digital ab: Die Fragebögen werden am PC erstellt, auf alle eingesetzten Pocket PCs übertragen, bei der Erhebung im Dialog mit dem Fahrgast am Pocket PC ausgefüllt und danach direkt zur Analyse an die Auswertungsprogramme übermittelt.

Das Projekt

Ziel der Verkehrserhebung für den VRS war es, repräsentative Daten über die Fahrgäste des Verbundes zu erhalten. Diese dienen als Grundlage für zukünftige Verkehrsplanungen, für das Marketing sowie für die Einnahmenaufteilung unter den Verbundpartnern. Im Zentrum der Erhebung standen die Zählung der Ein- und Aussteiger sowie die Fragen nach Start- und Zielhaltestellen, Vor- und Nachlaufverkehrsmitteln, Fahrscheinart, verkaufenden Unternehmen, Nutzungshäufigkeit und Fahrtzweck. Hierfür wurde digital ein Fragebogen erstellt und auf 280 Pocket PCs übertragen. Ein wichtiger Vorteil gegenüber dem Fragebogen aus Papier: Am digitalen Fragebogen können Änderungen auch zu einem späteren Zeitpunkt ohne großen Aufwand vorgenommen werden. Die umfassenden Antwortvarianten zu den einzelnen Fragen wurden in Datenbanken zusammengestellt. So waren beispielsweise die über 8000 Haltestellen des Verkehrsverbundes in unterschiedlichen Sortierreihenfolgen mehrfach hinterlegt und konnten durch einfache Auswahl leicht gefunden werden.

Die Durchführung der Erhebung

Erhoben wurde in Zügen, S-Bahnen, Stadtbahnen und Bussen. Bei den Stadtbahnen betraten zwei bis acht Interviewer gleichzeitig ein Fahrzeug und zählten und befragten die Fahrgäste während der Fahrt. Da die exakte Zählung der Ein- und Aussteiger im Vordergrund stand, wurde die Software so erweitert, dass ein Wechsel von der Befragung zur Zählung jederzeit möglich war.

Bei der Zählung und der Befragung gaben die Interviewer die Antworten jeweils mit dem Touchpen ein: meist durch einfaches Berühren des relevanten Feldes, teilweise auch über handschriftliche Eingaben mit Hilfe des Transcribers oder über die Tastatur. Hier reichte es, nur die Anfangsbuchstaben eines Wortes, beispielsweise einer Haltestelle, einzugeben. Über die Autovervollständigungsfunktion wurde der entsprechende Name automatisch dargestellt, wenn sich die Antwortmöglichkeiten auf weniger als 16 Treffer reduziert hatten.

Die Fahrgäste reagierten auf den Einsatz von Pocket PCs sehr positiv. Es zeigte sich, dass die Befragung durch die neue Technologie einen höheren Stellenwert bekam. Auch die von Papierfragebögen bekannte Unzufriedenheit wegen unnötiger beziehungsweise „falscher" Fragen trat nicht mehr auf, denn mQuest® verfügt über eine integrierte Filterführung, die den Interviewer Schritt für Schritt durch den Fragebogen leitet. Auf dem Display erscheinen automatisch nur die Fragen, die aufgrund der bereits gegebenen Antworten relevant sind.

Die 350 Interviewer schätzten die Handlichkeit des Pocket PCs bei der Befragung als großen Vorteil. Da alle für die Antworten notwendigen Informationen wie Haltestellen oder Tarife digital hinterlegt waren, benötigten sie keine weiteren Nachschlagewerke. Passende Antworten ließen sich vereinfacht finden. So reichte es beispielsweise aus, statt des schwer erkennbaren Tarifs einfach den Preis eines Fahrscheins einzugeben, um eine Vorselektion der Tarife zu erhalten.

Die Aufbereitungsphase

Ein großer Vorteil computergestützter Interviews mit Pocket PC gegenüber Papierfragebögen ist die direkte Datenübermittlung. Es müssen keine Daten mehr gescannt oder manuell erfasst werden. Dies spart Zeit und schließt Übertragungsfehler aus. Zur VRS-Erhebung wurden zwei Erhebungsbüros in Köln und Bonn eingerichtet, in denen die Interviewer nach spätestens zwei Tagen mit ihren Pocket PCs zur Datenübermittlung erschienen. Angeschlossen an einen Rechner ließen sich die erfassten Zähl- und Befragungsdaten direkt in eine Access-Datenbank überspielen. Dabei überprüften die Disponenten sofort die Qualität der geleisteten Interviewtätigkeiten.

Überzeugende Lösung

Für die PTV hat sich der Wechsel vom Papierfragebogen zum Pocket PC als erfolgreich erwiesen. Die Vorbereitung der Befragung war - abgesehen von einem einmaligen Schulungsaufwand - nicht umfangreicher als die Vorbereitung von paper&pencil-Befragungen. Hinsichtlich der Qualität der Befragungsdaten, der höheren Datensicherheit und schnelleren Datenverfügbarkeit zeigt die mobile computergestützte Befragung klare Vorteile.