Einige können sich noch vage an ihn erinnern, manche haben sich erst vor kurzem von ihm verabschiedet und manche können einfach nicht Abschied nehmen. Die Rede ist vom guten alten Papierfragebogen. Jenes Stück Papier, welches die Aura und die Magie besaß, uns auch aus dem entlegensten Interviewer-Einsatzort die Geschichte zu erzählen, die er zu erzählen hatte. Wenn er frisch aus dem Feld kam, hatte er seinen eigenen Duft, sein Aussehen glich nie dem Nächsten und er sagte uns sehr viel über die Person, die wir befragten - aber auch sehr viel über die Person, die das Interview führte. Und war er nicht das letzte Stück Persönlichkeit, wie ein Brief, bevor sein Inhalt zu abstrakten Daten verarbeitet und als Form von Bits und Bytes dem anonymen Datenbrei zugefügt wurde, um als Tausendstel einer Prozentzahl in seine kurze Geschichte einzugehen. Und verriet er uns nicht manchmal allein durch seine Konsistenz vieles über seine Qualität und gar über seine Wahrhaftigkeit.
Da es sich hier nicht um einen Abgesang einer Legende handelt, wagen wir auch einen Blick in die Schattenseiten. War dieser Papierfragebogen nicht auch jener, der unsere Projekte träge machte, die Kurierkosten in die Höhe trieb, die Datenaufnahme aufwändig und manchmal auch fehlerhaft machte oder die Feldkontrolle zur großen Herausforderung gestaltete. Er trug auch die Verantwortung für die vielen Fragebogenseiten die nochmals gedruckt werden mussten, weil dem Auftraggeber kurz vor Feldstart noch eine wichtige Änderung einfiel. Und was ist mit all den schönen methodischen Vorteilen, die uns die Einführung des Computers bei Umfragen brachte. Ja die Welt ist schneller und komfortabler geworden. Der Papierfragebogen war uns viele Jahrzehnte eine große Hilfe, doch nun erscheint der Fragebogen, der in die Jahre gekommen ist, zu träge, unflexibel und zu teuer.
Papierlose Alternativen
Die wunderschöne Welt der Computertechnologie und die immer attraktiver werdenden Möglichkeiten der mobilen Datenkommunikation haben eine Vielzahl von Alternativen gebracht. So sind seit Jahren schon im Face-to-Face-Feld Laptops und Pentops im Einsatz. Sie vereinen viele Vorteile von methodischem Anspruch, Flexibilität und Schnelligkeit. Endlich können die methodischen Vorteile von computergestützten Befragungen auch im Face-to-Face-Feld genutzt werden. Kurierdienste transportieren keine Fragebögen mehr, sondern empfindliche Laptoptechnik durch deutsche Lande. Die hohe Investition in die Endgeräte zeigt auch für den Kunden nicht unbedingt seine positiven monetären Auswirkungen. Spannend wurde es wieder bei der Markteinführung von so genannten Handhelds, auch bekannt als MDAs oder Organizer. Etwas größer als ein Handy, mit attraktiver Displaygröße, Tastatur, Windowsoberfläche und mobiler Datenkommunikation schien man für den mobilen Interviewereinsatz auf der Straße, im öffentlichen Nahverkehr, am Point-of-Sale, in Einrichtungen jeglicher Art und wo auch immer die Kunden es wünschten das richtige Erhebungsinstrument gefunden zu haben. Die Geräte waren so preiswert, dass es selbst der Kunde spürte. Das Handling war dabei so flexibel, dass man sich mit dem Gerät beim Rekrutieren der Probanden frei bewegen konnte. Die Erhebungsdaten landeten direkt nach dem Interview im Server des Instituts und konnten nach Bedarf sofort ausgewertet werden.
Beim praktischen Einsatz jedoch zeigte diese Gerätekategorie eine Schwachstelle. Diese bestand darin, dass man Internetfragebögen einsetzte und dadurch ständig online sein musste, also am Befragungsort eine Mobilfunkverbindung benötigte. Trotz aller Bemühungen der Mobilfunknetzbetreiber schien an vielen Orten ein konstant guter Mobilfunkempfang einfach nicht möglich zu sein. Das Feld war damit eingeschränkt und für manche Befragungsorte nicht mehr flexibel einsetzbar.
Effizienter Helfer
Seit letztem Jahr gibt es nun eine Technologie, die alle Vorteile bietet, die man sich von einem modernen mobilen Erhebungsinstrument für das Face-to-Face-Feld wünschen kann. Das Gerät heißt Blackberry und nutzt eine sogenannte „Push & Pull-Technologie", die den Anwender endlich von den Lücken im Mobilfunknetz unabhängig macht. Dieses Handheld ist etwas größer als eine Zigarettenschachtel, verfügt über ein relativ großes Farbdisplay, eine Tastatur für die Eingabe von offenen Antworten und über ein Scrollrad, mit dem man sich komfortabel durch den Fragebogen bewegt. In Zusammenarbeit mit T-Systems entwickelte das IWD Marktforschungsinstitut eine Befragungssoftware für dieses Gerät. Die Software läuft als Java-Applikation unabhängig vom Mobilfunknetz und der Möglichkeit, sich ins Internet einwählen zu können. Der Interviewer kann sich für seine Probandenrekrutierung und Befragungen frei bewegen, auch wenn er im Zug ohne Mobilfunkempfang oder an der Fleischtheke im Supermarkt ist. Ohne Mobilfunknetz werden alle ausgefüllten Fragebögen im Gerät zwischengespeichert. Sobald das Mobilfunknetz wieder aktiv ist, versendet der Blackberry automatisch alle fertigen Fragebögen an den Zentralserver des IWD Marktforschungsinstituts. Ist das Mobilfunknetz während der Befragung aktiv, erfolgt der Datenversand sofort nach Beendigung des Interviews. Die Daten können dem Qualitätsmanagement zugeführt und sofort danach in der Analyse ausgewertet werden. Auch Änderungen des Fragebogens kurz vor Feldstart oder sogar während der Feldphase sind unproblematisch: Der Fragebogen wird einfach im Institut modifiziert und kann via Mobilfunk auf die ausgewählten Geräte „gepusht" werden. Dank der Onlinereporting-Plattform kann der Kunde jederzeit den Feldstatus und eine Ergebnisauswahl wie bei Onlinebefragungen abrufen.
Da es sich um ein Mobilfunkendgerät handelt, wird der Blackberry vom Mobilfunkanbieter subventioniert. Aus diesem Grund sind die Endgeräte preiswert, wobei sich die Kosten je nach Anbieter im zweistelligen Bereich bewegen. Im Gegensatz zu internetbasierten Geräten muss das Gerät keine ständige Verbindung halten. Dementsprechend gering sind die Kosten der Datenkommunikation. Erwähnenswert sind darüber hinaus die robuste Bauweise des Geräts und seine Einsatzfähigkeit im Ausland.
Ausblick
Der gute alte Papierfragebogen wird es in Zukunft nun noch etwas schwerer haben. Blackberry ermöglicht ein Zusammenspiel von methodischem Anspruch, Flexibilität, Kosten, Schnelligkeit, Qualitäts- und Feldmanagement. Mit Sicherheit wird es noch Projekte geben, in denen man einfach nicht auf das gute alte Stück Papier verzichten will. Denn wie sagt man: „Legenden sterben nie".
Fachartikel
Ausgabe 2/2005, Seite 26
Artikelnummer: 05-02-26-1
Keine Zukunftsmusik
Neue Wege bei der Datenerhebung
Jahrelang war der Papierfragebogen Medium Nummer eins an der Feldforschungsfront. Nun hält auch hier die Technologie Einzug. Marcus Körner erläutert die Einsatzmöglichkeiten des „Blackberry" in der Datenerhebung.
Kasten:
Steckbrief:
Steckbrief:
- Handliches Endgerät für flexibles Rekrutieren und Befragen
- Farbdisplay für gute Lesbarkeit
- Feldfähigkeit durch sehr robustes Gehäuse
- Komfortable Bedienung durch Scrollrad und Tastatur
- Interview auch ohne Mobilfunknetz möglich
- Push & Pull-Technologie für kurzfristige Fragebogen-Änderungen europaweit
- geringe Kosten für Endgeräte und Datenkommunikation
- Zeitpunkt und Qualität der Befragung sofort überprüfbar
- auch als Mobiltelefon nutzbar für Intervieweranweisungen
- Onlinereporting für Feldleitung und Kunden
- Ergebnisse kurze Zeit nach Feldende lieferbar
