In der Regel antworten Probanden auf Basis ihrer Erinnerung. Nicht so beim Prefalyzer (für Preference Analyzer). Er stellt die Antworten einer Testgruppe im selben Moment dar, in dem sie abgegeben werden. Die Teilnehmer antworten dabei auf Fragen, die der Testleiter oder Moderator über einen Beamer samt Antwortvorgaben an die Wand projiziert. Durch Drehen an einem Handgerät in der Größe einer Fernbedienung stellen die Testpersonen die Antwortziffer ein, die für sie zutreffend ist. Die gesonderte Datenerfassung entfällt. Grafisch dargestellte Ergebnisse sind sofort für Moderator und beobachtende Beteiligte im Nebenraum sichtbar. Die Probanden sehen hin gegen lediglich den Fragetext und die Antwortvorgaben.
Hervorzuheben ist die Möglichkeit, Untersuchungsobjekte im Zeitverlauf zu messen. So wird etwa ein Werbespot auf sekundengenauer Basis über die gesamte Länge gleichzeitig von allen Testpersonen be wertet, die kontinuierlich durch Drehen an ihrem Handgerät ihre Beurteilung abgeben: stufenlos zwischen 0 am linken und 100 am rechten Anschlag. Gegenüber der retrospektiven Abfrage ist die zeitgleiche Echtzeit-Bewertung nicht von der Erinnerungsleistung des Befragten abhängig. Sekunde für Sekunde wird dabei die Reglerstellung jeder Testperson drahtlos übermittelt und sofort grafisch dargestellt. Durch ein zeitgleiches Video-Overlay sehen sowohl Moderator als auch Projektbeteiligte im Nebenraum, an welchen Stellen ein Spot (nicht) funktioniert, oder ob es zwischen Teilzielgruppen Polarisierungseffekte gibt.
Diese Form der Echtzeit-Verlaufsmessung ist immer dort sinnvoll, wo sich das Befragungsobjekt im Zeitverlauf verändert. Neben TV-Spots sind das beispielsweise auch Radio-Spots, TV-Sendungen, Musical- und Theateraufführungen und Musikstücke.
Schweiger und die Dominanz der Meinungsführer
Für den Einsatz in der Gruppendiskussion spricht neben der sofortigen Darstellung von Bewertungen auch die Anonymität der Urteilsabgabe. Selbst in kleinen Gruppen kristallisieren sich meist schnell Meinungsführer und Schweiger heraus. Beim Einsatz apparativer Verfahren antwortet jeder Teilnehmer der Diskussionsrunde für sich, zeitgleich und - zumindest nach Aufforderung durch den Moderator - ohne, dass der Nachbar dabei zusieht. Durch die sofortige Darstellung der Antworten, auch derjenigen, die sich sonst in der Diskussion eher zurückhalten, kann der Moderator durch deren gezielte Ansprache sehr viel besser eine Diskussion unter der Beteiligung aller Teilnehmer erreichen.
Die Möglichkeiten, die sich durch den Einsatz des Prefalyzers in der Gruppendiskussion ergeben, dürfen jedoch nicht dazu führen, eine qualitative Methode zu „verquantifizieren". Hier auf einzelne Prozentanteile zu schauen, wäre sicher falsch. Richtig eingesetzt stellt es jedoch eine Bereicherung der qualitativen Instrumente dar, indem das Problem der Meinungsführer-Dominanz überwunden und Einstellungen sichtbar gemacht werden, bevor sie sich durch gruppendynamische Prozesse verändern.
Fachartikel
Ausgabe 2/2005, Seite 16
Artikelnummer: 05-02-16-1
Drahtlos
Echtzeit-Ergebnisse durch apparative Verfahren
Real-Time-Response-Verfahren bieten Vorteile bei der Untersuchung audiovisueller Testobjekte wie TV-Spots. Auch bei anderen Themen kann sich der Einsatz lohnen, meint Dirk Martens, etwa um die Meinungsführer-Dominanz in Gruppendiskussionen auszuschalten.
